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Meerbusch: Mehr Meerbuscher verschuldet

Meerbusch : Mehr Meerbuscher verschuldet

Der Schuldneratlas weist eine leichte Steigerung aus – im Bundesvergleich steht Meerbusch gut da

Die Zahl der Schuldner hat in Meerbusch im zurückliegenden Jahr leicht zugenommen. Rund sieben Prozent der Bewohner über 18 Jahren können ihre fälligen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht begleichen. Das geht aus dem Schuldneratlas 2012 des Unternehmens Creditreform hervor. Die Quote ist gegenüber 2011 um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Rund 3121 Meerbuscher sind somit überschuldet.

Aufs Stadtgebiet gesehen leben die meisten überschuldeten Menschen in Büderich. 7,57 Prozent der Bewohner des Ortsteil sind überschuldet. Während der Anstieg in Büderich mit 0,08 Prozent gegenüber dem Vorjahr minimal ist, hat die Zahl der Schuldner in anderen Ortsteilen etwas stärker zugenommen. Sowohl im Postleitzahlenbereich 40668 (Lank-Latum, Nierst, Langst-Kierst, Bösinghoven) und 40670 (Osterath, Strümp) stieg die Summe der Schuldner um einen halben Prozentpunkt. Die geringste Schuldnerquote gibt es mit 6,52 Prozent in Osterath und Strümp. "Meerbusch liegt damit deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts", sagt Günter Conrads, Leiter der Vertriebsabteilung bei Creditreform. Deutschlandweit liegt die Quote bei 9,65 Prozent.

Die Auslöser für Überschuldung haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. So hat die Studie ergeben, dass eine immer größere Zahl von Menschen über ihren Verhältnissen lebt. Die Anschaffung eines zu teuren Autos, eines kostspieligen Hauses oder der neuesten Technik-Spielerei sind demnach mögliche Gründe für Überschuldung. Der "übertriebene Konsum" habe sich zu einem Hauptgrund für Überschuldung entwickelt. Hingegen sind ehemals klassische Auslöser wie Arbeitslosigkeit oder eine gescheiterte Selbstständigkeit rückläufig.

Veränderungen lassen sich auch bei den Altersgruppen erkennen. "Bei den 60- bis 70-Jährigen gibt es enorm hohe Steigerungsraten", sagt Conrads. Doch während die älteren Menschen häufiger überschuldet sind, nimmt die Zahl der jüngsten – der unter 20-Jährigen – ab. Bei den Geschlechtern gibt es keine Überraschung: Noch zählen Männer am häufigsten zu den Schuldnern. Fast doppelt so oft wie Frauen sind Männer überschuldet – doch der Abstand schwindet.

Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt, dass Meerbusch im Vergleich relativ gut dasteht. So weist Krefeld mit 13,59 Prozent den neuntschlechtesten Wert der knapp 400 untersuchten Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen aus. Auch in Düsseldorf ist die Quote mit 12,49 Prozent nur unwesentlich niedriger als in der Samt- und Seidenstadt. Zudem liegt Meerbusch unterhalb des Kreisdurchschnitts. Dieser beträgt 10,21 Prozent.

Für Menschen, die ihre finanziellen Probleme nicht alleine in Griff bekommen, gibt es in Meerbusch Rat. Die Entschuldungshilfe des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) zeigt Auswege aus der Überschuldung auf. Doch obwohl mehr als 3000 Meerbuscher überschuldet sind, nimmt nur ein Bruchteil von ihnen dieses Angebot wahr.

2010 berieten die SKM-Experten 238 Bürger. 55 Meerbuscher beantragten damals ein Insolvenzverfahren. Überhaupt den Gang zur Schuldnerberatung anzutreten, koste viele Menschen Überwindung. Nach Aukunft von Uwe Simons von der Schuldnerberatung gerieten längst nicht nur Menschen mit einem geringen Bildungsniveau in die Schuldenfalle. 30 Prozent der Betroffenen in Meerbusch hätten einen Realschulabschluss oder das Abitur.

Erste Ziele der Schuldnerberatung sind die Existenzsicherung, der Erhalt des Arbeitsplatzes und der Stopp der weiteren Schuldenaufnahme. So erläutern die Berater, dass Finanzlöcher nicht einfach durch neue Schulden gestopft werden dürfen. Stattdessen müssten die Betroffenen die Übersicht behalten und lernen, dass Kosten für Miete und Strom Priorität haben. Es sei durchaus möglich, diverse andere Zahlungen zunächst einzustellen. Meist gehe es auch "nur" um fünf bis zehn Gläubiger.

(RP)