Meerbuscher Firma entwickelt Daten-Software

IT - made in Osterath : So werden Knöllchen gemacht

Das Meerbuscher IT-Unternehmen Schweers entwickelt Software zur mobilen Datenerfassung. Mit weltweitem Erfolg.

Was haben ein Däne, ein Australier, ein Luxemburger und ein US-Amerikaner gemeinsam? Was wie ein Witz anfängt, ist in Wahrheit eine Erfolgsgeschichte aus Meerbusch. Denn in all diesen Ländern (und mehr) wird Osterather Know-how eingesetzt – und zwar zum Knöllchen schreiben. Die Antwort auf die gestellte Frage lautet also: Wenn sie falsch parken, sorgt ein Osterather Unternehmen dafür, dass sie nicht einfach so davon kommen.

Das mobile Gerät von Schweers erkennt das Kennzeichen eines Falschparkers und liest es direkt ins System ein. Foto: Tim Kronner

Die Rede ist von Schweers International. Seit 31 Jahren gibt es das Meerbuscher IT-Unternehmen. Außerhalb der Landesgrenzen ist es inzwischen aber unter einem anderen Namen bekannt: Panstreet International. „Schweers ist in manchen Sprachen einfach schwierig auszusprechen“, sagt Chef Michael Schweers mit einem Schmunzeln. Schließlich arbeitet sein Unternehmen mit Städten aus 16 Ländern weltweit zusammen. Zu den Kunden gehören neben den bereits erwähnten zum Beispiel auch Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ottawa in Kanada. In Deutschland verwenden rund 650 Städte das System von Schweers. Dazu zählen unter anderem Köln, Neuss, München und Berlin. Die Bundeshauptstadt wurde erst vor kurzem mit 800 neuen Geräten ausgestattet. Die sehen aus wie Smartphones, sollen den Straßenverkehr im Gegensatz zu der ablenkenden Technik aber sicherer machen.

Früher und heute: So haben sich die Produkte von Schweers verändert. Foto: Tim Kronner

Und wie funktioniert das? Indem die Lösungen von Schweers vieles erleichtern, was Ordnungsämter und auch Polizei täglich tun. Das Spezialgebiet des Unternehmens: die mobile Erfassung von Daten. Dazu gehören Razzien genauso wie das Abschleppen von Autos, Fahrrädern und bald E-Scootern. Der Hauptgeschäftsbereich von Schweers befasst sich aber mit dem Thema Knöllchen. Mit der in Meerbusch entwickelten Software geht die Überwachung des sogenannten ruhenden Verkehrs kinderleicht von der Hand. Mit dem smarten Datenerfassungsgerät wird das Kennzeichen eines geparkten Autos eingescannt. Das System erfasst dann, ob für dieses Auto schon eine Parkgebühr bezahlt wurde – sei es online, per SMS oder App. Das funktioniert sowohl auf den Geräten, die ein Partner von Schweers extra für diesen Zweck herstellt, als auch auf handelsüblichen Smartphones.

Schweers schätzt Beständigkeit: Stephan Meiser ist seit 31 Jahren dabei. Foto: Tim Kronner

Was in anderen Ländern schon üblich ist, in Deutschland aber wegen gesetzlicher Hürden noch unmöglich: das vollautomatische Scannen. Mit der Technik von Schweers reicht es nämlich, wenn die Geräte, am Auto oder Fahrrad befestigt, an parkenden Autos vorbeifahren. „Auf diesen Aufnahmen werden Gesichter sofort unkenntlich gemacht“, sagt Schweers. Die Kennzeichen hingegen werden ausgelesen und die ausführende Kraft des Ordnungsamts darauf hingewiesen, wenn jemand falsch parkt oder nicht gezahlt hat.

Sind die Meerbuscher also Schuld, wenn jemand ein Knöllchen bekommt? „Nein, dann hat derjenige einfach falsch geparkt“, sagt Schweers und lacht. Schließlich gehe es beim Überwachen des Parkens auch darum, die Ordnung im öffentlichen Straßenverkehr aufrechtzuerhalten.

Obwohl das Unternehmen in seiner Branche ein echter Global Player ist, geht es doch familiär zu. Der Bruder von Michael Schweers arbeitet im Unternehmen, seine Schwester war dort zeitweise aktiv, und der Vater gehört sowieso zum Gründungsteam. Genauso wie Stephan Meiser, der seit 31 Jahren Teil des Unternehmens ist. Heute arbeitet er als Projektmanager und kümmert sich weltweit um die Partner. Der perfekte Job für einen Mann, der sieben Sprachen fließend spricht. „Das ist schon spannend, welche Mentalitätsunterschiede es so auf der Welt gib“, sagt Meiser. Er schätzt den Umgang mit den Kunden, genauso wie die Atmosphäre im Unternehmen. „Das ist alles sehr freundschaftlich und ein absolutes Vertrauensverhältnis“, sagt Meiser.

Insgesamt hat Schweers derzeit 28 Mitarbeiter in Deutschland. Gestartet ist man 1988 mit sieben Leuten. „Ich bin stolz, wie sich das entwickelt hat“, sagt Schweers. Zum Umsatz sagt er übrigens nur so viel: „Es ist auskömmlich.“

Trotz der Tradition denken sie bei Schweers häufig noch wie ein Start-up. „Das ist in diesen Hightech-Sphären einfach ein Muss“, sagt Schweers. Die Mitarbeiter werden ständig geschult und das Unternehmen arbeitet immer an neuen, innovativen Lösungen. Für die Zukunft des Unternehmens sieht Schweers vor allem den privaten Sektor mit Potenzial. Sprich: die Parkraumüberwachung auf Flächen von Supermärkten und Co. „Die Arbeit war immer spannend und wird es hoffentlich noch lange sein“, sagt Schweers.

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