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Meerbusch: Mit dem Bus nach Singapur

Meerbusch : Mit dem Bus nach Singapur

Den Prüfungsstress weit hinter sich lassen – Johannes Kleutges und Anika Seidler nahmen das wörtlich und brachen nach dem Examen zu einem großen Abenteuer auf: Die beiden frischgebackenen Ingenieure sind von Meerbusch aus mit einem alten VW-Bus nach Südostasien unterwegs.

Den Prüfungsstress weit hinter sich lassen — Johannes Kleutges und Anika Seidler nahmen das wörtlich und brachen nach dem Examen zu einem großen Abenteuer auf: Die beiden frischgebackenen Ingenieure sind von Meerbusch aus mit einem alten VW-Bus nach Südostasien unterwegs.

In Freiberg und Dresden haben sie studiert, jetzt wollten sie raus in die weite Welt: Der gebürtige Strümper Johannes Kleutges und seine Freundin Anika Seidler (beide 27) wagten es. Eine Strecke von 14 000 Kilometern wollen sie in einem dreiviertel Jahr bis nach Singapur und wieder zurückfahren. Das hatten sie sich als Belohnung für das Ingenieurs-Diplom vorgenommen.

Zurzeit sind sie in Kirgistan. Begonnen hat die Reise allerdings sehr weit im Westen — in Meerbusch. Von dort aus ging es über die A4 bis nach Polen in der Nähe von Krakau. Höhepunkte nach eigener Aussage: keine. Bis sie George trafen, einen Fan des T3 und Taxifahrer. Er klopfte kurzerhand an die Autoscheibe und drückte den beiden seine Visitenkarte mit den Worten "If you have any problems, call me" in die Hände.

Bus wird liebevoll Björn genannt

Ein Problem tauchte tatsächlich bald auf. Denn der VW-Bus, liebevoll Björn genannt, zog eine Tropfenspur aus Getriebeöl hinter sich her. Nach einer rasanten Fahrt durch Krakau-City gab's neues Öl, das Tropfen allerdings war immer noch nicht beseitigt. Da Kleutges und Seidler ihren fahrbaren Untersatz aber fast schon als Familienmitglied betrachten, redeten sie ihm gut zu. Entweder solle er das Tropfen sein lassen oder er komme in den "Genuss" einer Werkstatt, die ziemlich sicher mit zunehmender Entfernung von Deutschland an Qualität abnehmen werde.

Derweil zog es sie weiter bis in die Ukraine. Die ersten Eindrücke: Pferdekutschen vollgepackt mi Heu mitten auf der Autobahn, kleinbäuerliche Landwirtschaft mit Uralt-Treckern neben agrargenossenschaftlichem Riesenaufmarsch. Und Sonnenblumenfelder bis zum Horizont. Erfahrungen machte das Paar auch mit den heimischen Eigenheiten beim Überholen: "Als ginge es darum, die Formel 1 zu gewinnen." Nach zwei anstrengenden Fahrtagen und noch mehr Verlust von Getriebeöl gab es dann doch noch Abhilfe. Auf einem Campingplatz in Kieve und Vladimir fanden Kleutges und Seidler einen Mechaniker mit genügend Englischkenntnissen, um gemeinsam den Simmerring des Wagens auszutauschen.

So konnte es weitergehen. Weggefährten wurden vier Niederländer, die mit ihren Autos auf dem Weg in die Mongolei waren. Mikolai, ein 28-jähriger Ukrainer, der gut Englisch sprach, schaffte es sogar, die ganze Gruppe durch den VIP-Eingang in ein EM-Stadion einzuschleusen. Einmal Spielfeldrasen berühren und auf dem Trainersessel sitzen inklusive.

An Russland hat das junge Paar vor allem diese Erinnerung: unendlich viele Felder, Schlaglöcher, Straßen wie Flickenteppiche und zunehmendes Nichts, die Bäume werden weniger. Die Nervosität vor der kasachischen Grenze war völlig unbegründet, ohne Probleme konnten sie aus Russland ausreisen und trafen auf eine gar nicht offiziell anmutende Grenzstation mit einer mit Rödeldraht zusammengehaltener Schranke. Kaum hinter der Grenze dann dieses Gefühl von unendlicher Weite. Mitten drin der erste Schlafplatz in Kasachstan, unter dem aufgehenden Vollmond.

(RP/ac)