1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbuscher Künstler verarbeiten das Holz der Latumer Brücke

Brücke am Latumer See : Kunst aus dem Holz der Latumer Brücke

Svenja Neuendorf und Roland Giersch haben die Träger der abgebauten Brücke zersägt und in ihr Atelier nach Ossum transportiert. Aus dem Material wollen sie ein Kunstwerk schaffen. Bevorzugter Standort dafür ist Meerbusch.

Der Boden ist matschig, Svenja Neuendorfs Hosenbeine sind feucht vom Saum bis zu den Knien. Seit 8.30 Uhr an diesem Aschermittwochmorgen ist sie gemeinsam mit ihrem Partner Roland Giersch und einigen Helfern damit beschäftigt, die abgebauten Holzteile der alten Brücke am Latumer See mit einer Kettensäge zu zerkleinern und mit einem Radlader in einen Transporter zu hieven. Der bringt die hölzernen Überreste in deren Atelier- und Werkstatträume „Stein trifft Holz“ in Ossum. „Das Wetter ist nicht optimal“, sagt sie und lacht. „Aber wir mussten die Arbeiten vor der Brutzeit erledigen.“

Die großen Brückenbauteile wurden mit der Kettensäge zerlegt. Foto: F. Jürgens

Die Steinbildhauerin und der Holzbildhauer hatten sich unmittelbar nach dem Abbau der Brücke mit der Stadt, dem Heimatkreis Lank und dem Meerbuscher Kulturkreis (MKK) in Verbindung gesetzt. „Wir wollten wissen, was nach der Demontage mit dem Holz passiert“, erzählt Neuendorf. „Unsere Idee ist es, dem Holz in einem gemeinsamen Kunstprojekt wieder einen Nutzen zu geben.“ Eine Idee, die auch den Heimatkreis Lank gleich überzeugte. „Der Gedanke der Nachhaltigkeit gefällt uns. Deshalb sind wir der Bitte der Künstler sehr gerne nachgekommen und haben ihnen die Materialien zur Verfügung gestellt“, sagt Franz Jürgens, Vorsitzender des Heimatkreises. Der Verein finanziert den Brücken-Neubau über einen privaten, anonymen Sponsor und will die rund 30 Meter lange Brücke anschließend der Stadt Meerbusch schenken. Auch das Künstler-Duo wünscht sich, dass sein Kunstwerk in der Stadt bleibt. „Es wäre schön, wenn es im Meerbuscher Raum einen Platz und eine Heimat finden würde“, sagt Neuendorf. Wie genau die Künstler die Edelhölzer gestalten wollen, verraten sie jetzt noch nicht. „Wir haben natürlich schon eine Idee, die wir aber noch entwickeln möchten“, sagt die Steinbildhauermeisterin.

Svenja Neuendorf und Roland Giersch freuen sich, „dass das alles so unkompliziert geklappt hat, und dass wir heute so viel Unterstützung beim Abtransport haben“. Die großen Holzkonstruktionen haben die Helfer in mehreren Stunden Arbeit in sechs rund zehn Meter lange Stücke zerlegt. „Jedes Stück wiegt rund zwei Tonnen“, sagt Neuendorf. Dass die Holzteile wochenlang im Nassen lagen, sei nicht weiter schlimm, erklärt sie. „Wir werden das Holz ja sowieso weiter bearbeiten. Vorher werden wir einige Teile weiterhin draußen vor unserer Werkstatt lagern, die anderen unter einem Hallendach.“ In den nächsten Wochen wollen die beiden mit dem Kunstprojekt starten.

Auch der Heimatkreis Lank hofft, dass der Brückenneubau nun schnell vorankommt. Für den Heimatkreis-Vorsitzenden Franz Jürgens soll die neue Brücke im Idealfall der Auftakt für eine umfassende Verschönerungsaktion des beliebten Ausflugsareals sein. „Wir als Heimatkreis sind immer daran interessiert, das Ortsbild von Lank zu verschönern. Und die Brücke wertet das Gelände rund um den Latumer See auf jeden Fall auf.“

Der Heimatkreis hatte von Beginn an betont, dass er in Sachen Brückenabriss und Brückenneubau eng mit der Stadt zusammenarbeiten wolle. Das läuft bislang anscheinend gut: So soll die kleine Brücke am Latumer See, die die Stadt bauen wird, im gleichen Stil wie die große gebaut werden. „Beide sollen sich gestalterisch entsprechen“, hatte Matthias Unzeitig, Leiter des zuständigen Fachbereichs, Anfang des Jahres angekündigt. Das Geld für den Bau der kleinen Brücke ist bereits im Haushalt 2020 eingeplant.