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Meerbusch: Miriam live aus Brasilien

Meerbusch : Miriam live aus Brasilien

Die Katholische Kirchengemeinde aus Büderich hörte und sah ihre Missionarin auf Zeit live via Internet aus Palmas. Die 19-jährige Miriam Witsch leistet dort eine Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).

Büderich "Jetzt hab ich die Oma gehört", tönt Miriams Stimme aus den Lautsprechern im Gemeindehaus in Büderich. Miriam Witsch ist an live via Skype aus Palmas in Brasilien zugeschaltet, wo die 19-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Gemeinschaft von Steyler Missionsschwestern verbringt. Oma Witsch ist ganz stolz, als sie ihre Enkeltochter sieht. Etwas unsicher traut sie sich an den Laptop: "Wo kann ich jetzt winken?"

An diesem Sonntag ging es im Gemeindehaus in Büderich etwas anders zu. Besuch aus Brasilien stand ins Haus. "Die Leitung steht, Bild passt auch", sagt Paul Wienen, Geschäftsführer der Stiftung Büderich, der an diesem Tag die Moderation des Live-Events übernimmt. Er freut sich, dass von technischer Seite alles in Ordnung ist und wirft den Projektor an. Zunächst herrscht noch ein ziemliches Durcheinander, viele Gemeindemitglieder sind gekommen, um die in Meerbusch geborene Jungmissionarin mal wieder sehen zu können. Sie ist nun schon seit August vergangenen Jahres in Palmas.

"Hinsetzen jetzt, ihr habt Kuchen genug gegessen", sagt die sympathische Blondine energisch und lachend. "Ich will anfangen!" Als sich endlich alle auf ihren Plätzen einfinden, kann die Diashow beginnen. Miriam hat viele Fotos gemacht, um ihre Eindrücke auf dem fremden Kontinent zu dokumentieren. Sie sieht entspannt und fröhlich aus. "Die Brasilianer lassen es auch echt ruhig angehen", lacht sie. "Das hat mir zu Beginn große Schwierigkeiten bereitet. Hier scheint niemand in der Lage zu sein, Verabredungen einzuhalten oder Dinge zu planen. Ein Vergleich mit Deutschland ist da nicht möglich. Auf der anderen Seite werde ich hier immer sehr herzlich behandelt. Die brasilianische Gelassenheit kann auch sehr angenehm sein." Miriam fühlt sich dort inzwischen sehr wohl. "Ich möchte keinen Tag missen, vermisse Euch aber alle sehr." Besonders schockierend empfindet sie die erlebte Armut im Schwellenland. "Was wir zuhause Armut nennen, wäre hier eine recht gute Ausgangssituation. Die Menschen leben unter Plastiktüten und hinter Mauern und Zäunen. Es gibt kein soziales Netz, das sie auffängt. Man kann sich nicht vorstellen, welches Leid die wirklich Armen in Brasilien erfahren." Miriam arbeitet zurzeit in einer Schule, in der sie mit großer Freude den Kreativpart übernommen hat. "Das macht mir am meisten Spaß." Plötzlich fängt sie an zu lachen. Ein Freund ist an ihrem Fenster vorbeigegangen und hat "doof geguckt". Diesen Zwischenfall nimmt sie prompt zum Anlass, mit dem Laptop durch ihre Wohnung zu laufen, um den Daheimgebliebenen alles zu zeigen. "Toll, was man heute alles machen kann", finden die Gemeindemitglieder. Für fast zwei Stunden war Miriam Witsch bei ihren Lieben in Büderich präsent. Mit brasilianischer Gelassenheit und rheinischem Humor erzählte die charmante Missionarin so locker und ungezwungen von ihrer Reise und ihrer Arbeit, dass es für alle eine Freude war, ihr zuzuhören.

(RP)