Meerbuscher Neubürger willkommen

Meerbusch soll wachsen: Die letzten freien Flächen für Wohnungsbau

Meerbusch soll wachsen, darüber sind sich alle einig. Aber wo kann noch gebaut werden? Fest steht auch, dass die Stadt nicht mehr als 60.000 Einwohner haben soll.

Welche Herausforderungen kommen in Sachen Bauland auf Meerbusch zu? Wer will in den nächsten Jahren nach Meerbusch ziehen – Familien, Senioren, Singles? Was muss eine Stadt vorhalten, um auch weiter altersgemischt zu bleiben, um weiter eine lebendige Stadt zu bleiben? Diese Marktanalyse gehört zum Geschäft der Stadtplanung und ist Bestandteil des Projekts der Integrierten Stadtentwicklung ISEK, das Meerbusch im Jahr 2030 vor Augen hat. „Wir haben sogar ein eigenes Computerprogramm für Meerbusch entwickelt, das uns zeigen soll, wie die Wohn-Entwicklung aussehen kann“, beschreibt Kirsten Steffens, Chefin des Planungsamtes.

Klar ist, dass die Wohnungen für Ältere barrierefrei und zentral sein sollen. Aber: Es gibt auch viele Familien, die nach Meerbusch drängen. Steffens: „Darum brauchen wir auch preisgünstigen, bezahlbaren Wohnraum.“

Die Ansage der Politik sei klar, so Steffens. „Es soll etwas für Familien getan werden, damit die Stadt dynamisch und jung bleibt.“ Gleichwohl soll es qualitätsbewussten Wohnraum für Ältere geben. Auch Sozialwohnungen sollen gebaut werden. Die Planer denken zurzeit an 18 pro Jahr. Es seien ja zu Hoch-Zeiten des Flüchtlingsstroms viele Wohnungen für Flüchtlinge geplant worden, die könne man jetzt umfunktionieren in Wohnungen mit preisgedämpften Mieten.

Also steht der Bedarf fest, muss die Stadt nur noch gucken, wo genau sie Flächen hat, um Bauland zu entwickeln. Und genau da stößt Meerbusch an seine Grenzen. „Wir haben nicht viele Flächen zur Verfügung“, so Steffens. Trotzdem hat das städtische Planungsteam für unterschiedliche Projekte Bauland ausgemacht. Mit dem Ergebnis, dass gut ein Dutzend Grundstücke in unterschiedlichen Größen für 1080 Wohneinheiten bebaut werden könnten – wenn alles auch in den politischen Gremien auf den Weg gebracht werden kann. Und mit der nötigen Bürgerbeteiligung, die für Kirsten Steffens sehr wichtig ist. „Man muss immer die Bürger mitnehmen, immer nach ihren Wünschen fragen.“

Das sind die Bauprojekte, die die Stadt Meerbusch laut einem politischen Beschluss in den nächsten Jahren umsetzen möchte.

Die größte Fläche ist mit 35 Hektar das Areal rund um den Kamper Weg in Osterath. Dort sollen 600 Wohneinheiten entstehen. „Dieses Grundstück ist das größte Flächenpotential der Stadt, das wir haben.“ Es soll ein Wohngebiet „für alle“ entwickelt werden, so die Planerin. Das Gute an dem Gebiet: Es liegt nah am ÖPNV, nah an Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Kita sind in der Nähe. Als nächstes wird der gesamtstädtische Rahmenplan entwickelt. „2024 können dort die ersten Bewohner einziehen“, hofft Steffens, die ganz sicher ist, dass viele Ältere aus Osterath statt ihres großen Einfamilienhauses dort eine adäquate Wohnung finden werden.

Schon länger im Gespräch ist das Projekt rund um die frühere Barbara-Gerretz-Schule. Dort sollen 120 Wohneinheiten entstehen. Die Schule soll bleiben, sie gilt als „identitätsstiftend“. Drinnen können Wohnungen entstehen, außerdem wird das Gebiet um die Schule ebenfalls gestaltet. Das Feuerwehr-Gelände wird zurzeit noch nicht mit einbezogen. Der Bebauungsplan entsteht gerade, als nächstes geht das Investorenauswahlverfahren an den Start. Wenn 2020 alles rechtskräftig ist, kann mit dem Bau begonnen werden.

60 Wohneinheiten sind für den Schneiderspfad in Strümp geplant. Dort gibt es Richtung Gymnasium eine große grüne Wiese, die durch den Schnellbus der Rheinbahn auch gut an den Verkehr angeschlossen ist. Aber: Die Grundstücke sind im Privatbesitz. „Wir fangen erst an, wenn ein Drittel des Grunds der Stadt gehört.“ Wie die Häuser aussehen sollen, steht auch noch nicht fest. „So weit sind wir noch nicht.“ Weil es in Meerbusch wenig Flächen gibt, muss man sich immer überlegen, ob man nicht dichter bauen sollte – ohne dass es gleich viele Geschosse werden..

In Büderich sollen an der Hermann-Unger-Allee zwischen Dr.-Franz-Schütz-Platz und Meerbad 22 Wohneinheiten entstehen. Vielleicht gibt es sogar neue Ideen und Pläne für den kompletten Platz. Auch hier wolle man Bürger mit einbeziehen. Steffens: Der Wunsch nach weiteren Wohnungen in Büderich ist vorhanden, aber nur schwer umsetzbar. So gibt es bereits ältere Pläne, am Rheineck in der Böhlersiedlung 60 Wohneinheiten zu bauen. „Dort würden wir bestehenden Wohnbau verdichten“, beschreibt Steffens. Aber die Verhandlungen mit dem Eigentümer, der GWH, seien ins Stocken geraten. Dass gegenüber der Böhlersiedlung ein großes Grundstück direkt neben der neuen Böhlerstraße frei ist und sich für eine Wohnbebauung eignen würde, weiß Steffens. Aber: „Das will die Politik nicht.“ Obwohl das Areal ideal wäre, um in Büderich die Nachfrage nach Wohnungen zu erfüllen.

Lank steht mit der Gelleper Straße und geplanten 15 Wohneinheiten auf dem Bauland-Plan. „Das ist die letzte Fläche, die in Lank überhaupt noch bebaut werden kann.“ Allen sei bekannt, dass Lank überaltert, wenn keine Familien mit Kindern mehr zuziehen.

Latum-Ost ist die Adresse für ein weiteres Grundstück, auf dem 50 Wohneinheiten stehen könnten. Hier müsste unter anderem mit den Besitzern von Kleingärten gesprochen werden.

Auf Granit stoßen die Planer zurzeit noch bei den Eigentümern eines Innenbereichs an der Löwenburg an der Gonellastraße. Dort bestehe theoretisch die Chance, 30 Wohneinheiten zu bauen. Der Großteil derer, die zustimmen müssten, sei aber dagegen. Die Stadt könnte natürlich enteignen, um ihre Pläne von Wohnbau durchzusetzen – „das ist aber nicht zielführend, es geht nur mit und nicht gegen die Eigentümer“.Zwölf Wohneinheiten sind realistisch für die Adresse „Alter Teich“, ein Grundstück im Besitz der Stadt. Nebendran war früher eine Deponie, der Boden ist laut Gutachter ohne Altlasten. Noch fehlt aber ein Satzungsbeschluss. Am Oberen Feld ist die Adresse in Nierst, auf der 40 Wohneinheiten geplant sind.

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