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Meerbuscher Hundetrainerin gibt Tipps für Silvester

Interview Sonja Schneppendahl : „Hunde an Silvester nicht alleine lassen“

Die Meerbuscher Hundetrainerin hat einige Last-Minute-Tipps, damit die Party für Mensch und Tier gelingt.

In der Silvesternacht gehört ein Feuerwerk für die meisten Menschen einfach mit dazu. Für viele Hunde jedoch sind laute Böller und heulende Raketen purer Stress. Die Meerbuscher Hundetrainerin Sonja Schneppendahl gibt Tipps, wie Mensch und Tier gemeinsam gut ins neue Jahr starten können.

Hunde haben Silvester oft Angst. Wenn geböllert wird, wenn Raketen fliegen. Wie kann man die Hunde darauf vorbereiten, dass die Angst zumindest reduziert wird?

Sonja Schneppendahl Man muss erst einmal zwischen echter, unkontrollierter Angst und Angst, die sich im Rahmen hält, unterscheiden. Unkontrollierte Angst ist sehr schwer zu therapieren. Dafür wäre es für dieses Silvester schon zu spät. Aber man kann natürlich mit Last-Minute-Tipps Besserungen erzielen und insbesondere auch solchen Hunden helfen, deren Angst sich in einem gewissen Rahmen bewegt.

Wie genau?

Schneppendahl Erstmal ist es wichtig, dass ich als Mensch ein guter Partner für meinen Hund bin. Dass der Hund mich als Souverän ansieht und dann in Angstsituationen meine Nähe und Hilfe sucht. Auch würde ich am Silvestertag den Hund körperlich und geistig auslasten. Viel mit dem Hund rausgehen, am besten außerhalb von Wohngebieten – viele böllern ja schon vorher. Viele Suchspiele machen, den Hund voll auslasten. Dass der so müde ist, dass er eher die Entspannung sucht und sich weniger mit der Angst beschäftigt. Zu Hause würde ich die Emissionen so gering wie möglich halten, indem ich Jalousien runter und Fenster zu mache, damit von außen so wenig Reize wie möglich reinkommen. Und man sollte den Hund an Silvester auf keinen Fall alleine lassen. Auch haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Musik entspannt.

Welche Musik?

Schneppendahl Klassische Musik oder Balladen. Es ist bewiesen, dass die wirklich nachweislich entspannen.

Ich habe auch gelesen, dass es Halsbänder gibt, die bestimmte Pheromone abgeben, die denen der Hundemutter nachempfunden sind. Und die die Hunde auf diese Weise beruhigen.

Schneppendahl Genau. Das ist das sogenannte Dog Appeasing Pheromon, das wird eigentlich in den Zitzen der Mutter gebildet. Das hat eine beruhigende und sicherheitsgebende Wirkung. Das gibt es in Form von Steckern für die Steckdose zu Hause, als Halsbänder und Sprays. Man sollte das mindestens 24 Stunden vor Silvester, besser ab Verkaufsbeginn der Böller, einsetzen. Dann gibt es auch noch Tabletten, die Serotonin beim Hund freisetzen und ihn somit beruhigen.

Und das ist alles ungefährlich für den Hund?

Schneppendahl Das sind in dem Sinne keine Medikamente, das ist ohne Nebenwirkungen. Bei Medikamenten muss man vorsichtig sein, das sollte man nur den Hunden geben, die wirklich eine diagnostizierte, pathologische Angst haben. Die sich vor Panik aus dem Fenster stürzen würden. Dann kann man überlegen, ein Medikament zu geben – immer in Absprache mit dem Tierarzt. Und sonst sollte für Hunde, die Angst haben, alles erlaubt sein. Wenn der Hund eigentlich nicht auf die Couch darf, dann sollte er das an Silvester dürfen, um Sicherheit und Geborgenheit zu bieten.

Das sind ja alles kurzfristige Erste-Hilfe-Maßnahmen. Gibt es auch längerfristige Maßnahmen?

Schneppendahl Man kann zusätzlich zu vielen positiven Reizen die angstauslösenden Reize dazunehmen. Das ist ein sehr langfristiges Training, das den Hund langsam daran gewöhnen soll. Dass man also Knallgeräusche oder auch den Geruch von Böllern dem Hund näher bringt, dass man sie zum Beispiel mal einen Böller suchen lässt. Das muss man aber langfristig trainieren. Wie lange man das trainieren muss, ist von Hund zu Hund unterschiedlich, aber es geht in jedem Alter. Lernen ist bei Hunden immer möglich.

Vor was genau haben die Hunde denn Angst an Silvester? Ist es der Geruch, ist es die Knallerei?

Schneppendahl Es ist alles, im Prinzip. Es ist die Knallerei, es sind die Geräusche. Das ist ein bisschen abstrakt für die Hunde, die können nicht gut zuordnen, woher das kommt. Dann haben wir die Lichtreize durch das Feuerwerk. Das vergleichbar mit Feuer. Und Feuer ist für den Hund erstmal eine Lebensgefahr. Dann gibt es die geruchliche Komponente, das Schwarzpulver. Das verbinden viele auch wiederum mit Feuer.

Gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Hunderassen, wie sie auf Silvester reagieren?

Schneppedahl Ja schon. Natürlich gibt es Rassen, die tendenziell nervöser sind. Das sind meistens Rassen, die sehr reizempfänglich sind, weil das für die frühere Arbeit von Nöten war. Das sind zum Beispiel Hütehunde. Diese Hunde verstehen kleinste Nuancen von Kommunikation auch auf weite Entfernung, sind sehr feinkommunikativ. Solche Hunde reagieren darauf stärker, als ein Hund, der eher langsam und plump ist. Wie eine Dogge zum Beispiel. Aber am Ende ist das auch alles eine individuelle Frage.

Sie geben Kurse an der Volkshochschule in Meerbusch und Viersen, Sie wohnen in Meerbusch und haben auch hier Ihre Hundeschule. Ist Meerbusch eine Hundestadt?

Schneppendahl Ja, Meerbusch ist eine Hundestadt. Ich habe die Zahlen nicht genau im Kopf, aber ich glaube, es gibt 6000 bis 9000 Hunde hier in Meerbusch. Und die Zahlen steigen. Und damit auch die Anforderungen.

An Sie oder an den Hund?

Schneppendahl An den Hund tatsächlich. Der Hund ist mittlerweile Lebenspartner und Familienmitglied. Früher lief der halt so mit. Deswegen muss der Hund gesellschaftlich kompatibler sein, als er es früher war. Und durch die Dichte der Hunde gibt es viel mehr Konfliktpotenzial. Nicht nur unter den Hunden oder den Hundehaltern, sondern auch mit anderen, die sich draußen bewegen. Ob das Jogger, Radfahrer oder Autofahrer sind.