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Meerbusch: Musik für die Seele

Meerbusch : Musik für die Seele

Dorothee Wohlgemuth ist als Sopranistin auf den Bühnen der Welt unterwegs. Die Osteratherin hat es geschafft, ihre Musikleidenschaft zum Beruf zu machen. Ihre Stimme nutzt die Solistin dazu, andere Menschen zu bewegen.

Paris — Amsterdam — USA. Dorothee Wohlgemuth führt ein "Jetset-Leben". Doch die Osteratherin ist kein Model, sondern eine gefragte Sopranistin. Noch vor einer Woche stand sie auf der Bühne der Pariser Oper, am 1. März fliegt sie mit Zwischenstopp in der niederländischen Hauptstadt auf Tournee in die USA. Dort wird sie unter der Leitung von Ton Koopman mit dem "Amsterdam Baroque Choir"-Ensemble auftreten, mit dem sie bereits seit zehn Jahren international unterwegs ist. Die gebürtige Wormserin liebt ihr Leben, denn sie hat es geschafft, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

Und das, obwohl ihr Vater ihr zu einem ordentlichen Job geraten hatte und nicht zu so einer "brotlosen Kunst wie das Singen", erinnert sich die Sängerin. Dabei stammt Wohlgemuth aus einer sehr musikalischen Familie. "Meine Mutter hat lange im Chor gesungen und spielt Geige.

Bei uns Zuhause lief eigentlich immer klassische Musik." Sie selbst hatte auch bereits in ihrer Kindheit mehrere Instrumente ausprobiert — sie lernte Blockflöte und spielte lange Zeit Geige — bevor sie sich ganz dem Singen widmete. Mit 14 Jahren sang sie das erste Mal im Chor. "Das hat mir so viel Spaß gemacht, da bin ich dabei geblieben", sagt Wohlgemuth. Sie studierte Gesang in Düsseldorf und Köln und steht heute als Solistin auf großen Bühnen von vornehmlich Konzertsälen und Kirchen — in Opern eher selten.

Dafür probt Wohlgemuth zwei bis drei Stunden täglich, außer auf Tourneen. "Die Stimme ist das emotionalste Musikinstrument", sagt sie. "Mit ihr gelingt es mir, starke Gefühle zu transportieren. Es ist toll, diese dann in den Gesichtern des Publikums wiederzufinden."

Und dieses reagiert von Land zu Land sehr unterschiedlich, stellte die Sängerin fest. "Während Niederländer nur kurz, aber sehr heftig applaudieren und vor allem immer aufstehen, reagieren die Deutschen meist viel später", analysiert sie. "Sie warten erst einmal, steigern sich dann aber langsam und beweisen Durchhaltevermögen. Zudem ist es ein Kompliment, wenn Deutsche aufstehen. Ein italienisches Publikum ist dagegen viel ungehaltener. Kaum halt der letzte Ton noch nach, fangen sie sofort an zu klatschen."

Lampenfieber hat die zweifache Mutter nicht. "Es ist eher eine freudige Spannung", sagt sie. "Und sobald das Orchester anfängt zu spielen, macht sich bei mir ein Glücksgefühl breit." Ihre Träume hat sich die Konzertsängerin bereits alle erfüllt, wie sie selbst sagt. "Ich hoffe einfach, dies noch eine Weile machen zu dürfen, bevor ich dafür zu alt werde", sagt sie. Ihren letzten Traum hat Wohlgemuth allerdings gerade erst verwirklicht: "Ich habe Soloaufnahmen mit Ton Koopman auf CD aufgenommen, die jetzt herauskommen werden. Es war für mich eine große Ehre mit dem Bach-Altmeister zusammen an einem Soloprojekt zu arbeiten."

Ihre Musikalität hat die zweifache Mutter bereits an ihre Kinder vererbt. Ihr Tochter spielt Fagott und Klavier, ihr Sohn E-Gitarre — "allerdings moderne Songs, keine klassische Musik", sagt Wohlgemuth. Zudem ist die Osteratherin mit Komponist und Pianist Thomas Blomenkamp verheiratet.

(RP/rl)