Meerbuscher Kirchengemeinde stellt sich Fragen auch der Nicht-Gläubigen

Neue Gesprächsreihe startet am Montag : Kirche lädt zum kritischen Dialog

Die Katholische Mauritius- und Heilig-Geist Kirchengemeinde in Büderich lädt ab nächsten Montag regelmäßig zur offenen Gesprächsrunde ein. Gestartet wird mit der Frage „Kann man falsch beten?“

Der Titel „Redezeit – 90 Minuten ohne Denkverbote“ macht deutlich, dass es bei der Gesprächsreihe, die die Katholische Kirchengemeinde St. Mauritius und Heilig Geist ins Leben gerufen hat, auch um Offenheit geht. „Uns beschäftigen Themen wie das Zölibat, die Weihe von Frauen oder die Ehe katholischer Priester – aber wir sprechen nicht darüber, woran wir eigentlich glauben. Dabei ist das die Basis, um die sich alles weitere dreht“, fasst Diakon Gerd Krewer zusammen.

Er und Astrid Fox als Ehrenamtsmanagerin der Pfarrgemeinde sind fest entschlossen, eine kritische Auseinandersetzung rund um den persönlichen Glauben außerhalb des Gottesdienstes in Gang zu bringen. Letzten Anstoß dazu haben Erfahrungen des Diakons bei den Taufzeremonien gegeben: „Ich habe in diesem Jahr 25 Kinder getauft und 23 Mal die gleiche Fürbitte gelesen.“ Sein Anliegen an die Eltern, die Fürbitten selbst zu formulieren, hatten lediglich das Abschreiben aus dem Internet zur Folge: „Die Eltern haben Angst, etwas falsch zu machen. Aber nichts, was an Gott gerichtet wird, kann falsch sein – ganz gleich, wie es formuliert ist.“

Diese Unsicherheit in persönlichen Glaubensfragen soll ab Montag, 18. November, alle zwei Monate für 90 Minuten lang Thema sein. „Wir werden nicht referieren, sondern die Gespräche leiten, werden den Fokus auf die Teilnehmer richten und möchten mit den Menschen ins Gespräch kommen. Im geschützten Raum des Pfarrsaals dürfen auch Zweifel und Kritik, Wut und Emotionen geäußert werden“, sagt Astrid Fox.

Willkommen sind alle Büdericher – auch wenn sie nicht der Katholischen Gemeinde angehören. Die Initiatoren wissen, dass es katholische Christen nicht einfach haben: „Die Amtskirche macht seit Jahren immer wieder negative Schlagzeilen, die Bibel gilt als veraltetes Märchenbuch, die Rituale im Gottesdienst sind genauso unverständlich, wie viele der Glaubenslehren.“ In der Folge gehen etwa 90 Prozent der Katholiken nicht mehr in die Kirche und verlieren auf Dauer den persönlichen Bezug zu ihrem Glauben. „Sie fragen sich, wofür soll eigentlich das Gebet gut sein. Und viele sind nicht sicher, ob sie richtig beten. Die Kirche ist oft ein Tabuthema. Wir möchten erreichen, dass es nicht peinlich ist, über den Glauben zu sprechen“, verspricht Gerd Krewer. Vor allem mit den zweifelnden Menschen ins Gespräch zu kommen ist ihm und Astrid Fox ein Anliegen: „Wir wollen sie dort abholen, wo sie stehen.“

Die Überschriften für die Themen wurden bewusst provokant gewählt: „Das soll auffordern, alle Gedanken frei heraus los zu werden.“ Am Montag, 18. November, 19.30 Uhr, geht es mit dem Thema „Kann man falsch beten?“ im Pfarrsaal St. Mauritius, Dorfstraße 1, los (Anmeldung nicht erforderlich). Als Einstieg in die erste Gesprächsrunde haben sich Astrid Fox und Gerd Krewer Zitate über das Gebet herausgesucht. So sagt beispielsweise der Rocksänger und Schriftsteller Heinz Rudolf Kunze: „Ich bete, weil ich will, dass es einen Gott gibt.“