Meerbuscher Jugendcafé soll neu aufgestellt werden

Meerbuscher Jugendarbeit im Umbruch: Gesucht: Externer Betreiber fürs JuCa

Politiker beschließen das Ende des JuCa in seiner heutigen Form. Private Bewerber sollen sich jetzt melden. Außerdem soll sich ein mobiler Sozialarbeiter um Jugendliche kümmern.

Die Tage der Halle 9 auf dem ehemaligen Stoesselgelände in Osterath als Jugendcafé (JuCa) sind gezählt. Das beschlossen Haupt-, Finanz- und Jugendhilfeausschuss bei ihrer gemeinsamen Sitzung am Donnerstagabend. Allerdings sollen die Räume weiter der Stadt und Vereinen zur Verfügung stehen, weil ein offensichtlicher Mangel an größeren Räumen in der Stadt besteht.

Im Vorfeld der Entscheidung hatte die Stadt eine Liste vermietbarer Räume angefertigt. Dazu gehören Schulungsräume und Fahrzeughallen der Feuerwehr, Sporthallen und Foyers von Schulen sowie Räume im Bürgerhaus Lank. „Das sind fast alles Räume, die nicht für das gedacht sind, was wir suchen“, erklärte Jörg Wartchow (CDU). Es fehlten gastronomische Einrichtungen wie eine Theke mit Wasseranschluss und die Lichttechnik. Unterstützung bekam er von Georg Neuhausen (SPD). „Außer dem Bürgerhaus in Lank sind das keine Räume, die für kulturelle oder Brauchtumszwecke vermietet werden können.“ Sie stellten keine Alternative zur Nutzung der Halle 9 dar. Klaus Rettig (FDP) gab jedoch zu bedenken: „Es gibt noch weitere Räume bei Sportvereinen und in Kirchengemeinden.“  Auch Jürgen Peters von den Grünen wollte nicht grundsätzlich die genannten Räume ablehnen: „Es ist doch günstiger, diese Räume mit Theken auszustatten als neue Räume zu bauen.“ Zuspruch auch von Daniela Glasmacher (UWG): „Wie viele Großveranstaltungen gibt es denn überhaupt, für die wir Räume benötigen?“ Der Antrag der FDP, den Betrieb der Halle 9 komplett einzustellen, fand jedoch nur bei Grünen und UWG Zustimmung. Allerdings will sich die Verwaltung darum bemühen, auf ihrer Homepage die vermietbaren Räume aufzulisten, so dass ein Interessent fündig werde.

Mit den Stimmen von CDU, SPD und Piraten sprachen sich die Ausschüsse dafür aus, nach einem externen Betreiber zu suchen, der die Halle 9 auf eigene Rechnung bewirtschaftet. Rund 30 Termine sollen für städtische, kulturelle und Brauchtumszwecke frei bleiben. Als Entgelt zahlt die Stadt dafür 30.000 Euro, das sind 50 Prozent der Vorhaltekosten. „Die Vorlage der Verwaltung ist zielführend“, so CDU-Fraktionschef Werner Dambon. Neben den genannten Zwecken könnten auch Jugendprojekte dort organisiert werden können, wofür die CDU zusätzlich 30.000 Euro in den Haushalt 2019 einsetzen möchte. „Solch ein Betreibermodell wäre ein ideales Ensemble“, sagt Damblon. Er bekam Unterstützung von Neuhausen, der aber anregte, nach einem Jahr zu sehen, ob die gewünschten Ziele realisiert werden konnten. Es gab jedoch Zweifel im Ausschuss, ob man einen privaten Betreiber finden könnte und ob der städtische Zuschuss von 30.000 Euro ausreiche. Joachim Quass (Grüne): „Ich glaube, das ist eine Lachnummer. Ein Wirt rechnet immer ‚Pacht mal acht‘. Also müsste er einen Umsatz von 480.000 Euro machen.“ Klaus Rettig befürchtete, dass die Miete für Vereine trotz eines städtischen Zuschusses zu hoch wäre oder der Wirt seinen Verdienst über die Getränkepreise mache.

Gäbe es überhaupt genug Interessenten für die Räume? Aufklärung hierzu gab Jürgen Eimer, Vorsitzender des OBV, der derzeit die Halle 9 betreibt: „Wir hatten im vergangenen Jahr 32 Veranstaltungen mit Entgelt plus fünf Veranstaltungen der Stadt, acht des Brauchtums und 16 Termine von Vereinen. Aber es hätten viel mehr sein können, wenn es nicht die vereinbarte Beschränkung als Jugendcafé gegeben hätte.“ Er ergänzte, dass er bereits viele Anfragen für 2019 habe. Denn  bei privater Bewirtschaftung wären auch runde Geburtstage und Hochzeiten möglich. Jürgen Peters bedauerte, dass bei dem neuen Modell Vereine wie Meerbusch hilft möglicherweise auf der Strecke blieben. „Wir sponsern einen privaten Kneipier. Das ist nicht richtig“, ergänzte er. Doch die Mehrheit aus CDU, SPD und Piraten sah das anders und will nun, „ein Interessenbekundungsverfahren für eine externe Bewirtschaftung der Halle 9 als Gemeinweseneinrichtung“ einleiten. Allerdings will die Stadt nicht ersatzlos das bestehende Angebot für Jugendliche streichen.

Da es sich herausgestellt habe, dass das Angebot im JuCa zu wenig genutzt worden sei, schlug die Verwaltung vor, zusätzlich zu den bestehenden Angeboten des Jugendamtes einen mobilen Sozialarbeiter einzustellen, der ein „Kümmerer“ sein solle und als  „Klammer“ unterschiedliche Jugendliche mit gleicher Interessenslage zusammenbringe. Er solle mit den Jugendlichen an verschiedenen Lebensorten ins Gespräch kommen, den Jugendlichen eine Stimme geben sowie Mitbestimmung und Projekte initiieren. Für seine Pläne könnte auch das heutige JuCa, also die Halle 9 genutzt werden.

Im Grundsatz stimmten alle Parteien diesem Vorschlag zu. Eine konkrete Verbindung zur jetzigen Location solle aber nicht festgeschrieben werden. Der mobile Sozialarbeiter könnte jedoch eine Verbindung zum Abenteuerspielplatz aufnehmen, auf dem heute nur eine Sozialarbeiterin (plus Honorarkräften) tätig sei. Falls sinnvoll, könne er sich auch um eine Stärkung des Stadtjugendrings bemühen, wie von der FDP vorgeschlagen.

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