Meerbuscher müssen fürs Parken in Büderich zahlen

Dr.-Franz-Schütz-Platz : So klappt’s mit der Parkgebühr in Büderich

Seit einem Jahr müssen Autofahrer, die ihr Fahrzeug auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz abstellen, zahlen. Die Empörung hat sich gelegt.

Regen und Wochenmarkt. Wer an diesem Donnerstagmorgen einen freien Parkplatz auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz finden will, muss länger rumkurven. Fast alle Stellplätze sind belegt. Vor ziemlich genau zwölf Monaten sah das anders aus: Der große Platz war selbst an Markttagen verwaist, viele Meerbuscher hatten aus lauter Ärger über die neuen Ticketautomaten ihre Fahrzeuge kreuz und quer in den Nebenstraßen abgestellt.

Hildegard Rijpstra versucht vergeblich, einen Parkschein zu ziehen. Foto: ena

„Die Menschen gewöhnen sich an alles – selbst die Meerbuscher“, sagt Hildegard Rijpstra und lacht. Sie will gerade ein Parkticket an einem der sieben Automaten ziehen, aber der ist defekt. „Die drei da drüben auch“, erzählt Dirk Börgermann. Der Büdericher hat ebenfalls vergeblich versucht, einen Parkschein zu bekommen. „Ich lege jetzt die Parkscheibe ins Auto.“ Er nutzt die Stellplätze auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz regelmäßig. „Mir bleibt nichts anderes übrig. Hier sind schließlich Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, Ärzte und Apotheken.“ Dass die Stadt seit einem Jahr Gebühren fürs Parken mitten in Büderich verlangt, hat Börgermann akzeptiert. „Die Preise sind mit einem Euro pro Stunde auch nicht abwegig.“ Aber die Parkscheinautomaten: „Grauenhaft, die sind fast immer kaputt und wahnsinnig kompliziert.“ Er fragt sich: „Wer hat so etwas gekauft? Kommen die aus China?“

Stadtmitarbeiterin Gabriele Schade erklärt, wie das Gerät funktioniert. Foto: ena

Dazu sagt Stadtsprecher Michael Gorgs: „Durch mangelndes Tageslicht fallen tatsächlich manchmal einzelne Automaten vorübergehend aus, da sie über ein Solarpanel mit Strom versorgt werden. Das ist ärgerlich und kein tragbarer Zustand. Unsere Techniker sind im laufenden Austausch mit dem Hersteller.“ Außerdem seien nie alle Automaten gleichzeitig betroffen. An diesem Morgen funktionieren drei von sieben. Gabriele Schade vom Ordnungsamt, die eigentlich die Parktickets auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz kontrolliert, hat also plötzlich eine Zusatzaufgabe: Sie weist genervten Parkern den Weg zum jeweils nächstgelegenen Gerät, das es auch tut. „Ich denke aber, das kann man den Leuten zumuten“, sagt die Mitarbeiterin der Stadt. Ihre Erfahrung nach einem Jahr Parkgebühren: „Die Autofahrer haben es akzeptiert, ich bekomme jedenfalls keinen Unmut zu spüren.“

Diese Infozettel wurden zum Start vor einem Jahr verteilt. Foto: Anna Steinhaus

Am 7. Januar 2019 hatte die Stadt die Parkgebühren eingeführt, damit mehr Meerbuscher bei Kurzstrecken das Auto stehen lassen und das Fahrrad nehmen. Außerdem wurde der Platz oft von Pendlern benutzt, um von dort nach Düsseldorf zu kommen. Finanziell hat sich das gelohnt: Die Einnahmen 2019 belaufen sich auf rund 137.000 Euro, liegen damit also deutlich über den im Vorfeld kalkulierten rund 100.000 Euro, teilt der Stadtprecher mit. Und: „Der Platz wird inzwischen wieder gut angenommen.“

Das bestätigt ein Mitarbeiter aus einem Büro, das unmittelbar am Dr.-Franz-Schütz-Platz liegt. „Direkt nach Einführung der Gebühren hat hier kaum einer geparkt. Mittlerweile ist es wieder täglich voll, und die Empörung hat sich gelegt.“ Er selbst fährt täglich von Strümp aus mit dem Auto ins Büro und parkt so oft es geht vor dem Hallenbad. „Viele meiner Kollegen machen das auch so. Aber man kann es der Stadt nicht verübeln, dass sie Gebühren verlangt.“ Dennoch fährt er zum Einkaufen mittlerweile nach Osterath. „Dort kann ich umsonst parken.“

Für das Ehepaar Behrens aus Kaarst ist die Parkgebühr neu. „Wir kommen nur ganz selten nach Meerbusch, weil wir hier zum Kardiologen müssen“, erzählen sie. „Aber ein Euro pro Stunde ist doch gemäßigt. In Düsseldorf etwa findet man keinen einzigen Gratisparkplatz.“ Epiphanius Rijpstra sieht das ähnlich. „Gratisparken ist natürlich angenehm, aber so ist es auch okay.“ Obwohl dem Büdericher die Gebühren eigentlich egal sind. Als gebürtiger Niederländer ist er von Natur aus leidenschaftlicher Radfahrer. „Mein Rad war heute Morgen platt, nur deshalb sind meine Frau und ich mit dem Auto hier.“ Rijpstra hat denn auch direkt einen Vorschlag, wie die Stadt Meerbusch die Einnahmen aus dem Ticketverkauf investieren könnte: „Mit dem Geld sollte die Stadt neue Radwege bauen.“