Meerbuscher Künstlerin lädt in ihr Atelier

Ulrike Holthöfer hat ihr Atelier in einem früheren Klärwerk : Manche Kunst liegt auf der Straße

Ulrike Holthöfer arbeitet viel mit Asphalt für Museen und Außenprojekte. Ihre nächste Ausstellung findet am 6. und 7. Juli in ihrem Atelier statt.

Glücksritter behaupten, Geld liege auf der Straße. Dass sich dort buchstäblich Kunstwerke befinden, ist Verdienst von Ulrike Holthöfer. Die Meerbuscher Künstlerin, deren helles Atelier- Wohn- und Ausstellungs-Haus, ein ehemaliges Klärwerk, genau auf der Linie zwischen Meerbusch und Düsseldorf an der Niederlöricker Straße gelegen ist, arbeitet unter anderem mit Asphalt. Ein Gebilde namens „Pferd und Reiter“ wurde in eine Straße der Stadt Salzgitter hinein asphaltiert und wirkt auf der Fahrbahn wie ein großer gespenstischer Schatten.

Bundesweit hat Holthöfer Spuren hinterlassen, nicht nur mit purer Kunst, sondern auch durch groß angelegte Naturprojekte mit ökologischem Mehrwert. Dass sie seit 2004 im Gemäuer eines stillgelegten Klärwerks residiert, ist kein reiner Zufall, hat sie sich doch intensiv mit einer Bio-Variante der Wasser-Reinigung auseinandergesetzt: Eines ihrer großformatigen Kunstwerke nennt sich „Pflanzenkläranlage“: Das Versuchsmodell besitzt drei Reinigungsstufen. Anhand des Modells hat die RWTH Aachen immerhin sechs Jahre an einem alternativen Reinigungssystem geforscht.

Die Schichten aus Kies und Pflanzen würden Wasser sehr gründlich reinigen, versichert die Künstlerin. Darum seien die Forschungsprojekte auch von Erfolg gekrönt gewesen. Immerhin gab es für Holthöfer daraufhin den „Kunstpreis Ökologie“ der Bundesrepublik.

Doch die Kunst selbst steht trotz der Ausflüge in Richtung Technik ganz im Vordergrund. Zum Thema Kläranlage hat die Künstlerin beispielsweise farbige Bilder gemacht von mikroskopierten Mikroben in Überlebensgröße.

Gemalt und gewerkelt habe sie schon in ihrer Kindheit, sagt Ulrike Holthöfer, die im Münsterland aufgewachsen ist. Mit Schöngeistigem sei sie früh in Kontakt gekommen: „Meine Mutter war sehr musikalisch, und ich habe Klavier und Gitarre gelernt.“ Doch eine Musikerkarriere habe sie nicht gereizt. „Ich habe lieber vor mich hin gebastelt.“ Material stand genügend zur Verfügung. „Wir hatten viel Lehm und Ton hinterm Haus und Mooreiche, aus der ich meine ersten Sachen geschnitzt habe.“

Die Kunsttechniken, die sie anwendet,  sind vielfältig und technisch teilweise kompliziert und experimentell. Neben den Asphalt-Plastiken, zu denen eine große, schwere fünfteilige Skulptur gehört, sowie Intarsien in einer dicken, großen Holzplatte, hat sie Holzschnitte und Unikat-Drucke angefertigt. In einer Ecke ihres Ausstellungsraumes mit seinen zahlreichen Butzenfenstern lehnen mumifizierte Weihnachtsbäume – schlank zusammengebunden und von einem gelblichen Wachs umhüllt. Bienenwachs? „Nein“, sagt Holthöfer. Das sei kein Bienenwachs, sondern eine Mischung, die sie selber aus Industriewachs und Harzen zusammengerührt habe.

Leicht macht sich die erfindungsreiche Handwerkerin ihr Künstlerleben nicht. „Ich brauche für manche Werke zwei Jahre“, berichtet sie. Dafür sind einige Ergebnisse auch sehr groß und eindrucksvoll. In Emmerich gestaltete Holthöfer ein „Teppichbeet“ aus Rasen und orangefarbenen Reflektoren von Fahrrädern, den sogenannten „Katzenaugen“, von denen unzählige Exemplare zu großen Pfeilen zusammen gelegt sind. „Nachts leuchten die wie glühende Lava“, sagt Holthöfer mit einem zufriedenen Lächeln. Und Grund, ein bisschen stolz zu sein, hat sie häufig. Neben zahlreichen Auszeichnungen kann sie sich über bundesweite Präsenz für sich reklamieren. Und noch mehr: Gerade sind ein paar Exponate in einer Wanderausstellung des Goethe-Museums unterwegs mit Stationen in Kiew und Moskau.

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