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Musikprojekt an Grundschule in Meerbusch

Über 300 Kinder bauen mit Begeisterung Instrumente : Martinus-Schüler bauen 200 Panflöten

Beim „Klangkunst“-Projekt stellen die Jungen und Mädchen der St. Martinus-Grundschule selbst Instrumente her. Auf diesen soll dann beim anstehenden Schulfest gespielt werden. Auch der Nachhaltigkeitsgedanke spielt eine Rolle.

In eine Klangwerkstatt, auf die die Bezeichnung im wahrsten Sinne des Wortes zutrifft, verwandelte sich an vier Tagen die Gemeinschaftsgrundschule Sankt Martinus in Strümp. Grund war die Klangkunst-Projektwoche, an der alle 335 Schüler, das gesamte Kollegium sowie das OBV-Team mit Begeisterung teilnahmen.

Handwerkliche Teamarbeit praktizieren sechs Kinder, wenn es darum geht, Stücke von einer Papprolle, aus denen dann später Trommeln entstehen, abzusägen. Schon einen Schritt weiter ist Josefine, die ihre fast fertige Trommel bemalt. „Dieses Blau und das Rosa zählen zu meinen Lieblingsfarben“, erklärt die Viertklässlerin. Wenige Meter entfernt werden mit Hilfe einer Gehrungslade unterschiedlich lange Stücke von Kunststoffröhren abgesägt, die später wieder zu einer Panflöte zusammengefügt werden. Als Soundtrack der Betriebsamkeit sind unterschiedliche Klänge, vom hohen Sirren sogenannter Moskitos, über die hauchigen Töne einer Panflöte bis hin zum durchdringend rhythmischen Sound von Trommeln, zu hören. Es klingt nicht nach Chaos, sondern nach dem Spaß, den es macht, das Ergebnis eigener Kreativität akustisch wahrzunehmen.

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Klangwerkstatt-Leiter ist Michael Bradke, pädagogisch orientierter Klangkünstler, Instrumentenbau-Tüftler sowie Erfinder des Konzepts für ein Mobiles Musik Museum. Er entlockt der Do-it-yourself-Panflöte Töne, deren Klangfarbe von einer echten Panflöte aus Holz kaum zu unterscheiden ist. „Am Dienstag habe ich mit der Vorbereitung des Kollegiums, das komplett in das Projekt einbezogen ist, begonnen, mittlerweile sind 200 Panflöten und ebenso viele Trommeln hergestellt worden und zum Abschluss, im Rahmen des Schulfestes, wird es ein Wandelkonzert in dem Außengelände geben, bei dem sich Solisten, Bands und kleinere Ensembles gemeinsam musikalisch mit ihren Instrumenten präsentieren können“, sagt Bradke, der im Verlauf mit bis zu 1000 Besuchern rechnet. In den paar Tagen konnten die Kinder die Enge des Klassenraums verlassen, sich bewegen, ihrer Kreativität freien Lauf lassen, erforschen und staunen“, fasst Bradke die Intention seines Workshops zusammen. Ihm ging es auch darum, dass bei allen verwendeten Materialien auf Nachhaltigkeit geachtet wird, dass die Gegenstände, die zum Einsatz kommen, ein Upcycling erfahren. 

Sehr versiert, mit feinen Rhythmuswechseln trommelt Matthis, der hörbar Schlagzeug-Unterricht hat, auf seiner Trommel. „Es ist spannend, wie die Tonhöhe von der Länge der Röhre abhängt, man könnte eine ganze Tonleiter trommeln“, so der Viertklässler. Im klanglichen Installationspark können Kinder mit auf dem Boden liegenden, rund zwei Meter langen Erdxylophonen den Schallwellen körperlich nachfühlen oder an einer Orgel aus Kunststoffröhren, bei der die Luft wie bei einer Luftpumpe oder mittels Flip-Flops durch die Röhren gepresst wird, kleine Melodien erfinden. Bei Valerie und Helene klappt das schon sehr gut, die beiden Zweitklässlerinnen intonieren den Kinderlied-Klassiker „Alle meine Entchen“ auf einem großen Metallophon, bei dem wahlweise runde oder rechteckige Resonanzkörper zur Auswahl stehen. „Ich habe Klavierunterricht“, erklärt Valerie ihr musikalisches Können.

„Es ist wie ein Kultur-Neustart nach Corona“, freut sich Schulleiterin Anne Weddeling-Wolff, „die Kinder kamen während der Pandemie mit ihrer Kreativität einfach zu kurz.“ Auch für das Kollegium hatte die Woche etwas Befreiendes, denn beim Instrumentenbau und -spiel erschienen Schulfächer wie Mathematik, Physik oder Biologie nicht nur für die Kinder in einem neuen (Selbst-) Erfahrungskontext.