Meerbusch: Villa Jansen bald unter Denkmalschutz?

Entscheidung im Kulturausschuss : Villa Jansen soll ein Denkmal werden

Ein Investor will das Haus, das 1919 im Auftrag der Westdeutschen Celluloidwerke gebaut wurde, abreißen und dort ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage bauen. Die Verwaltung geht davon aus, dass er nun gegen das Gutachten klagt.

Luise Hähnlein erinnert sich gerne an ihre Nachbarn. Man schaute gegenseitig nach dem Rechten, wenn der andere verreist war, und hielt dann und wann ein Schwätzchen am Gartentor. Jahrelang lebten Reinhard und Sabine Jansen nebenan in der prächtigen Villa. Schon zuvor war das Haus an der Claudiusstraße 27 in Lank über Generationen im Besitz der Familie gewesen. Die Alteingesessenen nennen es deshalb nur die „Villa Jansen“. Nun soll das geschichtsträchtige Gebäude als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Meerbusch eingetragen werden. Am Mittwoch wird der dafür zuständige Kulturausschuss darüber abstimmen. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Politiker der Beschlussvorlage zustimmen werden.

Zur Holztüre mit Fenster führen Natursteintreppen samt Metallgeländer. Foto: Verena Bretz

Das wäre wohl auch im Sinne der ehemaligen Besitzer. Denn obwohl die Eheleute Jansen die Villa vor einiger Zeit verkauft haben, hätte Reinhard Jansen stets die Vorstellung gehabt, dass das Haus erhalten bliebe, erinnert sich Luise Hähnlein. Anfang Dezember vergangenen Jahres ist Reinhard Jansen gestorben, seine Witwe bald darauf ausgezogen. Bereits im Februar hatte der neue Eigentümer, der die Villa Jansen abreißen und dort ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage bauen will, mehrere alte Bäume auf dem rund 3500 Quadratmeter großen Grundstück gefällt. „So ein Frevel, das waren uralte, wunderschöne Bäume“, erzählt Luise Hähnlein. „Die Vögel und Eichhörnchen hatten plötzlich kein Zuhause mehr und waren ganz verwirrt.“ Sie wünscht sich, ebenso wie ihre Nachbarn, dass die Villa erhalten bleibt und geht davon aus, dass der Kulturausschuss das genauso sieht.

Die Fassade gliedert sich in drei Achsen. Der mittlere Vorbau wird im Obergeschoss als Balkon genutzt. Der Haupteingang hat ein kleines Vordach. Foto: Verena Bretz

Auch der Heimatkreis Lank begrüßt die neue Entwicklung rund um die historische Villa. „Wir als Heimatkreis und ich als Ratsherr freuen uns sehr, dass die Villa Jansen unter Denkmalschutz gestellt werden soll“, sagt Heimatkreis-Vorsitzender Franz-Josef Jürgens. Dennoch mahnt er: „Wir warten ab, wie sich die Geschichte weiter entwickelt.“ Denn er gehe davon aus, „dass der Investor sich gegen das Gutachten wehren und die Sache wohl noch eine ganze Zeit weitergehen wird“. Ähnliches vermutet auch Technischer Beigeordneter Michael Assenmacher. Er erklärt den Ablauf: „Der Kulturausschuss wird über die Beschlussvorlage abstimmen.“ Wenn die Ausschussmitglieder sich dafür entscheiden, wird die Stadt dem Investor diese Entscheidung mitteilen. Assenmacher: „Wir gehen davon aus, dass er klagen wird.“ Dass für die Villa ein sogenannter Denkmalverdacht besteht, hatte sich „im Zuge der Prüfung der Abrissanzeige der Villa“ durch den Investor herausgestellt. Ein Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland vom 23. April hat diesen „Verdacht“ nun bestätigt. Fachleute haben festgestellt, dass die Villa Jansen als Baudenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes NRW gilt. In dem Gutachten heißt es: „An seiner Erhaltung und Nutzung besteht ein öffentliches Interesse, denn es ist bedeutend für die Geschichte des Menschen. Für seine Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architekturhistorische Gründe vor.“

Das zweigeschossige Wohnhaus mit Walmdach wurde 1919 im Auftrag der Westdeutschen Celluloidwerke Lank-Latum errichtet. Bedauerlicherweise seien nur wenige Archivalien erhalten, die die Baugeschichte dokumentierten, heißt es in dem Gutachten. Eine vollständige Bauakte war bislang nicht aufzufinden. Im Schutzumfang enthalten sei die Villa „in Substanz, Konstruktion und Erscheinungsbild innen und außen“. Zur denkmalwerten Ausstattung gehören beispielsweise historische Wandfliesen in Küche und Bad, Stuck im Erdgeschoss, Sockelleisten aus Holz, eine hölzerne Treppe mit gedrechselten Rundstäben sowie eine historische Wasserpumpe und ein Waschzuber im Keller. Nicht im Schutzumfang sind die umgebende Grünfläche und die Garage im hinteren Bereich.

Auch im Planungsausschuss (6. Juni) und im Rat (27. Juni) ist die Villa Jansen indirekt Thema. Denn dort diskutieren die Politiker einen Bebauungsplan Uerdinger Straße/Claudiusstraße/Schulstraße, in dessen Bereich sich auch das Grundstück Claudiusstraße 27 befindet. Demnach soll der Rat beschließen, den Bebauungsplan „im beschleunigten Verfahren“ aufzustellen. Mit dem Ziel, „die kleinteiligen Bestandsstrukturen in diesem Bereich zu sichern und weiter zu entwickeln“. Eine massive Bebauung der Grundstücke sei städtebaulich nicht gewünscht, ein Mehrfamilienhaus, wie es der Investor plant, entspreche nicht der heute gewollten städtebaulichen Entwicklung, heißt es in der Beschlussvorlage. Und weiter: „Das Umfeld ist durch kleinteilige, in sich gegliederte Bestandsbebauung geprägt. Ein Gebäude in diesem Ausmaß würde dem städtebaulichen Charakter der Claudiusstraße widersprechen.“

Franz-Josef Jürgens sagt: „Möglicherweise könnte der Investor dann auf diesem Grundstück nur in einem gewissen Bereich bauen. Aber wie Planungsausschuss und Rat entscheiden werden, ist völlig offen.“

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