Meerbuscher Pfarrkirche: Sanierungskosten im sechsstelligen Bereich

Bauarbeiten bis Oktober : Neue Fenster für St. Stephanus in Lank

Aktuell hat die Ostseite der Pfarrkirche nur eine Notverglasung. Die Fenster werden von einer Spezialfirma mit einer seltenen Methode restauriert. Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich. Nächstes Jahr ist die Westseite dran.

Tierchen wie Spinnen, Käfer und anderes Krabbelviech hocken ungern im Durchzug, mögen es eher warm und windstill. Deshalb soll es künftig an den prächtigen Seitenfenstern der Pfarrkirche St. Stephanus in Lank extra luftig zugehen. Um das zu erreichen, wird ein bestimmter Abstand zwischen dem farbigen Kunstglas und dem davor montierten Schutzglas berechnet. Der permanente Durchzug verschreckt nicht nur die Tiere, sondern soll auch verhindern, dass sich schädliches Kondensat bildet.

Die drei Chorfenster in St. Stephanus wurden bereits 2018 saniert und bekamen eine Schutzverglasung. Seitdem strahlen sie in leuchtenden Farben. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Die Mitarbeiter der ältesten Glasmalerei Deutschlands, die Firma Oidtmann in Linnich, nutzen diese besondere Sanierungstechnik. Die Profis für Restaurierung und Reparatur alter Fenster kümmern sich aktuell um sechs Seitenfenster, zwei halbe Oberlichter und sechs sogenannte Obergadenfenster auf der Ostseite der Stephanus-Kirche. Die Westseite ist im nächsten Jahr dran. Die Kosten für die Sanierung liegen im sechsstelligen Bereich; 70 Prozent übernimmt das Bistum, den Rest die Kirchengemeinde. Mitte Mai haben die Arbeiten begonnen, im Oktober sollen die Fenster auf der Ostseite wieder strahlen wie neu.

Die Pfarrkirche St. Stephanus „ziert“ im Moment auf der Ostseite ein Baugerüst. Das Gerüst im Inneren besteht aus Platten und ist abslout staubbdicht. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

„Noch bis vor wenigen Tagen waren die Arbeiter damit beschäftigt, die Fenster auszubauen und eine hölzerne Notverglasung einzusetzen“, erzählt Hans-Werner Schoenauer, Baubeauftragter im Kirchenvorstand, während er seine Besucher im Inneren der Kirche ganz nach oben aufs Baugerüst lotst. Das besteht übrigens nicht aus Stangen, sondern aus großflächigen Metallplatten: „Absolut staubdicht – da kommt kein Krümel durch, selbst kleinste Löcher wurden abgeklebt“, erklärt der Diplom-Ingenieur. „Sonst wäre es nicht gegangen, weil die Orgel durch den Dreck Schaden genommen hätte.“

Das Obergadenfenster an der Orgelempore wurde testweise saniert. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Sowieso: Der Kirchenvorstand und die Architektengemeinschaft Dewey und Blohm-Schröder aus Viersen, haben keine Mühen gescheut, um die Fenster bestmöglich wieder herzurichten. „Wir sind erst einmal außen an der Kirche im Steiger hochgefahren, um uns die Fenster genau anzuschauen“, erzählt Schoenauer. Und: „Wir waren geschockt, wie katastrophal deren Zustand war.“ Besonders die Obergadenfenster waren stark beschädigt, hatten Risse und waren stumpf. „Früher wurde für die runden Fenster sogenanntes Kathedralglas verwendet“, sagt er. Umgangssprachlich werde dieses Glas auch als „Badezimmerglas“ bezeichnet, weil es so trübe ist, dass man nicht durchschauen kann, erklärt er. Die runden Fenster werden nun gesäubert, das kaputte Glas wird ausgetauscht und durch historisches ersetzt, zudem werden die Gussteile saniert. Wer sich das Ergebnis heute schon anschauen möchte, muss nur nach oben zur Orgelempore schauen. „Wir haben im vergangenen Jahr mal ein Test-Fenster machen lassen“, erzählt Schoenauer. „Schließlich hatten wir keinerlei Erfahrung, wie das hinterher aussehen würde und welche Kosten auf uns zukämen.“ Mit dem Ergebnis waren alle zufrieden: Die Entscheidung im Kirchenvorstand pro Restaurierung war einmütig, so Schoenauer.

Die Fenster wurden ausgebaut, auch die Gussteile werden saniert. Foto: RP/Schoenauer

Besonders aufwändig ist die Restaurierung der großen Seitenfenster. Bei denen ist die Bleiverglasung aufgrund ihres Eigengewichts teilweise in sich zusammengesackt, Risse haben sich gebildet. Schoenauer spricht vom Leporello-Effekt, weil die Fenster Falten werfen wie ein Leporello. Die Schäden sind mit bloßem Auge zu erkennen. Nun werden die ausgebauten Fenster gesäubert, teils ersetzt und dann mit Messingstreben verstärkt. „Von innen sind die zusätzlichen Verstrebungen gar nicht sichtbar“, sagt der Bauvorstand und zeigt als Beweis die bereits 2018 restaurierten Chorfenster, die ebenfalls unter dem unschönen Faltenwurf litten und mit Messingstreben stabilisiert wurden.

Außerdem werden die Träger, die übrigens nicht ausgebaut wurden, ordentlich gereinigt. Wenn die res­taurierte Kunstverglasung später wieder eingesetzt wird, kommt davor Goetheglas. Das ist ein klares, leicht strukturiertes Schutzglas, das die bunten Fenster nicht nur schont, sondern auch schöner strahlen lässt. „Da kommt dann die Sache mit dem speziellen Abstand zwischen den Gläsern und dem Durchzug ins Spiel“, erklärt Schoenauer. „Das Ganze ist eine sehr nachhaltige und bislang recht selten angewendete Sanierungsmethode.“

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