Meerbusch: Müffel-Kita: Neubau frühestens 2016

Meerbusch: Müffel-Kita: Neubau frühestens 2016

Zwei jetzt in der Kita Knirpsmühle eingesetzte Plasma-Reiniger entfernen zwar den modrigen Geruch, haben aber Nebenwirkungen. Die Verwaltung denkt an Neubau — allerdings frühestens in zweieinhalb Jahren

Der fiese Geruch hat einen Namen: C7H7ClO. Dabei handelt es sich um eine Chlor-Anisol-Verbindung. Und die müffelt. Dummerweise treten die Chlor-Anisole in der städtischen Kindertagesstätte Knirpsmühle in Osterath aus, bei der es im vergangenen Jahr einen lange Zeit unbemerkten Wasserrohrbruch gab. Hoffnung der Verwaltung: mit Beseitigung des Wasserschadens verschwindet auch der Modergeruch. Den Gefallen haben die Chloranisole der Stadt Meerbusch nicht getan. "Bei einer Messung Ende September wurde ein Chlor-Anisol-Wert von 1,4 festgestellt", berichtete Sozial- und Gesundheitsdezernentin Angelika Mielke-Westerlage jetzt in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses. "Ab einem Wert von 1,0 ist der Geruch wahrnehmbar."

Auf der Besucherbank hatten zahlreiche Eltern von Kita-Kindern der Knirpsmühle Platz genommen. Mielke-Westerlage betonte, es seien keine gesundheitsschädlichen Schimmelpilzsporen oder Chlorgase festgestellt worden. Die Chlor-Anisole, die aus alten Holzschutzmitteln entweichen, seien nicht gesundheitsgefährdend. "Man riecht den modrigen Geruch meist schon vor dem Betreten der Kita im Außenbereich, und im Inneren der Kita herrscht in allen Räumen diese üble Geruchskulisse", sagt Lars Ebbing, der zwei Kinder in der "Knirpsmühle" hat. Das Gesundheitsdezernat versuchte, Abhilfe zu schaffen.

Zwei Plasmaluftreiniger versehen seit Mitte November ihren Dienst in zwei Räumen der Kita. "Eine Messung im Dezember ergab: Der Chlor-Anisol-Wert war auf 0,4 gefallen, der schlechte Geruch verschwunden", berichtete Mielke-Westerlage den Ausschusspolitikern. Aber die Plasmareiniger haben Nebenwirkungen: "Sie brummen, sie sorgen für sehr trockene Luft und Hautreizungen bei den Kindern — und es haben sich auch schon Kinder die Finger in den Lüftungsschlitzen geklemmt", berichtet Alexandra Unkelbach, deren dreijährige Tochter die Kita besucht. Mielke-Westerlage berichtete, die Stadt habe sich deshalb gegen die Anschaffung der je 10 000 Euro teuren Geräte entschieden.

Die Dezernentin denkt eher an einen Neubau. "Wir kommen nicht umhin, die Planung einer neuen Kita aufzunehmen." Dies ist auch der Wunsch der Eltern. Unterschiedlich wird allerdings der Zeithorizont gesehen. Mielke-Westerlage erklärte im Ausschuss, ein Neubau sei "sicherlich nicht von heute auf morgen zu realisieren". Und: "Geld haben wir natürlich auch nicht." Sie halte einen Zeitraum von zweieinhalb bis drei Jahren für einen Neubau für realistisch. "Das ist sicherlich ein sehr langer Zeitraum, aber ich möchte nichts versprechen, was ich nicht halten kann." In der Zwischenzeit müsse eine Interimslösung gefunden werden.

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Wie die aussehen könnte, hatte die Dezernentin in einem Gespräch mit den Elternvertretern bereits skizziert: Das mit Eröffnung des neuen Kiga 71 leerstehende Gebäude des städtischen Kindergartens in Bösinghoven wäre für die Verwaltung eine Alternative. Dort könnten zumindest zwei der drei Gruppen der 63 Kinder starken Kita untergebracht werden.

Das aber lehnen die Eltern ab: "Eine Aufsplittung der Kita kommt für uns nicht infrage", sagt Ebbing. Der Ausweich-Standort in Bösinghoven sei zudem für viele Eltern schlecht zu erreichen. Alexandra Unkelbach: "Manche Eltern haben nur ein Auto — und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist Bösinghoven schlecht zu erreichen."

Spätestens Anfang März will die Verwaltung die Eltern zu einem Informationsabend einladen. Mielke-Westerlage: "Dort wird auch ein Arzt referieren, der auch Toxikologe ist." Das beruhigt die Eltern kaum. Unkelbach: "Langzeitstudien zu Chlor-Anisolen gibt es nicht."

(RP)
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