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Meerbusch: Mit Köpfchen aus der Krise

Meerbusch : Mit Köpfchen aus der Krise

Die Zahl der Firmenpleiten in Meerbusch soll gegen den Trend im Rhein-Kreis Neuss sinken. Die Creditreform Düsseldorf/Neuss wagt sich an eine Hochrechnung fürs zweite Halbjahr.

Meerbuscher Unternehmer haben ihre Hausaufgaben wohl gemacht. Sie behalten auch in der Krise den Kopf oben und schwimmen gegen den Trend in Düsseldorf und im Rhein-Kreis Neuss. Für diese Einschätzung sprechen die neusten Daten und Prognosen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Demnach geht die Zahl der Firmenpleiten in diesem Jahr von 38 auf 35 (minus 7,9 Prozent) zurück. Das ist insofern etwas Besonderes, da Konjunkturforscher Dr. Rainer Bovelet für sechs der acht kreisangehörigen Kommunen zum Teil drastische Steigerungen der Insolvenzzahlen ankündigt. Stark betroffen sind Kaarst (plus 81,8 Prozent), Jüchen (+71,4%), Grevenbroich (+52,2%), Rommerskirchen (+22,2%), Neuss (+12,9%) und Dormagen (+10,3%). In absoluten Zahlen relativiert sich die Dramatik allerdings. Da bewegt sich Meerbusch in etwa auf einem Niveau mit Städten wie Dormagen und Grevenbroich.

Doch auf den Trend kommt es an. Und der wird anscheinend aus dem zweiten Halbjahr 2010 nahtlos fortgesetzt. Damals setzte sich die Entwicklung drastisch von der in Düsseldorf ab, diesmal von der des Rhein-Kreises. Offenbar ist den Unternehmern in Meerbusch die strukturelle Anpassung an die Erfordernisse der Zeit gut gelungen.

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Die renommierten Firmen wie Böhler-Uddeholm, Medtronic, Kyocera, Epson, Hannspree und andere machen gute Geschäfte. Im Untersuchungszeitraum waren in Meerbusch eher kleine und mittlere Betriebe von einer Insolvenz betroffen. "Das können wir leider im Moment noch nicht genauer verifizieren", sagt Bovelet. Er hofft, dass in naher Zukunft die Daten noch präziser werden und zum Beispiel die Zahl der durch Insolvenz verschwundenen Arbeitsplätze angegeben werden könne.

Dass der wirtschaftliche Aufschwung in Meerbusch angekommen zu sein scheint, belegen auch Prognosen des Kämmerers Helmut Fiebig und von Bürgermeister Dieter Spindler. Die beiden haben sich schon im Mai zuversichtlich und leicht optimistisch hinsichtlich der Gewerbesteuereinnahmen der Stadt geäußert.

Daniel Meffert, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung in Meerbusch, sieht in dem guten Branchenmix innerhalb der Stadtgrenzen einen großen Vorteil. Keine Branche sei so dominant, dass deren Krise die Kraft der Meerbuscher Wirtschaft entscheidend schwächen könnte. "Im vergangenen Jahr war es der Sektor Werbung und Kommunikation mit Auswirkungen in der Landeshauptstadt, an dem viele zuerst einmal gespart haben, und jetzt ist es Transport und Logistik im Rhein-Kreis Neuss, die an den Folgen der Wirtschaftskrise leiden", sagt Bovelet.

Aufschlussreich wäre es, so Meffert, einmal zu erfahren, wie viele Selbstständige in der Startphase ihres Unternehmens scheitern. Eine gute Vorbereitung etwa in der Unternehmerschule der Kreis-Mittelstandsvereinigung könnte sicherlich helfen, sagt er.

(RP/rl)