1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: "Nein" zur Methadonpraxis

Meerbusch : "Nein" zur Methadonpraxis

Der Plan zweier Mediziner aus Büderich und Grevenbroich, Drogenabhängige in einer Praxis am Deutschen Eck zu versorgen, stößt bei den örtlichen Händlern auf Unverständnis und breiten Widerstand.

Der Plan des Allgemeinmediziners Dr. Michael Kirch und seines Kollegen Dr. Joachim Treppmann, am Deutschen Eck eine Methadonpraxis zu eröffnen, um dort drogenabhängige Patienten zu versorgen, stößt bei den Einzelhändlern am Deutschen Eck auf Widerstand. Und auch bei der Vereinigung Werbe- und Interessenring Büderich (WuI) machen sich Angst und Sorge breit. Die RP hatte exklusiv über das Vorhaben berichtet. Ein klares "Nein" kommt von allen Seiten, Protest ist geplant.

"Büderich ist dafür der falsche Ort", sagt Sieglinde Ipfelkofer, Vorstandsmitglied der WuI. Nach Ansicht der WuI-Sprecherin würde sich solch eine Praxis sehr negativ auf das Image des Deutschen Ecks auswirken. Bestehende Kundschaft würde anfangs einen Bogen um diese Personenkreise machen, später ausbleiben. Aber mehr noch. "Da die Verkehrsanbindungen nicht optimal sind, würden viele Patienten mit der Bahn kommen und am Landsknecht aussteigen", so Ipfelkofer. Zudem würden Patienten nicht nur einmal die Woche anreisen, sondern könnten regelmäßige Treffpunkte in Meerbusch ansteuern, so die Sorge. "Und wenn sie dann ein Platzverbot am Deutschen Eck bekämen, verlagert sich das Problem irgendwohin nach Büderich", sagt Ipfelkofer.

Ähnliche Ansichten vertreten auch die potenziell betroffenen Einzelhändler vor Ort. Seit rund einem Jahr engagieren sich die Geschäftsleute intensiv, um das Image des Deutschen Ecks aufzupolieren. Aktionstage wurden durchgeführt und sind auch weiterhin geplant. Die städtische Wirtschaftsförderin Heike Reiss arbeitet Hand in Hand mit den Geschäftsleuten. Neue Beschilderungen zu günstigen Konditionen sollen angeschafft werden. "Das ist dann alles futsch. Alle Bemühungen waren dann umsonst", sagt Michael Hauschild, Buchhändler an der Oststraße. Sehr nervös sei die Stimmung unter den Einzelhändlern.

"Wir Meerbuscher in Büderich brauchen diese Praxis nicht", sagt Apothekerin Anne Rhein und bringt es für ihre Kollegen auf den Punkt. Damit würde am Deutschen Eck "etwas installiert werden, was Probleme macht, die wir hier vorher nicht hatten". Anfang Januar wollen sich die Geschäftsleute treffen. Dabei soll ein Beschwerdebrief verfasst werden, der fünf Empfänger haben soll: Bürgermeister Dieter Spindler, Angelika Mielke-Westerlage (Erste Beigeordnete der Stadt Meerbusch), Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, das Gesundheitsamt des Rhein-Kreises und die Kassenärztliche Vereinigung. "Hilfe für solche Patienten ist gut, aber nicht hier bei uns im Ortskern", unterstreicht Händlerin Christina Krause.

Ulla Wester vom Antikgeschäft Tausendschön denkt dabei auch an die Methadon-Patienten und deren Familien aus Meerbusch. "Konnten sie vorher anonym in anderen Städten behandelt werden, wäre es hier für sie wie ein Spießrutenlauf unter aller Augen", so Wester. "Generell wäre das der Sargnagel fürs Deutsche Eck", fügt Michael Hauschild an.

(RP)