Meerbuscher Agentur will doch nicht ins JuCa

Eventagentur hat Vertrag schon wieder gekündigt : JuCa: Neuer Mieter zieht zurück

Armin und Cinzia Nink, die eigentlich als Eventagentur das frühere JuCa betreiben wollen, haben ihren Mietvertrag wieder aufgekündigt. Das bedeutet, dass die Immobilienbesitzer wieder auf der Suche sind.

„Hiermit möchte ich Sie informieren, dass der Vertrag mit CW Immobilien und nink & experts GmbH doch nicht zustande kommen wird. Demnach werden wir nicht die neuen Betreiber der Halle 9 auf dem Gelände der Alten Seilerei sein.“ Diese E-Mail schickte Armin Nink am Freitag um 11.29 Uhr an unsere Redaktion. Das bedeutet: Die Agentur zieht sich nur wenige Tage nach Unterschrift unter dem Mietvertrag wieder zurück und übernimmt nicht wie bislang vereinbart zum 15. Mai das JuCa, um dort die Eventlocation Alte Seilerei aufzubauen.

Nink wollte keinen weiteren Kommentar abgeben. Aber es scheint offensichtlich, dass er damit auf die Diskussionen sowohl in der Politik als auch in den sozialen Netzwerken reagiert und zurückzieht, bevor er noch eingezogen ist.

Hintergrund: Die Eventagentur ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das die Halle 9 eben auch als Location für Firmenveranstaltungen, Hochzeiten oder Konferenzen genutzt hätte. Die mehr als 20 Vereine, die dort regelmäßig feiern oder Kurse abhalten, wären vermutlich draußen vor geblieben. Der Großteil zumindest.

Alexandra und ihr Vater Wido Weyer  sind Besitzer der Alten Seilerei und damit auch Vermieter des JuCa. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)/Bauer, Hans-Jürgen (hjba)

Mit einigen Vereinen hätte es eine Regelung geben können, dass sie dort nach wie vor feiern. Aber viele hätten sich eben die Saalmiete von 1500 Euro nicht leisten können. Bislang war der OBV Betreiber des JuCa mit Halle und Bistro und hatte dafür einen städtischen Zuschuss in Höhe von 160.000 Euro bekommen. Und genau diese Summe war in den vergangenen Jahren immer wieder von der Politik kritisiert worden. Mit dem Ergebnis, dass Jürgen Eimer als OBV-Chef letztes Jahr im Mai entnervt aufgab und die Kündigung zum Ende des Jahres 2018 aussprach. Drei Monate Verlängerung in diesem Jahr – und dann ist der OBV raus aus dem JuCa. Und mit ihm zahlreiche Vereine.

Das ist den Politikern offenbar erst so richtig bewusst geworden, als Armin Nink am Dienstagabend sein Konzept im Hauptausschuss vorstellte. Aber: Die Stadt Meerbusch selbst hat mit der Vermietung des JuCa nichts zu tun, hat ausschließlich das so genannte Interessenbekundungsverfahren organisiert. Darin hatten sich elf Bewerber – Gastronomen oder Vereine – die Fläche angeguckt. Die Agentur von Armin Nink legte dann als einziger Bewerber ein umfassendes Konzept für die Halle vor und bekam den Zuschlag.

Vermieter ist die Immobilienverwaltung von Alexandra und Wido Weyer, denen das komplette Gelände der Alten Seilerei mit ihren unterschiedlichen Hallen gehört. „Wir bedauern die Entscheidung, können sie aber auch nachvollziehen“, so Alexandra Weyer am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion. Sie wolle das JuCa jetzt trotzdem sanieren und parallel in den üblichen Immobilienportalen neu ausschreiben. Gesucht werde ein Mieter, der ein kreatives Konzept habe.

Armin Nink informierte am Freitag auch die Stadtverwaltung. Sie hatte am Dienstagabend aus der Politik den Auftrag bekommen, zu überlegen, wie Vereine so unterstützt werden können, dass sie auch bei einem privatwirtschaftlichen JuCa-Mieter dort trotzdem weiter feiern können. Denn 30.000 Euro stehen ja im städtischen Haushalt, um Zuschüsse an Vereine zu zahlen. „Aber diese Summe ist ja auch nicht beliebig nach oben zu schrauben“, sagt Werner Damblon, CDU-Fraktionsvorsitzender. Auch er war überrascht, am Freitag von dem aufgekündigten Mietvertrag zu hören.

Wie geht es jetzt weiter – unabhängig davon, dass die Vermieter einen neuen Mieter suchen? Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage hat für Aschermittwoch eine Gesprächsrunde mit allen Fraktionsvorsitzenden organisiert, um zeitnah die Haltung der Stadt zu kommunizieren und eventuell eine Lösung zu finden. Ihr sei wichtig, das JuCa als Veranstaltungsstätte für die Vereine zu erhalten. Sie erinnert an ihre Idee von vor einem Jahr: Danach sollte der Vertrag mit dem OBV dahingehend geändert werden, dass Vereine und private Veranstalter das JuCa nutzen können, der Zuschuss an den OBV im Gegenzug reduziert wird. Denn der OBV sollte eigentlich nur Jugendarbeit im JuCa machen, durfte aber keine Gewinne erwirtschaften.

Denn dass es einen Raum für die Vereine vor allem aus Osterath geben soll, ist auch in der Politik unstrittig. Darum wurde im vergangenen Jahr bereits über ein Bürgerhaus für Osterath nachgedacht. Den aktuellen Stand hatte Mielke-Westerlage am Dienstagabend im Hauptausschuss mitgeteilt. Die Stadt Meerbusch hat mit der Dortmunder Kommunikationsagentur „Startklar A+B“ ein Treffen mit Osterather Vereinen organisiert. Daraus ist eine Arbeitsgruppe entstanden, die jetzt Ideen für ein Bürgerhaus und die Nutzung entwickelt. Noch ist völlig offen, wo es irgendwann stehen soll – es kann ein Neubau sein, es kann aber auch sein, dass ein bestehendes Gebäude umfunktioniert wird. Die Stadt erhofft sich Zuschüsse von 50 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung.

Die Planungen und vor allem die Diskussionen und Gespräche in Osterath darüber sollen weiter laufen – unabhängig davon, wie sich das JuCa entwickelt.

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