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Serie Areal Böhler: Mehr als 70 Firmen sind auf dem Areal

Serie Areal Böhler : Mehr als 70 Firmen sind auf dem Areal

Von international agierenden Konzernen über typische Dienstleister bis hin zu kreativen, jungen Firmen hat sich ein vielseitiges Spektrum an Unternehmen auf dem Areal Böhler angesiedelt

Lkw nach Lkw rollen über die Straßen im Areal Böhler, dazwischen überquert der eine oder andere die Straßen mit dem Fahrrad. Mal läuft jemand mit Aktentasche und schickem Anzug über die Fußwege, mal schleppt ein Arbeiter im Blaumann schweres Werkzeug von einer Halle zur nächsten — so unterschiedlich wie die Menschen auf dem Areal Böhler sind, so unterschiedlich sind auch ihre Berufe:

Neben weiteren Industrie-Unternehmen haben Autowerkstätten, Gärtnereien, Architekten-Büros, ein Chemie-Labor, Medienunternehmen und Fotografen ihre Büros und Betriebe in dem Gewerbepark an der Hansaallee 321 eingerichtet — und das ist nur eine Auswahl der mittlerweile mehr als 70 Mieter.

Einer von ihnen ist die Mistras GMA-Holding GmbH. Seit 1999 betreibt die GMA, die erst seit einem Jahr zur amerikanischen Mistras-Gruppe gehört, ihre Werkstoffprüfung in Gebäude 20 auf dem Areal Böhler. Ein Blick in die Halle offenbart riesige Bündel an Stahlrohren. "Viele glauben, wir seien ein Stahlhändler", sagt Udo Klibingat, "wir sind aber für die Stahlprüfung zuständig." Klibingat ist seit 1994 Geschäftsführer der GMA und hat die Entwicklung vom kleinen Unternehmen mit 15 Mitarbeitern zum internationalen Großkonzern mit 700 Angestellten mitgestaltet.

Bis 1999 saß die GMA in Düsseldorf-Flingern. Dort sei die Halle aber für das steigende Auftragsvolumen zu klein geworden. "Böhler war bereits bei uns Kunde, daher kannten wir das Areal gut. Außerdem sind die Bedingungen optimal. Die Halle hat vier Kräne und drei Toreinfahrten. Das Be- und Entladen von Lkw kann somit wetterunabhängig direkt im Halleninneren durchgeführt werden", sagt der Wirtschafts-Ingenieur. Eingerichtet hat die GMA die 4000 Quadratmeter große Halle dann selbst. Denn es mussten ein spezielles Prüfzentrum und ein Strahlenschutzbunker geschaffen werden.

"Mit Röntgen- und Ultraschall-Methoden prüfen wir für die großen Stahlunternehmen ihre Produkte auf Risse und andere Fehler", erläutert Klibingat. So zum Beispiel auch Teile für den Airbus 350. Denn die GMA ist auch ein zertifizierter luftfahrttechnischer Betrieb mit elf Niederlassungen in Deutschland und drei in den Niederlanden. In Meerbusch arbeiten in der ansässigen Hauptverwaltung und in der Werkstoffprüfung bis zu 80 Mitarbeiter.

Dem Areal Böhler wird die Mistras GMA-Holding GmbH auch in Zukunft treu bleiben. "Wir hatten einen Zehn-Jahres-Vertrag und haben 2009 überlegt, selbst zu bauen, haben uns dann aber für einen Verbleib auf dem Areal bis mindestens 2019 entschieden", erklärt Klibingat.

Er schätze, dass die Böhler AG sehr kooperativ und zukunftsorientiert sei. "Wir sind trotz unserer Größe immer noch ein Familienunternehmen und strahlen das auch aus. Bei Böhler ist das ähnlich", konstatiert der Geschäftsführer.

Das kann Michael Schüßler bestätigen. Der 48-Jährige hat schon als Jugendlicher bei Böhler eine Ausbildung zum Schlosser gemacht und viele Jahre dort als solcher gearbeitet. "1998 hab ich dann auf Garten- und Landschaftsbau umgesattelt", sagt Schüßler. Denn das sei schon immer seine Welt gewesen. Seit zwölf Jahren hat er nicht nur seinen Betrieb in Osterath, sondern auch ein Lager und Büro auf dem Areal Böhler. "Dort war eine Stelle für die Grünpflege ausgeschrieben, und weil ich den Kontakt zu den Kollegen von damals nie verloren habe, kannte man mich dort noch", sagt Schüßler.

Seitdem sind er und seine Mitarbeiter dafür zuständig die Grünflächen zu pflegen und neue zu schaffen. "Böhler ist nicht nur ein Job. Wenn man damit groß geworden ist wie ich, dann hängt man an dem Gelände und steckt viel Herzblut in die Pflege", betont der Gärtner.

Er ist stolz, dass er mit seiner Arbeit dazu beitragen kann, das Areal zu verschönern und Erholungsräume für die Arbeiter zu schaffen. So hat er auch den kleinen Park auf dem Kreisverkehr gestaltet. "Wir schauen, wie sich das Areal entwickelt und überlegen dann, wo neue grüne Ecken entstehen können", sagt Schüßler. Ihm sei es wichtig, dass sich die Arbeiter auf dem Areal wohlfühlen. Und seine Arbeit auf dem Gelände sei gleichzeitig Werbung für ihn. "Es gibt Firmen, die mich engagieren, weil sie mich durch Böhler kennen", sagt der 48-Jährige. Auch das sei ein Vorteil des großen Gewerbeparks. Von derartigen Synergien auf dem Areal hat auch Michael Dahmen schon profitiert. Er ist Geschäftsführer von Spectair — einem der neuesten und wohl auch jüngsten Unternehmen in dem Gewerbepark. Spectair bietet Luftaufnahmen mit einem Flugroboter an — sei es zur Kartierung, Inspektion von Industrie-Gebäuden, Thermographie oder einfach nur für Film- oder Fotoaufnahmen aus der Vogelperspektive. Und genau solche wollten die Veranstalter der Messe Rheingolf von ihrer Veranstaltung auf dem Areal Böhler haben.

"Unsere Flugroboter kommen überall da zum Einsatz, wo ein Helikopter zu unflexibel oder zu teuer ist — oder wenn er nicht so niedrig fliegen könnte", sagt Dahmen.

Denn die Flugroboter können auch in Innenräumen fliegen. Die maximale Flughöhe läge bei zweieinhalb Kilometern. "Wir müssen uns aber an das Luftfahrtgesetz halten. Wegen des Flughafens dürfen wir hier maximal 100 Meter hoch fliegen", sagt Dahmen. Er ist gelernter Flugzeugmechaniker und wurde irgendwann auf den noch jungen Geschäftsbereich der Luftaufnahmen per ferngesteuertem Mini-Helikopter aufmerksam.

Im September 2012 gründete er mit seinem Gesellschafter Howard Nagel Spectair. Seit Anfang des Jahres ist die junge Firma auf dem Areal Böhler und hat inzwischen acht Mitarbeiter — bis auf die seit Jahren im Modellfliegen geübten Piloten sind sie alle Quereinsteiger.

"Das Industrie-Gelände das Areals Böhler biete eine super Trainingsfläche für die beiden Piloten. Außerdem haben wir eine Halle, in der wir auch professionelle Schulungen anbieten", sagt Dahmen. Dem Geschäftsführer ist es besonders wichtig, dass bei ihm professionell gearbeitet wird. Seine Marschroute laute: "Professionalität, Qualität und Sicherheit".

Nur so sei es möglich, der Öffentlichkeit zu zeigen, wobei die Flugroboter überall helfen können. Ein weiteres Ziel von Dahmen ist es, Spectair zum Inbegriff für Helikopter-Roboter zu machen. Dabei helfe es, dass viele regionale Firmen und Privatleute das Angebot bereits nutzen. Um sich aber noch mehr zu etablieren, haben Dahmen und seine Mitarbeiter jetzt ihren ersten eigenen Flugroboter entworfen.

(RP)