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Meerbuscher Politiker besichtigten Ostara-Gelände.

Politiker enttäuscht : Ostara-Areal: Nicht so schön wie gedacht

Seit anderthalb Jahren sind Häuser und Wohnungen auf dem früheren Firmengelände bewohnt. Jetzt besichtigten die Politiker des Planungsausschusses das Gelände – und waren nicht mit allem einverstanden.

Keine einheitlichen Mülltonnen-Behausungen oder Gartenabgrenzungen, zu viele Autos auf der Straße statt in der Tiefgarage, hässliche Plastikzäune als Sichtschutz, zu kleine Bäume und Büsche, ein Versickerungsgraben, der als Müllhalde genutzt wird – insgesamt alles in vielen Teilen zu lieblos: Das war das Fazit eines Rundgangs des Planungsausschusses über das Ostara-Gelände. Die Politiker hatten sich dort zu einem Ortstermin getroffen.

Ohne Charme: Häuserfluchten in der Tonstraße. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Kaum ein anderes Wohnbaugelände hat eine solche Geschichte: Die Pläne stammen aus dem Jahr 1998 – und genauso lange diskutieren die Politiker auch schon da­rüber. Als die Deutsche Steinzeug die Produktion von Fliesen beendete, ging das Areal an den niederländischen Projektentwickler Ten Brinke. 103 Häuser und rund 200 Wohnungen wurden auf dem früheren Firmengelände gebaut. Immer wieder gab es Verzögerungen, immer wieder war die Planung Thema in den zuständigen Fachausschüssen, immer wieder äußerten die Politiker ihre Wünsche.

Im Versickerungsgraben landet immer wieder Müll. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Und hatten eigentlich gedacht, dass die auch umgesetzt werden. Dass das nicht alles so geklappt hat, wurde jetzt vielen offenbar. Beispiel: Bepflanzung. Die Grünen wollten hochstämmige Bäume. Die sind auch eingesetzt worden, haben aber nur 18 Zentimeter Umfang. Dass zu viele Autos vor den Hauseingängen parken, störte vor allem Michael Assenmacher. Aber der Technische Beigeordnete war noch nicht in Meerbusch, als die Pläne entstanden. Er würde die Autos am liebsten unterirdisch sehen. „Die Planung ist 20 Jahre alt, da hat man nicht überall Tiefgaragen geplant“, so Werner Damblon (CDU, Vorsitzender des Planungsausschusses). Als hässlich empfanden viele jetzt beim Ortstermin auch den Zustand der Rigole, dem Versickerungsbecken. Weil es lange nicht mehr geregnet hat, ist der Graben ausgetrocknet – und man sieht, dass er als Müllhalde genutzt wird. „Wer wirft eigentlich seinen Abfall hier über den Zaun?“, fragten sich die Politiker und hoffen, dass bald aufgeräumt wird. Der Graben sei eben anders geplant gewesen.

Eigentlich sollte hier ein Vierkanthof stehen. Doch die Realität sieht anders aus: links eine Häuserzeile, rechts Abstellhäuschen. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Die Vorgärten ohne Rasen, aber mit vielen Steinen gefielen vielen ebenfalls nicht. Ebenso wie die unterschiedlichen Zäune und Sichtschutzbalken aus grauem Plastik. „Wenn in zehn oder 20 Jahren die Bäume größer sind, können die vielleicht weg“, so die Hoffnung des Ausschusses. Jürgen Peters (Grüne): „Wir haben uns das hier wirklich alles ganz anders vorgestellt.“ Anna Hardenberg von der Grün-Verwaltung der Stadt tröstete die Politiker: „Die Pflanzen müssen ja auch noch alle austreiben und wachsen noch.“ Viele Sträucher seien ja erst im Herbst 2018 gepflanzt worden.

Der Spielplatz, der eigentlich Ende März übergeben werden sollte, ist nach wie vor eingezäunt. Die Stadt hofft, dass er im Laufe des April bespielbar ist. Unattraktiv auch die nächste Station: ein Schotterplatz. „Das wird hier ein Quartiersplatz“, so Hardenberg, „auf dem dann auch Boule gespielt werden kann.“ Ein paar Meter weiter entstehe eine Streetball-Fläche. Ganz in der Nähe des Gewerberiegels, der nach wie vor nicht verplant ist. Zwischen den Mietwohnungen an der Werkstraße und dem Bahndamm sollen vorzugsweise Büros entstehen – hier ist man aber noch nicht weiter. Das Gelände gehört zu zwei Dritteln der Stadt, zu einem Drittel Ten Brinke.

Der nächste Stopp: die Tonstraße. Eine lange schmale Straßenflucht, links und rechts die weißen Häuser, vor jedem Haus anderer Sichtschutz, andere Mülltonnen-Häuschen, immer wieder Parkplätze, keine Bäume: „Mehr Grün statt Parkplätze wären hier schöner gewesen“, so Assenmacher.

Dann wollten sich die Politiker den Vierkanthof angucken, den sie eigentlich aus den Ursprungs-Plänen kannten. Aber: Der wurde gar nicht bebaut. Statt Häuser und Wohnungen im Karree zu planen und damit die ländliche Struktur aufzunehmen, wurde einfach eine charmefreie Häuserzeile mit gegenüberliegenden Abstellhäuschen gebaut. Warum kein Vierkanthof? „Das hätte verpflichtend in den städtebaulichen Vertrag aufgenommen werden müssen“, erklärte Kirsten Steffens, Leiterin des Planungsamtes, den Politikern das Verfahren. Dann, so die Politiker einmütig, hätten sie das vielleicht besser kontrollieren sollen. Und sie hätten auch gleich eine Gestaltungssatzung aufstellen sollen, um einheitliche Vorgaben für Mülltonnen, Vorgärten oder Stufen zu machen.

Werner Damblon: „Aus all dem können wir nur für unsere zukünftigen Baugebiete lernen.“