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Meerbusch: Meerbuschs Bäume werden eingemottet

Meerbusch : Meerbuschs Bäume werden eingemottet

Die Stadt im Grünen bietet derzeit an vielen Stellen einen gruseligen Anblick: Gespinstmotten hüllen ganze Bäume wie in gigantische Spinnweben ein. Gefährlich sind die Insekten jedoch nicht

Im Fachbereich Umwelt stehen die Telefone in diesen Tagen nicht mehr still. "Viele Bürger sind besorgt, weil sie eingesponnene Bäume entdecken und sich fragen, ob das gefährlich ist", berichtet Dana Frey, Abteilungsleiterin des Umweltamtes. Ist es nicht. "Eine Gefahr für die Pflanzen oder gar für die Gesundheit des Menschen besteht nicht", so Frey. Nach vier Wochen treiben die Bäume wieder aus und das Grün kommt zurück. Verstärkt durch Wind und Regen bilden sich die Weben schnell zurück oder fallen einfach vom Geäst ab.

Überall in der Stadt bietet sich den Bürgern derzeit das skurrile Bild. Etliche Bäume und Sträucher sind von den Zweigspitzen bis zu den Wurzeln dicht eingewebt - das Werk der Gespinstmotte. Unter den gräulich schimmernden Weben leben die Raupen, verstecken sich so vor Feinden, fressen das Geäst kahl und verpuppen sich anschließend. Zwar sei dieser natürliche Vorgang, der in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen hat, optisch sehr störend, jedoch für die Vegetation nicht gefährlich, sagt die Verwaltung.

Die Insekten sind wählerisch: Vogelbeere, Traubenkirsche, Weißdorn, Pfaffenhütchen oder der Faulbaum gehören zu den bevorzugten Nahrungsquellen. Ihren Nistplatz weben die Raupen mit Cellulosefäden ein. Geschützt vor ihren natürlichen Fressfeinden, wie Vögeln und Wespen, können sie so ungestört die Blätter der Bäume und Sträucher verzehren. "Dieses Problem haben wir jedes Jahr, sobald es warm wird", sagt Dana Frey. "Alle Stadtteile sind an einzelnen Stellen davon betroffen. Vor zwei Jahren waren beispielsweise Bäume und Sträucher nahe Haus Meer sehr stark befallen." Eichen und Buchen bleiben von den Motten verschont. Warum eigentlich? "Die Blätter dieser Bäume mögen die Insekten offenbar nicht", erklärt Frey.

Nach dem rund vierwöchigen "Kahlfraß" - solange befindet sich die Motte im Raupenstadium - verpuppen sich die Insekten und schlüpfen wenige Wochen später als Falter. "Danach geht der Kreislauf wieder von vorne los", sagt Frey. Die Falter legen ihre frischen Eier, aus denen die neuen Raupen im nächsten Jahr schlüpfen, wieder auf den Pflanzen ab.

Die Stadt wird keine Pestizide zur Bekämpfung der vorübergehenden Mottenplage einsetzen. Die Natur soll sich eigenständig regenerieren. Denn: Mit dem Einsatz von Chemikalien werde das Grundwasser unnötig belastet und auch andere Tierarten massiv in Mitleidenschaft gezogen, erklärt die Abteilungsleiterin. Wenn andere Kleintiere, beispielsweise Käfer, durch chemische Mittel vernichtet würden, werde somit auch die Nahrungsquelle für Vögel deutlich dezimiert - ein unnötiger Eingriff in die Nahrungskette.

Das verstörende Naturschauspiel verwobener Bäume werden die Meerbuscher wohl noch den ganzen Sommer über erleben können. Eine Besonderheit gibt es in diesem Jahr allerdings: Die Raupen der Gespinstmotte sind sehr früh geschlüpft. "In der Vergangenheit ging das meistens erst Anfang Juni los", sagt Frey. Grund dafür seien die ungewöhnlich warmen Frühlingswochen, die das Wachstum der Blätter vorzeitig gefördert haben.

(RP)