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Meerbusch: Meerbuscher Fähre auf Kirmes-Kurs

Meerbusch : Meerbuscher Fähre auf Kirmes-Kurs

Wer bei Langst-Kierst über den Rhein setzen will, hat zurzeit schlechte Karten. Meerbuschs Fähre tut gerade Dienst zwischen der Düsseldorfer Altstadt und der Rheinkirmes. Die Überfahrt dauert nur zwei Minuten. Ein Besuch auf der Michaela II.

Es gibt diverse Möglichkeiten, zur großen Rheinkirmes zu kommen. Die Schönste ist sicher das Übersetzen per Fähre. Meerbuscher werden das dabei zum Einsatz kommende Schiff kennen: Es ist die Michaela II, die normalerweise zwischen Langst-Kierst und Kaiserswerth pendelt. Gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff Maria Franziska tut sie zurzeit Kirmesdienst.

Die Anlegestelle ist schon von weitem erkennbar, davor gibt es einen kleinen Stand, der Tickets für die Überfahrten zu je zwei Euro verkauft. Nachmittags tummeln sich dort vor allem Familien und Ausflügler, die nach einigen Stunden auf der Rheinkirmes zur Altstadt weiterziehen. So auch Fahrgast Lynn Sommer, die zum Essengehen auf die rechte Rheinseite möchte. "Die Möglichkeit, mit der Fähre über den Rhein zu fahren, hat man in Düsseldorf nicht alle Tage", sagt sie.

Genau diese Möglichkeit bietet Fährmann Hans Schäfer außerhalb der Kirmeszeit jeden Tag am Rheinufer in Meerbusch. 44 Jahre lang ist die Autofähre bereits in Betrieb. Auch der Bau der Flughafenbrücke vor zehn Jahren konnte sie nicht stoppen — trotz Kundenabnahme von rund einem Drittel.

Nach dem Ende der Kirmestage am 23. Juli wird die Michaela II wieder ihren normalen Betrieb in Langst-Kierst aufnehmen, der zurzeit pausiert.

Fährmann Schäfer begrüßt die Fahrgäste persönlich und wünscht ihnen eine gute Überfahrt, bevor er die Tickets entgegennimmt. Die bunten Malereien von Fischen und Meerestieren fallen beim Betreten der Michaela II sofort auf, ebenso die farbigen Lampen, die das Steuerhaus zieren — und die Fahnen verschiedener Länder in Miniaturversion. Kalte Getränke werden an einer Bar im Zentrum des Decks angeboten, und Bierbänke stehen am Bug bereit. 300 Gäste kann die Michaela II tragen, wenn keine Autos an Bord sind. Bei Sonnenschein beginnt der Kampf um die wenigen Sitzplätze mit Rheinblick schon früh. "Das Wetter ist heute so schön, da nehme ich lieber die Fähre als mit der Bahn zu fahren", erzählt Fahrgast Katharina Sani. Als die Michaela II ablegt, gibt es keinerlei Erschütterungen. Mit fünf Stundenkilometern setzt sich die Fähre in Gang und schwebt förmlich über das Wasser. Zwischen den beiden Rheinufern ist der Wind weitaus stärker als an Land. Vielfach werden Handykameras und Fotoapparate gezückt, die Ausflügler schießen Bilder von der anderen Rheinseite, wo die nächsten Fahrgäste bereits vor dem Schlossturm auf ihre Überfahrt warten.

In der Düsseldorfer Altstadt angekommen, grüßt ein Mitarbeiter norddeutsch mit "Moin", bevor er die Fähre mit einem aufwendigen Knoten am Ufer befestigt und mit einer Rampe dafür sorgt, dass die Fahrgäste von Bord gehen können.

Die gesamte Überfahrt hat nicht einmal zwei Minuten gedauert. Verglichen mit dem Auto oder der Straßenbahn ist ein Ausflug mit der Michaela II nicht nur die schönere, sondern auch die eindeutig die schnellere Variante.

(RP)