Meerbusch: Meerbuscher Gospelklänge in Florida

Meerbusch : Meerbuscher Gospelklänge in Florida

Ein Meerbuscher und ein Düsseldorfer Gospelchor gehen im Februar gemeinsam auf Tournee durch die USA. Dort singen sie in afroamerikanischen Kirchengemeinden. Die vorbereitenden Konzerte in der Heimat sind am Wochenende

Eineinhalb Jahre laufen bereits die Vorbereitungen für die Tournee. Viel Disziplin und Energie fordert Chorleiterin Angelika Rehaag bei den Proben. Die 54-Jährige gestikuliert mit den Armen, gibt Einsatzzeichen für Tenor, Bass, Alt und Sopran. Plötzlich unterbricht die quirlige Leiterin. Es fallen Worte wie "nasal" und "Substanz". Einen Ratschlag gibt es für den Sopran: "Kein Kampf mit der Lautstärke." Die Musik beginnt von vorne, noch einmal das Lied "Total praise" - das kann besser klingen. In rund einer Woche sitzen die mehr als 60 Sänger plus dreiköpfiger Band im Flieger Richtung USA. Eine zwölftägige Tournee durch Florida haben sich die Chöre "Spirit of Joy" aus Meerbusch und "Sweet Chariot" aus Düsseldorf vorgenommen. In afroamerikanischen Kirchengemeinden wollen sie mit ihrer Interpretation der Gospelmusik überzeugen. Zuvor gibt es zwei Konzerte in den Heimatstädten.

"In Amerika sieht man ,weiße' Chöre, die Black Gospel singen, selten", sagt Rehaag. "Indem wir diese Musik singen, haben wir die gleiche Art, zu beten." In Florida entdecken die Sänger von "Spirit of Joy" und "Sweet Chariot" die Ursprünge der Musik, die sie selbst so fesselt. In den USA wird der Februar als "Black History Month" der afroamerikanischen Kultur gewidmet.

Vor Ort werden die Chöre von den Tourmanagern Reverend Lennie Swearingen und William Sanders erwartet. Ab dem 5. Februar ist ein straffes Programm aus zahlreichen Konzerten und Messen vorgesehen. Eine Station ist zum Beispiel die "Allen Temple African Methodist Episcopal Church" in Tampa. Gesungen werden Stücke wie "It's a good day" von Kurt Carr oder "Testify" von Edwin Hawkins. Ein deutsches Lied, "Der Herr segne euch" von Friedemann Lutz, ist dabei. Mal sind die Stücke poppiger, mal besinnlicher wie "Total Praise" von Richard Smallwood. "Gospel" ist aus dem Altenglischen abgeleitet und bedeutet "Gute Nachricht". Transportiert werden die Botschaften nicht nur mit der Stimme, sondern auch durch die Bewegungen der Sänger: Hände, die in den Himmel recken oder auf Zwei und Vier den Grundpuls klatschen. Jeder steht auf einem Fleck, aber nie still. Wenn Ulrich Fezer "Total praise" singt, dann fühlt sich das Meerbuscher Chormitglied Gott gleich viel näher. Gabi Klinkhammer, Pressesprecherin von "Spirit of Joy", sagt: "Ich schicke damit meinen persönlichen Dank nach oben, wenn mich Gott durch eine schwierige Woche geführt hat."

Einige Sänger haben schon Erfahrungen bei Tourneen im Ausland sammeln können, andere sind das erste Mal dabei. Katja Merkel, seit einem Jahr Mitglied bei "Sweet Chariot", sagt: "Ich bin gespannt, ob ich die Freude, die ich beim Singen empfinde, übertragen kann." Maria Mattioli, seit 1999 bei "Spirit of Joy", erinnert sich noch gut an die USA-Konzertreihe 2006: "Wir wurden sofort herzlich aufgenommen."

Leiterin Rehaag berichtet, wie klein die Kirchen zum Teil waren: "Einmal standen wir auf einer Ebene mit den Besuchern. Mitten im Konzert bekam ich zwei Assistentinnen aus dem Publikum, die meine Bewegungen nach hinten weitergaben." Man sei außerdem als Botschafter für Meerbusch und Düsseldorf unterwegs, sagt Klinkhammer. Ein Brief der Bürgermeister, Präsente und Stadtwappen für die afroamerikanischen Gastgeber sind mit im Gepäck. Das Motto für die Konzerttournee lautet "With one voice, one heart, one love to one God".

(RP)
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