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Meerbusch: Meerbuscher läuft Ultra-Trail in Frankreich

Meerbusch : Meerbuscher läuft Ultra-Trail in Frankreich

Trotz Unwetters kämpfte sich der Meerbuscher Philip Mes als Teilnehmer eines Extrem-Laufs in knapp 32 Stunden durch die Schlucht von Verdon. Dabei geriet der 37 Jahre alte Personal Trainer an seine physischen Grenzen

Durch eine der größten Schluchten Europas laufen, nonstop eine Strecke von 111 Kilometer in 31 Stunden und 59 Minuten zurücklegen, sich dabei durch unwegsames Gelände schlagen und auch noch 7000 positive und 7000 negative Höhenmeter überwinden - das klingt nach einer ganz harten Tour. Philip Mes hat an dem so genannten "Ultratrail Verdon" Mitte Juni in Frankreich zum ersten Mal teilgenommen und ist nun froh, wieder heil und gesund zu Hause zu sein. So zählt der Lauf durch die Schlucht Gorges du Verdon in der Szene an sich schon zu den härtesten. Doch das, was der Meerbuscher in der Provence erlebt hat, war mehr. Ein Abenteuer für sich.

Bei Gewitter, Sturm, Dunkelheit und golfballgroßem Hagel über Geröll rennen. Das ganze bei drei Grad. Und ohne richtige Wege. Kurz davor allerdings noch bei schwülen 36 Grad rutschige Felswände einer Schlucht hinaufklettern. Das alles noch mit Magenproblemen. Das klingt wie bei Baron Münchhausen, hat der 37-Jährige aber genauso erlebt. Jetzt - in seiner Regenerationsphase - sagt er rückblickend: "Das sind Erfahrungen, die kann einem keiner mehr nehmen."

Der knapp 32-Stunden-Lauf von Mes hatte aber nicht nur Tiefen. So war ein Teller voll mit Gemüsecrémesuppe plötzlich "die Welt". "Das war bei einer Pause nach dem Lauf durch die Eislandschaft, die der Hagel hinterlassen hatte", erzählt der Sportler. Und seinem Magen ging es dann auch wieder besser. Bei der Passage, die ihn hingegen bei Hitze durch den Canyon führte, wurde sein Wasser knapp: "Es war wie ein kleines Wunder, als mir dann eine Wanderin entgegenkam, die mir einen halben Liter eisgekühltes Wasser abgab", erinnert sich Mes.

Auf verschlungenen Pfaden geht es beim Ultratrail Verdon durch die Schlucht von Verdon. Dabei geht es 7000 Meter in die Höhe und wieder hinab. Foto: mes

Besonders brenzlig wurde es auch noch einmal gegen Ende des Trails. Um Kraft zu sparen, hatte er sich mit drei weiteren Läufern zusammengetan. Was sie nicht ahnen konnten: Sie liefen direkt in die nächste Unwetterfront. "Jetzt weiß ich wirklich, wo der Begriff ,Mir stehen die Haare zu Berge' herkommt", sagt Mes. Der Hagel kam plötzlich von allen Seiten, Blitze schlugen direkt vor und hinter uns ein."

Nach 28-stündiger Tour waren die Vier eigentlich total K.o., aber durch das Unwetter plötzlich hell wach und konzentriert. Mes hatte nur einen Gedanken: "Heil hier rauskommen!" Das gelang ihm. Und den Duft von Lavendel, den er kurz vor dem Ziel einatmete, wird er wohl nie vergessen: "Mit dem Schein meiner Stirnlampe konnte ich einen vagen Blick auf die Lavendelfelder erhaschen". Vorboten des Ziels. Gegen 5 Uhr früh erreichte er die kleine beleuchtete französische Stadt namens Moustiers.

Philip Mes gehört zu den 43 Prozent, die den Trail bei dieser schwierigen Wetterlage überhaupt geschafft haben. "Das ist toll. Aber es geht mir eigentlich nicht um Grenzerfahrungen." Er profitiere vielmehr vom Erfahrungsschatz für Körper und Geist. Denn als Personal Trainer kann er dadurch seine Kunden für Marathon-Läufe und Trails besser motivieren und trainieren. "Man muss es selbst erleben, um es an andere weitergeben zu können." Extremläufe etwa am Mont-Blanc und an der Zugspitze hat er ebenfalls schon absolviert. Doch um richtig fit zu werden, müssen es gar nicht immer die Berge sein: "Ob am Meerbuscher Rheinufer oder im Grafenberger Wald in Düsseldorf. Geröll, Steine, Kies und selbst Höhenmeter, das gibt es alles bei uns vor der Haustür", sagt der Trainer.

www.philipmes.de

(RP)