Meerbusch : 50 Jahre Meerbusch sollen gefeiert werden

An Silvester startet die Stadt mit den Feierlichkeiten zum Jubiläum. Für einen Kalender werden Fotos gesucht.

Frau Mielke-Westerlage, für die Vorbereitungen zum Stadtjubiläum haben sie eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt – welche Abteilungen des Rathauses sind dabei?

Die Demonstration gegen die Eingemeindung Meerbuschs fand 1976 vor dem Meerbusch-Gymnasium in Strümp statt. Damals schlugen lautstarke Proteste Innenminister Burkhard Hirsch entgegen. Foto: RP/Werner Gabriel

Mielke-Westerlage Um die Gestaltung des Jubiläums kümmern sich naturgemäß die Mitarbeiter aus Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing. Zum Vorbereitungskreis gehören zudem mein persönlicher Referent, unser Stadtarchivar, der Leiter der Zentralen Dienste und – mit Blick auf unsere Silvester-Veranstaltung – inzwischen auch der Fachbereich Sicherheit und Ordnung.

50 Jahre Meerbusch – was ist für Sie wichtig, wenn Sie an diese fünf Jahrzehnte und vor allem an die Gründung denken? An wen oder was sollte unbedingt erinnert werden?

Mielke-Westerlage Es ist für mich bis heute beeindruckend, mit wie viel Herzblut – gepaart mit juristischer Kompetenz – die Meerbuscher in den 1970er Jahren gegen die Einbürgerungsbegehren der umliegenden Großstädte für den Fortbestand ihrer Stadt gekämpft haben. Allen voran sind der damalige Bürgermeister Ernst Handschumacher und Stadtdirektor Edgar Sonnenschein, die Köpfe des Bürgerkomitees „Ja zu Meerbusch“, Kurt Schindlauer und Herbert Jacobs und der damalige Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Klose zu nennen.

Haben Sie auch persönliche Erinnerungen an diese Zeit?

Mielke-Westerlage Ich habe den „Kampf um Meerbusch“ als junge Auszubildende in der Stadtverwaltung „live“ miterlebt: An meinem 21. Geburtstag fand eine große Party auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz statt, weil das Verfassungsgericht in Münster der Beschwerde der Stadt gegen das Neugliederungsgesetz stattgegeben hatte. Die Menschen lagen sich jubelnd in den Armen.

Die Eingemeindungsbestrebungen waren aber damit nicht vom Tisch, oder?

Mielke-Westerlage Leider nicht. Schon ein Jahr später, 1976, startete das Land eine neue Gesetzes-Initiative. Der damalige Innenminister Burkhard Hirsch kam im März zu einem Erörterungstermin nach Meerbusch und wurde am Meerbusch-Gymnasium von hunderten Demonstranten empfangen. Die Geschlossenheit der vielen Meerbuscher im Kampf um den Erhalt der noch jungen Stadt hat zweifellos mit dafür gesorgt, dass das Gesetzesvorhaben keinen Erfolg hatte. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von zwei Stimmen haben wir überlebt. Und ich muss sagen, der Kampfgeist von damals steht uns auch heute noch gut zu Gesicht.

Das „besondere Kennzeichen“ von Meerbusch ist ja, dass es aus acht Stadtteilen besteht. Die einen sind mehr nach Düsseldorf, die anderen mehr nach Krefeld orientiert. War das schon damals so? Hat sich da was in den Jahrzehnten geändert?

Mielke-Westerlage Ein gesundes Stadtteildenken, das es ja auch bei uns nach wie vor gibt, ist eine ganz normale Sache. Das gibt es in großen wie in kleinen Städten. Entscheidend aber ist, dass wir, wenn es „ernst“ wird, selbstbewusst gemeinsam die Meerbusch-Fahne hochhalten. Ich glaube, das funktioniert auch heute in der Praxis sehr gut. Gerade in jüngster Zeit sind viele Neubürger zu uns nach Meerbusch gezogen, die die Vorgeschichte der Stadt kaum kennen. Sie wählen einen Stadtteil zum Wohnen und Leben aus, sie verstehen sich aber automatisch als Meerbuscher. Das gilt ebenso auch für unsere junge Generation, die ganz selbstverständlich über Stadtteilgrenzen hinaus schaut.

Müsste nicht beim Rückblick auf 50 Jahre – und natürlich mit dem Blick in die Zukunft – das gemeinschaftliche Gefühl von Meerbusch, das sogenannte Wir-Gefühl einer Stadt vermittelt werden?

Mielke-Westerlage Man kann Wir-Gefühl nicht verordnen, man kann es aber mit positiven Signalen wecken. Genau das wollen wir tun. Ein Stadtgeburtstag ist dazu ideal. So ein Festjahr stärkt das Wir-Gefühl und demonstriert städtisches Selbstbewusstsein. Mit 50 Jahren ist unser Meerbusch eine sehr junge Stadt. Das Jubiläum hat damit naturgemäß keine echte historische Dimension – obwohl die Wurzeln der einzelnen Stadtteile bekanntlich viel älter sind. Wir haben in 50 Jahren Meerbusch viel erreicht, auf das wir stolz sein dürfen. Die Menschen leben gerne hier und fühlen sich wohl. Ich denke, das ist das beste Kompliment.

Zu den konkreten Plänen: Wie weit steht die Silvesterparty schon? Können Sie uns Details zum Ablauf verraten? Ticketpreise, Vorverkauf...

Mielke-Westerlage Die Silvester-Party ist weitgehend durchgeplant, durch Sponsorenmittel bleibt der städtische Haushalt weitestgehend unbelastet. Wir beginnen zeitnah nach den Sommerferien mit Werbung und Ticketvorverkauf. Die Eintrittskarten werden wir über die Agentur Westticket anbieten. So kann sich jeder im Internet problemlos seinen Wunschplatz sichern.

Wo wird gefeiert?

Mielke-Westerlage Wir werden in einem Festzelt für 500 bis 600 Besucher auf dem Lampenscherf-Platz in Osterath feiern. Der Standort ist gut zu erreichen und als Festplatz mit guter Lage, Anbindung und Infrastruktur erprobt. Den Eintrittspreis haben wir passend zum Jubiläumsjahr auf 50 Euro festgelegt. Dafür wird ein toller Abend mit gutem Essen und viel Musik geboten. Als Reminiszenz an die 1970er Jahre haben wir die ABBA-Tribute-Band „ABBA da Capo“ verpflichtet. Ich bin sicher, damit treffen wir einen breiten Musikgeschmack. Dazu wird ein DJ für Stimmung auf der Tanzfläche sorgen.

Welche weiteren Veranstaltungen sind im Jahr 2020 denkbar?

Mielke-Westerlage Die Stadtgründung wurde mit Inkrafttreten des Kommunalen Neugliederungsgesetzes am 1. Januar 1970 Realität. Deshalb bringt die Silvester-Party den Höhepunkt gleich zu Jahresbeginn. Mein Wunsch ist es, das Jubiläum danach wie einen roten Faden durch den Jahreskalender zu ziehen. Voraussichtlich im Mai wird es einen Festakt geben. Mit Marketing-Aktionen, Wettbewerben, Vorträgen und vielen kleineren „Gimmicks“ wollen wir das Jubiläum dann das ganze Jahr über im Bewusstsein der Meerbuscher präsent halten. Details werden wir nach und nach verraten.

Wie kann man sich an den Feierlichkeiten beteiligen?

Foto: FOTOS: Stadt Meerbusch / Sandra Sperlinger, Thomas Zelger | GRAFIK: FERL

Mielke-Westerlage Wir haben den heimischen Vereinen angeboten, sich mit eigenen Ideen einzubringen oder bereits bestehende Veranstaltungen im Jahreskalender unter das „Dach“ des Stadtgeburtstags zu holen. Die Resonanz ist positiv. Ich hoffe, dass sich noch weitere Interessierte melden. Auch auf Kitas und Schulen werden wir noch zukommen. Wer etwas Schönes oder Pfiffiges zum Stadtjubiläum beisteuern möchte, kann sich jederzeit mit meinem Büro in Verbindung setzen.

Mehr von RP ONLINE