Meerbusch: Mordkommission ermittelt

Meerbusch : Mordkommission ermittelt

Kurz vor seinem Tod in einem brennenden Auktionshaus hat der Inhaber wegen eines vermeintlichen Raubüberfalls die Polizei alarmiert. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, mangels Tatverdacht wieder entlassen.

In die Ermittlungen zu dem tödlich verlaufenen Kellerbrand an der Lanker Fronhofstraße hat sich jetzt die Mordkommission eingeschaltet. Wie gestern bekannt wurde, hat das Opfer Rainer B., 53-jähriger Inhaber des abgebrannten Auktionshauses, kurz vor dem Feuer noch telefonisch die Polizei verständigt. Er gab an, gerade in dem Kellerraum von einem Mönchengladbacher Restaurantbesitzer beraubt zu werden. Auch seiner Frau berichtete er von dem angeblichen Vorfall.

Der von ihm beschuldigte 45-Jährige erschien wenig später am Brandort. Er wurde vorläufig festgenommen, nach der Durchsuchung von Haus und Autos aber wieder entlassen. "Gegen den Mönchengladbacher ergab sich nach den bisherigen Vernehmungen und Spurenauswertungen kein dringender Tatverdacht", erklärte gestern die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen zur Brandursache und zum Brandleger seien noch nicht abgeschlossen. Aus Kreisen der Ermittler war zu hören, dass auch ein "spektakulär inszenierter Suizid" möglich sei. Die Stahltür zum Keller sei von innen verriegelt gewesen, bestätigt Staatsanwalt Christoph Kumpa. Georg Heusler, Rechtsbeistand des 45-Jährigen, hält auch einen missglückten Versicherungsbetrug für möglich.

Die Obduktion ergab laut Polizei, dass das Opfer an einer Rauchvergiftung gestorben ist. Anwalt Heusler erwähnte außerdem noch mehrere Stichverletzungen, die allerdings nicht lebensbedrohlich gewesen seien.

Markus Mellenthin, Sohn der Vermieter, beschreibt den Verstorbenen als freundlichen, eher ruhigen und ausgeglichenen Menschen. Das Auktionshaus habe er schon seit mehreren Jahren betrieben.

Auf dem Hinterhof des Hauses stand gestern den ganzen Tag über ein Streifenwagen. Polizisten bewachten den abgesperrten Eingang zum Keller. Immer noch lag Brandgeruch in der Luft. Alle paar Minuten kamen Bürger vorbei, um Postsachen abzugeben — mussten aber unverrichteter Dinge wieder kehrt machen. Die Postagentur über dem ausgebrannten Auktionshaus ist wohl noch mehrere Tage lang geschlossen. Der Brand hatte am Dienstag Nachmittag und Abend zu einem Großeinsatz der Meerbuscher Feuerwehr mit rund 100 Kräften geführt. Die Wehrleute brauchten zweieinhalb Stunden, um in dem völlig verqualmten und mit Antiquitäten vollgestellten Keller zum Brandherd vorzudringen.

25 Trupps mit Atemschutzgeräten arbeiten sich im Wechsel vor. Dass sich der Inhaber noch in den brennenden Räumen befand, konnten die Helfer nach Ortung seines Handys annehmen. Elf Bewohner aus dem Gebäude über dem Auktionshaus wurden evakuiert und im nahen Pfarrzentrum untergebracht. Da sich der um 15 Uhr begonnene Einsatz bis in die späten Abendstunden hinzog, rückte das Deutsche Rote Kreuz mit einer Verpflegungseinheit an und versorgte Anwohner und Einsatzkräfte mit Speisen und Getränken. Gegen 22.40 Uhr konnten schließlich die letzten Kräfte der Feuerwehr den Brandort verlassen.

(RP)