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Meerbuscher Landschaftsarchitekt Sven Sedlmair ist Klima-Experte

Klimawandel : Büdericher bekämpft Hitze-Inseln

Landschaftsarchitekt Sven Sedlmair beschäftigt sich mit dem Klimawandel in Städten. Als Vorreiter in Nordrhein-Westfalen setzt er bei Planungen mit modernster Software auf eine international gefragte Methode aus Wien.

(RP) Sven Sedlmair kommt bei seiner Arbeit regelmäßig ins Schwitzen. Das liegt sozusagen in der Natur der Sache. Doch „klimatisch derart herausfordernde Wochen“ wie im vergangenen Sommer hat der Betreiber von „greenarchitecture“, ein Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur an der Witzfeldstraße in Büderich, noch nie erlebt. Selbst 2003 habe er – zumindest in der Rückschau – als „deutlich weniger schlimm“ empfunden. Er vermutet: „Weitere Sommer dieser Art dürften folgen.“ Die aktuelle Wetterlage gibt ihm Recht.

Der 43-Jährige weiß, dass bei Thermometer-Spitzenwerten in den Monaten Juni, Juli und August oft nur die Flucht ins Grüne, sprich aufs Land längere Abkühlung verspricht. „Doch das können sich nur die wenigsten Menschen zeitlich und finanziell leisten. Die meisten Städter müssen gucken, wie sie auf ihren Hitze-Inseln klarkommen.“

Wer kann, der ziehe für Wochen in den Keller oder schaffe sich eine Klimaanlage an. Sedlmaier: „Die verbraucht aber leider reichlich Energie.“ Hinzu komme, dass es besonders in den urbanen Zentren nicht nur immer heißer werde, sondern auch sogenannte Starkregen-Ereignisse zunähmen. Kurz: „Die Lebensqualität, die Sicherheit und die Gesundheit der Bewohner sind mindestens negativ beeinträchtigt, wenn nicht sogar auf Dauer gefährdet.“

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Schon seit Jahren beschäftigt den Büdericher Diplom-Ingenieur dieses Thema. Geradezu „elektrisiert“ sei er deshalb auch gewesen, als er von seinem aus Neuss stammenden Branchen-Kollegen Peter Küsters auf eine neuartige Möglichkeit aufmerksam gemacht wurde, bei anstehenden Bau-Projekten Klimaszenarien und deren Auswirkungen auf die städtische Infrastruktur, auf Gebäude und Menschen wirksam einzubeziehen. Diese sogenannte Greenpass-Method hat ein gleichnamiges Startup vor einigen Jahren in Wien entwickelt. Für seine Feldversuche konnte es Städte wie London, Hongkong und Kairo gewinnen. Kernstück ist eine in Wien entwickelte Software.

Nach einer entsprechenden Weiterbildung in Österreich ist Sven Sedlmair neben Peter Küsters (der Greenpass offiziell in Deutschland vertritt) erst der zweite „Urban Climate Architect“, kurz UCA, in Nordrhein-Westfalen. Sein Wissen bietet er unter anderem Kommunen, aber auch privaten Immobilien-Entwicklern an. Das Interesse ist groß, „denn der Klimawandel ist in aller Munde“, so der Fachmann. „Mit Greenpass können die Effekte grüner Infrastrukturen und baulicher Maßnahmen auf ihre Umgebung sichtbar, messbar und vergleichbar gemacht werden“, erklärt Sven Seldmair. Experten sprechen von einer „mikroklimatischen Simulation“. Die wichtigsten Punkte einer solchen Analyse sind Regenwassermanagement, CO2-Speicherung, Windfeld und die sogenannte Klimaresilienz. Heißt: Wie robust und anpassungsfähig ist die Infrastruktur gegenüber den zu erwartenden Klimaveränderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte? Mögliche Lösungen sind Dach- und Fassadenbegrünung sowie natürliche Freiräume zwischen der Bebauung, wo Wasser versickern kann. Außerdem Schneisen für den Wind, die wie eine natürliche Belüftung funktionieren. Alles wichtige Elemente, sagt Sedlmaier. Aber: „Ein wirkungsvoll durchgrüntes Viertel ist ein hochkomplexes Projekt. Von einer ganzen Stadt gar nicht zu reden.“ Es reiche nicht, einfach mehr Bäume und andere Gewächse in den Innenstädten anzupflanzen. „Zurück zur Natur“ sei leicht gesagt, diese Forderung müsse aber auch umsetzbar sein. „Deswegen“, betont der Fachmann, „spielen in der Greenpass-Analyse auch Kosten und Ressourcen eine wichtige Rolle.“