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Mehr Einbrüche in Meerbusch: Polizei gibt Tipps zum Einbruchschutz

Kriminalität : Meerbuscher rüsten gegen Einbrecher auf

Zwar ist im ersten Halbjahr 2019 die Zahl der Einbrüche auf 91 gestiegen. Doch vier von zehn Einbruchsversuchen scheitern, weil Bürger sich besser schützen.

Einbrüche gehören zu Meerbusch wie der Fluglärm. In den vergangenen Wochen berichtete die Polizei fast täglich über aktuelle Fälle, darunter auch viele Einbruchsversuche, die scheiterten. Dies führt dazu, dass viele Bürger das subjektive Empfinden haben, die Zahl der Einbrüche steige. Bezogen auf das erste Halbjahr 2019 bestätigt sich dieser Eindruck: Während in den ersten sechs Monaten 2018 84 Einbrüche gezählt wurden, lag 2019 die Zahl schon bei 91. Über die Entwicklung des kompletten Jahres informiert die Polizei erst im Frühjahr. „Anhand erster Einschätzungen gehen wir davon aus, dass sich die Fallzahl für Meerbusch im Bereich der Vorjahreszahlen bewegen wird“, erklärt eine Polizei-Sprecherin.

Blickt man fünf Jahre zurück, so lässt sich ein deutlicher Rückgang der Einbruchszahlen verzeichnen, betont die Polizei. Noch 2014 wurden 273 Einbrüche registriert. „Diese Zahlen sind erfahrungsgemäß Schwankungen unterworfen, die sich nicht immer anhand konkreter Umstände erklären lassen“, so die Sprecherin. Fakt sei jedoch, dass mehr als 40 Prozent aller Wohnungseinbrüche im Versuchsstadium stecken bleiben würden, nicht zuletzt, weil Bürger verstärkt auf wirksamen Einbruchschutz setzen. Dazu bieten Uwe Wagensonner und seine Kollegen von der Kreispolizei an der Jülicher Landstraße 178 in Neuss eine umfassende Beratung an. Wer einen Termin haben möchte, sollte zwei bis drei Wochen Vorlaufzeit einplanen. Dafür gibt es dann ein Rundum-Informationspaket.

In den Räumen der Beratung steht jede Menge Anschauungsmaterial. Dazu gehören Fenster und Türen, die technisch so gestaltet sind, dass Einbrecher es schwer haben, sie aufzuhebeln. Und das ist laut Wagensonner schon einmal der erste Schritt in die richtige Richtung. „Ein unzureichend gesichertes Fenster haben die Täter in der Regel innerhalb weniger Sekunden aufgehebelt“, sagt der Experte. Gelingt ihnen das nicht, ziehen sie häufig weiter.

Denn Einbrecher haben vor allem eines nicht: Zeit. Je länger sie brauchen, um in ein Gebäude einzudringen, desto größer ist die Gefahr, beobachtet zu werden. Zumal die Mehrzahl der Einbrüche laut Polizei nicht von Profis verübt wird, sondern von Gelegenheitstätern.

Wie diese dabei in der Regel vorgehen, ist in der sogenannten Kölner Studie abgebildet. Sie wird regelmäßig fortgeschrieben, die Zahlen basieren – die Daten der aktuellen Studie stammen aus 2017 – auf der Auswertung von Wohnungseinbrüchen im Kölner und Leverkusener Raum. „Die Erfahrungen decken sich aber mit unseren Eindrücken aus dem Rhein-Kreis Neuss“, sagt Wagensonner. Die Studie gibt dabei auch Aufschluss über die Schwachstellen an Häusern und wie Einbrecher diese ausnutzen.

Rund 50 Prozent der Täter gelangen durch sogenannte Fenstertüren, wie man sie an Balkon oder Terrasse findet, ins Gebäude, etwa 27 Prozent hebeln Fenster auf, in 18 Prozent der Fälle sind es Haustüren, fünf Prozent kommen durch den Keller. In Mehrfamilienhäusern werden vor allem die Wohnungstüren (52 Prozent) aufgebrochen. „Einbruchhemmende Fenster und Türen können ein wirksamer Schutz sein“, sagt Wagensonner. Denn diese sind entsprechend fest verankert und mit Sicherheitsvorrichtungen ausgestattet.

Die Polizei-Experten sprechen von sogenannten Widerstandsklassen und empfehlen mindestens Widerstandsklasse 2. In der persönlichen Einbruchschutz-Beratung schauen sich Wagensonner & Co. mit den Bürgern gemeinsam an, wie ein Gebäude möglichst sicher ausgestattet werden kann. Auch ein Hausbesuch gehört dazu, schließlich fallen die Lösungen höchst individuell aus.

Grundsätzlich unterscheiden die Einbruchschutz-Experten der Polizei zwischen Nachrüstung vorhandener Fenster und Türen und dem Einbau gänzlich neuer Produkte, wie sie zum Beispiel bei Neubaumaßnahmen oder größeren Sanierungen Sinn machen. Beim Landeskriminalamt NRW gibt es zudem eine Liste mit Adressen von Firmen, die mechanische Sicherungseinrichtungen anbieten und bestimmte Kriterien erfüllen.

Der größte Schaden durch einen Einbruch ist das verlorene Sicherheitsgefühl. „Das geht vielen sehr nahe“, sagt Wagensonner.