Meerbusch

Der Altar steht auf Aluminiumfüßen. Seine Platte ist aus Glasbausteinen zusammengesetzt. Das Taufbecken ist transparent. Der Himmel des Osterather Kirchenhauses an der Alten Poststraße ist blau. Dass er so hoch ist, ist einem Zufall zu verdanken. Aus anderen Projekten hatten die Architekten Fohrer und Vogt Betonpfeiler übrig, die sie der Gemeinde für das neue Haus zur Verfügung stellten. Der Stil passte zu der im Industriedesign aus Stein und Beton geplanten Kirche, die für lediglich 280 000 Mark vor 50 Jahren gebaut worden ist. Mit Musik, Kunst und Gottesdiensten wird dieses Jubiläum jetzt gefeiert.

Die Einweihung der evangelischen Kirche in Osterath am 29. Mai 1960 bedeutete das Ende eines Provisoriums, berichtet Pfarrerin Birgit Schniewind, die für die Kinder- und Jugendarbeit der Gmeinde zuständig ist. Elf jahre lang hatten die Mitglieder der evangelischen Gemeinde ihre Gottesdienste in einer alten Wehrmachtsbaracke am Bahnhofsweg abgehalten. Da immer mehr Protestanten nach Osterrath zogen, reichten die dort vorhandenen 180 Plätze nicht mehr aus. Die Gemeinde baute eine eigene Kirche an der Alten Poststraße. 1963 kam ein Pfarrhaus für den ersten eigenen Pfarrer, Hans-Karl Schmidt-Arendse, hinzu. Rund 1700 Mitglieder zählte die Gemeinde zu der Zeit. Osterath hatte 6800 Einwohner.

Doch schon bald änderte sich das Verständnis von Kirche. Nicht länger sollte der Blick der Gottesdienstbesucher auf den Altar fokussiert sein. Stühle, im Halbrund aufgestellt, ersetzten die Reihen der Kirchenbänke. "Das war heiß diskutiert", erinnert sich Gisela Behnisch, die seit 47 Jahren in der Osterather Gemeinde aktiv ist. Die Bänke waren von den Gemeindegliedern gespendet worden. Ihre Abschaffung stieß zunächst auf Widerstand, bis sich das Konzept eine Gemeindezentrums auch im Kirchenraum durchsetze. Die Ausrichtung im Innenraum wurde gedreht. Die Kirche verwandelt sich in einen Mehrzweckraum. Ein grüner Teppich schuf die Verbindung von Kirchen- und Gemeinderaum.

Diese Entwicklung der 60er-/70er Jahre hat die Gemeinde inzwischen wieder zurückgenommen und die Einrichtung wieder auf den Altar fokussiert. Der grüne Teppich ist eine Steinboden gewichen. Das Gemeindezentrum abgetrennt, durch eine beweglich Tür. Aus "Gottes Wohnzimmer", wie die Räume genannt wurden, ist wieder ein sakraler Bau geworden. "Das entspricht dem heutigen Bedürfnis der Menschen, nach Spiritualität", sagt Schniewind. leichter, transparenter ist der Innenraum gestaltet. Die Apsis, die mit ihrer Glasausstattung entfernt an einen Wintergarten erinnert, erlaubt Blicke ins Innere, öffnet den Blick nach draußen. "Das Prinzip Offenheit ist uns wichtig", sagt Dr. Wolrad Rube, der für die Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeinde zuständig ist.

(RP)
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