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Wohnen und Pflege in Meerbusch: Mehr für Ältere tun

Wohnen und Pflege in Meerbusch : Mehr für Ältere tun

Meerbusch hinkt bei Wohnraum für Senioren und der Pflegebedarfsplanung hinterher.

Die Aussage "Wir hinken etwas hinterher" klingt nach einem deutlichen Bekenntnis. Damit beschreibt Peter Annacker als Fachbereichsleiter für Soziale Hilfen ganz offen die Wohn-Situation für Ältere in Meerbusch, beziehungsweise das Defizit. Egal, ob es um Betreutes Wohnen, um Pflegeplätze oder einfach nur um barrierefreies Leben in eigenen vier Wänden geht: In Meerbusch haben Menschen jenseits der 70 Jahre kaum Chancen, eine bezahlbare und geeignete Wohnung zu finden, wenn der Alltag etwas beschwerlicher wird. "Es gibt viel zu tun", machte Annacker jetzt im Sozialausschuss klar.

Auch in Meerbusch gibt es einen Mangel an Pflegefachkräften. Die Personalsituation wird sich noch weiter verschärfen, vermutet die Sozialverwaltung. Foto: Frank Elschner

Dabei erzählte er von einer Idee, die in einer Gesprächsrunde angedacht worden ist: Die Caritas kann sich vorstellen, an der Hochstraße in Osterath eine Wohngemeinschaft für demente Senioren zu bauen und zu betreuen. Delk Bagusat, Geschäftsführer der Caritasheime in Krefeld, glaubt, dass es für solch innovative Wohnformen noch mehr Standorte in der Region geben könnte. "Aber noch ist das alles eine Vision, so richtig konkret sind wir noch nicht mit den Plänen." Es brauche einen Vorlauf von zwei bis drei Jahren. "Und das passende Grundstück."

Gedacht ist an zwei ambulante Wohngemeinschaften mit jeweils zehn Plätzen. Dafür würden ein neu anzubauendes Gebäude mit dem Pfarrhaus zu einer barrierefreien Einheit verbunden. Eine Pflegekraft würde den Betreuungsbedarf über 24 Stunden abdecken. In dem Gebäude sollen auch drei oder vier Wohneinheiten für Angehörige geschaffen werden. Eine solche Senioren-WG wäre eine gute Zwischenstation zwischen ambulanter und stationärer Pflege.

Denn genau darum geht es: Generell wollen die Älteren, solange sie fit und mobil sind, selbstbestimmt in den eigenen Räumen wohnen. Darum müsse der Wunsch nach selbstständigem Wohnen für diese Generation in den Mittelpunkt des zukünftigen Wohnungsbaus und der Quartiersentwicklung gerückt werden, schreibt die Sozialverwaltung der Stadt in ihrer Ausschuss-Vorlage. Im sozialen Wohnungsbau werde regelmäßig seniorengerecht geplant, heißt es. Insbesondere mit der GWG Viersen und dem Bauverein werde verstärkt versucht, ältere Menschen zum Umzug in altengerechte Wohnungen zu bewegen, so Annacker. Das gelinge aber nur durch Vertrauen zum Vermieter und Beratung.

Die andere Seite, wenn man über Wohnen im Alter spricht, sind Pflegeplätze. Plätze im Heim werden erst dann in Anspruch genommen, wenn sich niemand mehr alleine helfen kann und auch die Angehörigen nicht mehr in Lage sind. Die Stadt Meerbusch muss sich auch um diesen Personenkreis kümmern. Allein schon deshalb, weil das Alten- und Pflegegesetz den Kommunen vorschreibt, eine eigene örtliche Planung zu entwickeln. Die ersten Daten und Fakten wurden für eine kreisweite Konferenz im letzten Oktober gesammelt.

Eine Kennzahl aus dem Kreis: Die Zahl der hochaltrigen Personen und der Pflegebedürftigen steigt, professionelle ambulante Pflege wird im Vergleich dazu in geringerem Umfang in Anspruch genommen. Je später ein alter, pflegebedürftiger Mensch ins Heim kommt, um so kürzer bleibt er dort, aber umso mehr braucht er intensive Pflege und Betreuung.

Heime in Meerbusch haben - ähnlich wie in Grevenbroich - die meisten freien Plätze. Bemerkenswert auch, dass mehr als die Hälfte der in Meerbusch untergebrachten Personen nicht aus Meerbusch, sondern aus Düsseldorf oder Krefeld kommen. Anders die Zahl bei der ambulanten Pflege: Von 803 zu pflegenden Personen kommen 743 aus Meerbusch. 70 Prozent aller Heimbewohner leiden unter Demenz. Das heißt: Sie haben einen hohe Pflegebedarf.

Bei einer Umfrage unter Pflegediensten aus Meerbusch wurde eines ganz deutlich benannt: der Mangel an Pflegepersonal. "Die Personalsituation", vermutet die Stadt Meerbusch, "wird sich weiter verschärfen." Bundesweit würden mindestens 35.000 Kräfte fehlen. Wenn weiter viele Menschen Pflege brauchen, müssen auch in Meerbusch die Unterstützungsstrukturen ausgebaut werden, so die Stadt. Ambulante und teilstationäre Pflege, aber auch stationäre Einrichtungen würden weiter in verstärktem Maße benötigt.

Die Zahl der über 60-Jährigen beträgt in Meerbusch 16.778, die nächste Altersgruppe der 46- bis 60-Jährigen sind 13.488.

(ak)