Meerbuscher wegen Messerangriff vor Gericht

Prozess : Angeklagter bestreitet Messer-Attacke

Nach einer gefährlichen Messerattacke in Neuss muss sich seit Dienstag ein Meerbuscher (34) vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den Intensivstraftäter wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Bereits im Alter von 14 Jahren war Dirk K. (Name geändert) erstmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Was damals mit Sozialstunden endete, steigerte sich mit den Jahren kontinuierlich. Immer wieder gab es Verurteilungen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Drogenhandels, mehr als ein Dutzend Vorstrafen aus Neuss, Düsseldorf, Köln und Delbrück listete der Vorsitzende der zuständigen Schwurgerichtskammer des Düsseldorfer Landgerichtes, Reiner Drees, am Dienstag auf. Zuletzt hat der Angeklagte in Meerbusch gelebt.

Der Vorwurf des versuchten Totschlags im Oktober vergangenen Jahres ist der negative Höhepunkt in der kriminellen Karriere des heute 34-Jährigen. Mit einem bis zu 20 Zentimeter langen Messer war er laut Anklage einer Bekannten am 5. Oktober 2018 zwischen Christian-Schaurte-Straße und Marienburger Straße gefolgt, letztlich stach er im Halsbereich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf sie ein.

„Die Verletzung war schwer, aber nicht lebensbedrohlich“, so der zuständige Staatsanwalt Stefan Peters, „er hielt den Tod der Geschädigten allerdings für möglich.“ Der Angeklagte verfolgte die Ausführungen des Anklägers mit höhnischem Gelächter und Kopfschütteln. Auch wenn er am Dienstag zu den Vorwürfen keine Angaben machen wollte, bestreitet er die Tat. „Er hat gegenüber der Polizei erklärt, er habe damit nichts zu tun“, sagte Peters. Die Indizien sowie Zeugenaussagen allerdings belasten den vielfach vorbestraften Angeklagten. Mehrfach in der Vergangenheit war es zwischen ihm und der jetzt schwer verletzten Frau zu verschiedenen Auseinandersetzungen gekommen.

Als mehrere Zeugen das Opfer stark blutend auf der Christian-Schaurte-Straße gefunden hatten, hatte sie dort direkt den Angeklagten als Täter benannt. „Außerdem hat sich der Angeklagte selbst unmittelbar nach der Tat im Krankenhaus gemeldet, weil er sich selbst an der Hand verletzt hatte“, so Staatsanwalt Peters, „wir gehen davon aus, dass diese Verletzung von der Tat stammt.“

Schlussendlich stünde dabei allerdings Aussage gegen Aussage – deshalb sei die Vernehmung des Opfers im Prozess besonders wichtig. Dazu soll es am Mittwoch kommen. Dann treffen der Angeklagte und seine Ex-Freundin im Verhandlungssaal aufeinander. Dafür sind Präventivmaßnahmen getroffen worden: Gleich mehrere Wachleute sollen das brisante Treffen begleiten, das Opfer ist im Prozess auch als Nebenklägerin durch eine Rechtsanwältin vertreten.

Aufgewachsen war Dirk K. zunächst bei seiner Familie im Stadtteil Weckhoven, später dann in einem Heim in Oberhausen. Als Zehnjähriger kam er zunächst zurück zur Familie, nach der Trennung seiner Eltern musste der Junge aber erneut ins Heim. Zeitweise war er obdachlos oder kam bei Freunden unter. Zwischen den Jahren 2005 und 2017 folgten immer wieder Aufenthalte im Gefängnis, Kontakte in die Drogenszene und Schlägereien. Eine Lehre als Konditor bei einem Neusser Traditionsbetrieb brachte er nicht zu Ende, sondern schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch.

Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft, mit dem Urteil wird frühestens am Montag, 20. Mai, gerechnet. Nächster Prozesstag: 10. April.