Meerbuscherin macht Hollywood-Musik

Viele Gedanken an die Heimat : Von Meerbusch nach Hollywood

Silke Matzpohl arbeitet als Komponistin in L.A.; hat dort oft mit Promis zu tun. Einmal im Jahr besucht sie ihre Mutter in Lank-Latum. Obwohl ihr die amerikanische Mentalität liegt, hat Silke Matzpohl Heimweh nach dem Rheinland.

Die Entfernung zwischen L.A. und Lank überbrückt Silke Matzpohl mit den Mitteln der modernen Kommunikation – und mit dem Flieger. Einmal im Jahr reist die Filmkomponistin zurück in ihre Heimat nach Meerbusch, um ihre Mutter zu treffen und das Grab ihres 2006 verstorbenen Vaters auf dem Friedhof in Lank-Latum zu besuchen. „Ein bisschen Heimweh nach dem Rheinland ist immer da“, gibt sie zu. Eine dauerhafte Rückkehr nach Deutschland sei allerdings nicht vorgesehen.

Denn sowohl privat als auch beruflich hat Silke Matzpohl in Kalifornien ihr Glück gefunden. Vor einigen Monaten ist sie zum ersten Mal Mutter geworden. Ihre klingende Arbeit (einige Hörbeispiele finden sich leicht im Internet) bringt sie mit einigen der bekanntesten Menschen auf dem Planeten in Kontakt. „Prominente sieht und trifft man hier immer“, berichtet sie und nennt Begegnungen mit George Clooney, David Lynch, Jonny Depp und Jennifer Lopez. Im Moment sei sie im Gespräch, die Musik für einen Film mit John Cusack zu machen. „Mehr darf ich noch nicht verraten.“ Der Film habe gerade erst den „Preproduction-Status“ erreicht. Bis er tatsächlich in die deutschen Kinos kommt, dürfte also noch viel Zeit vergehen.

Silke Matzpohl ist „per Zufall“ nach Los Angeles gekommen, erzählt sie. Im Internet habe sie einen Bericht über das Komponistenhaus von Christopher Young gelesen, ein Hollywood-Komponist, der unter anderem die Musik zu „Spider Man“-Filmen geschrieben habe. In dem Haus können junge Musiker eine Zeit lang wohnen und arbeiten. Die Meerbuscherin bekam eine Zusage für den Sommer 2008, konnte aber aufgrund der Visa-Beschränkungen zunächst nur drei Monate bleiben.

An ihre erste Begegnung mit „Chris“ erinnert sie sich noch ganz genau. Der erfahrene Komponist habe ihr gesagt: „You have a lot of music inside.“ Während der drei Monate, erzählt sie, bekam sie Gelegenheit, „additional music“ zu schreiben, also Zusatzstücke für die Filme, an denen er gerade arbeitete. Diese Stücke waren für den Horror-Thriller „Drag Me to Hell“ von Regisseur Sam Raimi und die romantische Komödie „Love Happens“ mit der Schauspielerin Jennifer Aniston bestimmt. Als das Vierteljahr vorbei war, beantragte Silke Matzpohl ihr erstes Künstlervisum und zog im darauffolgenden Jahr in die „Stadt der Engel“, nach Los Angeles.

Die Deutsche in Hollywood hat eine klassische Musikausbildung absolviert: Bereits mit 13 Jahren begann sie ein Klavier-Studium an der Folkwang-Hochschule. 1984 machte sie ihr Abitur, im selben Jahr zogen ihre Eltern von Kettwig nach Meerbusch. Fürs Hauptstudium ging sie dann nach München. „Regelmäßig habe ich meine Eltern besucht, da ich mich immer mehr als Rheinländerin denn als Bayerin gefühlt habe.“ Der rheinische Humor, die gesamte Mentalität seien ihr immer näher gewesen.

Mittlerweile aber sei sie halbe US-Amerikanerin geworden – mindestens. So wechselt sie zwischen Deutsch und Englisch hin und her und liebt amerikanische Motivationssprüche. „Es ist auf der einen Seite sehr viel härter in den USA, gerade im Filmmusikbereich“, sagt sie über die Unterschiede zwischen den Ländern. Auf der anderen Seite gebe es auch Chancen. „Generell glaube ich, dass man einen sehr langen Atem braucht und Dinge sich nicht schnell entwickeln“, sagt Silke Matzpohl. „Never give up, never give in and never surrender“, lautet ihre Devise.

Nachdem sie sich in L.A. eingelebt hatte, entschied Silke Matzpohl, dass die Zeit der „additional music“ für sie vorbei sei. „Ich wollte lieber meine eigenen Aufträge haben.“ Das sei in Hollywood bei der großen Konkurrenz und den namhaften Komponisten, die ganze „Fabriken“ mit eigenen Assistenten hätten, zwar nicht so einfach. Doch schließlich habe sie schon in Deutschland für Dokumentarfilme komponiert. „Warum sollte das nicht auch in Kalifornien möglich sein?“

Ihr erster Auftrag dieser Art sei dann ein „Trailer“, also eine Vorschau für den Film „Mortal Engines“ aus dem vergangenen Jahr gewesen. Es folgten Trailer für „Pets 2“, der aktuell in Deutschland läuft, sowie „Downton Abbey“, den Film zur Erfolgsserie. „Im Moment arbeite ich am neuen Trailer für ,Cats‘, in dem unter anderem Taylor Swift und Judy Dench mitspielen“, erzählt die Hollywood-Komponistin.

Mehr von RP ONLINE