Meerbuscher Künstler mit Atelier in Osterath

Dieser Künstler liebt Bauwagen: Bilder zwischen Realität und Fantasie

Der bildende Künstler Michael Vogt malt Porträts, Landschaften und neuerdings auch Bauwagen. Er hat sein Atelier in Osterath.

Bauwagen in frohen Farben strahlen dem Besucher entgegen. Maler Michael Vogt hat Bilder der mobilen Hütten in seinem Osterather Atelier hängen – Vogts jüngste Werkgruppe. Gleichmäßiges Licht fällt durch die zum Garten gelegenen großen Fenster. „Nordlicht“, wie der Künstler betont, „also nahezu schattenfreies Licht.“

Der einstige Student Gerhard Richters und Meisterschüler von Erwin Heerich an der Düsseldorfer Kunstakademie malt gegenständlich. Nach starken Abstraktionen muss man in Vogts Räumen lange suchen. „Die Landschaften sind schon abstrahiert“, wirft Vogt ein. „Ich zeige aber in der Tat meinen Bezug zum Gegenstand, aber mit meiner persönlichen Handschrift, das ist kein Fotorealismus.“

Michael Vogt malt Bilder in großen Blöcken. Darum existieren ganze Kataloge mit ost-belgischen Landschaften oder Bildern vom Rhein. Wasser bewegt den Künstler: „Als Kind habe ich jeden Urlaub auf dem Wasser verbracht.“ Manche Motive wirken spontan ausgewählt, so zeigt ein Bild den Brand in Uerdingen aus der Ferne. Durch die gemalte Niederrheinlandschaft ziehen schwarze Rauchschwaden.

Zu seiner Studentenzeit während der 70-er und 80-er Jahre habe er gerne Porträts gemalt, sagt Michael Vogt. Damals seien Porträts gar nicht en vogue gewesen. Und so habe er Schwierigkeiten gehabt, unter seinen damaligen Kommilitonen Freiwillige fürs Modellsitzen zu bekommen. Gleichwohl ist eine ganze Reihe von Gesichtsbildern entstanden, farbkräftig und leicht verschleiert zugleich.

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Vogt ist niemand, der Moden mitmacht. Der Künstler hat noch nicht einmal Internet. Dahinter steckt – ganz generell – eine langjährige Abneigung gegen alles, was seinen Ursprung im Militär hat. Den Wehrdienst habe er vergeblich verweigert, und eine angeordnete Transportfahrt gemeinsam mit amerikanischen Atomsprengköpfen sei ihm noch immer in unangenehmer Erinnerung, erzählt er.

Umso lieber denkt der Künstler zurück an seinen fünfjährigen Italien-Aufenthalt in einem Bergdorf hoch über dem Lago Maggiore. „Ich war noch als Student eingeschrieben und bin wie ein Zigeuner durch das Land gezogen“, berichtet Vogt über die italienische Jugendzeit in den 70-er und 80-er Jahren. „Das war die wärmste Ecke des Sees – eine richtige Oase“, schwärmt Vogt noch heute. Es sei die schönste und freieste Zeit seines Lebens gewesen. Durch Restaurierungsarbeiten im Hause seines Vermieters habe er sich das Wohnen verdient.

An den Rhein zurück zog den Künstler dann die Liebe. „Ich war in Düsseldorf-Oberkassel zu einem Abendessen eingeladen.“ Eine fesche Brasilianerin namens Fatima, damals Medizin-Doktorandin, habe mit am Tisch gesehen. Es hat sofort zwischen ihnen gefunkt. Und bis heute sind die beiden verheiratet. Mittlerweile ist Vogts Frau Professorin in einem Brustkrebs-Zentrum in Brasilien. Das bedingt ein gelegentliches Pendeln zwischen Brasilia und Düsseldorf. Ein brasilianischer Strand bildet derweil den sommerlichen Hintergrund eines der neuen Bauwagen-Bilder. Normalerweise male er immer vor Ort. Doch dieses Motiv mit Bauwagen und südamerikanischem Strand sei denn doch nachkonstruiert. Das passt dann zu Vogts Ästhetik, die sich oft zwischen Realität und Fantasie bewegt.

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