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Meerbusch: Vier Schüler bei Nachwuchskünstler-Projekt von VHS

Kultur in Meerbusch : Vier Nachwuchskünstler stellen ihre Werte dar

Schüler des Städtischen Meerbusch-Gymnasiums arbeiten gemeinsam mit Künstlerin Michaela Kura am Kunstprojekt der VHS zum Thema „Wider den Werteverfall“. Die Ausstellung ist nach den Sommerferien geplant – noch ist aber unklar, ob digital oder live vor Ort.

Mit acht Wochen Corona-bedingter Verspätung ist das Kunstprojekt der VHS Meerbusch in diesem Jahr zum zweiten Mal gestartet. Unter dem Thema „Wider den Werteverfall – was zählt wirklich?“ setzen sich vier Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren mit ihren Werten auseinander und entwickeln Ideen zur künstlerischen Darstellung. Unterstützt und angeleitet werden sie dabei von der Meerbuscher Künstlerin Michaela Kura. Gefördert wird das Nachwuchsprojekt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die vier teilnehmenden Schüler sind Assana Ansari Khaledi, Emma Hülsemann, Zara Dogan und Matteo Heekeren vom SMG. „Das Thema hat mich direkt angesprochen. Es geht darum, was uns in der heutigen Gesellschaft wichtig ist. Mir war es wichtig, meine Meinung zu präsentieren und darzustellen“, sagt Zara Dogan (17). Matteo Heekeren (15) erklärt seine Entscheidung: „Ich bin künstlerisch interessiert, mich hat der Gedanke gereizt an einem Projekt teilzunehmen und etwas auszustellen. Für mich ist es eine Möglichkeit, außerhalb der Schule Kunst zu machen und neue Menschen kennen zu lernen.“ Beide haben zum ersten Mal an solch einem Projekt teilgenommen und sind begeistert.

An elf Präsenzterminen am Wochenende arbeiten die Schüler an vier Stunden pro Tag gemeinsam im VHS-Haus in Osterath gemäß Hygieneplan. Das Projekt hätte bereits am 20. März starten sollen, machte dann aber aus bekannten Gründen die „Zwangspause“, in der die Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 online mit Arbeitsmaterial versorgt wurden. Die 20 Aufgaben von Michaela Kura haben geholfen sich zunächst intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. So konnte das Team bereits in der ersten Sitzung am 15. Mai richtig loslegen. Dazu haben die Jugendlichen einen Leitfaden erhalten, an dem sie sich orientieren konnten. In der Ideenentwicklung und Umsetzung waren sie frei und wurden nicht beeinflusst.

Zara Dogan hat sich für den Wert der Toleranz entschieden und ihn mit dem Glauben innerhalb der Gesellschaft verbunden. „In Deutschland lernt man so viele verschiedene Ansichten und Glaubensrichtung kennen, dass man sich damit auseinandersetzen sollte. Man muss sich damit nicht identifizieren, aber man sollte sie respektieren“, sagt Dogan. Dargestellt sind diese Werte anhand eines Baums: Es gibt sechs Wurzeln für je einen Glauben – die fünf Weltreligionen plus den Atheismus. „Für mich ist das der Glaube, dass man nicht an einen Gott glaubt“, sagt Dogan. Die Wurzeln führen zusammen zu einem kräftigen Stamm, der den Wert der Toleranz darstellt.

Matteo Heekeren stellt die Werte Respekt und Gleichberechtigung anhand einer Rose dar, die aus einem Blumentopf wächst. „In dieser Rose verdeutliche ich meine Werte“, sagt Heekeren. Die übrigen Teilnehmerinnen setzen sich mit den Werten Meinungsfreiheit und Frieden auseinander. „Durch die Beschäftigung ist einem jetzt erst deutlich geworden, dass sich Werte mit der Zeit verändern und sie kulturell unterschiedlich sind“, sagt Matteo Heekeren. Genau das gefalle ihm an Kunst: „Kunst spricht zu einer bestimmten Zeit Konflikte an, beobachtet diese aber auch über diese Zeit hinweg.“

Mit Michaela Kura kommt eine erfahrene Expertin an die Seite der Schüler. „Frau Kura ist sehr offen und sympathisch und bringt uns das Arbeiten mit Materialen bei, weil wir sehr unerfahren sind“, sagt Matteo Heekeren. Zara Dogan fügt hinzu: „Sie hat uns geholfen weiterzukommen, aber hat sich selber nicht eingemischt oder gewertet. Ich hätte zum Beispiel niemals gedacht, dass man Strümpfe mit Zeitungspapier stopfen kann, um die Wurzeln meines Baumes darzustellen.“ So lege Kura auch großen Wert darauf, einige Materialien wie Pappmaschee selbst herzustellen, damit die Nachwuchskünstler verstehen, womit sie arbeiten. Nach einem Monat intensiver Zusammenarbeit und viel gemeinsamem Lachen, werden die Skulpturen an diesem Wochenende kurz vor Beginn der Sommerferien in den letzten drei Sitzungen fertiggestellt. „Als Gruppe wächst man zusammen. Es ist großartig, die Werte von den anderen kennenzulernen und ihren Prozess zu begleiten, wie sie sie darstellen wollen“, sagt Zara Dogan begeistert. „Ich würde es wieder machen“, bestätigt Matteo Heekeren.

Ob die Ausstellung unter Corona-Bedingungen nach den Sommerferien stattfinden wird, oder ob man möglicherweise in den virtuellen Raum ausweichen muss, ist noch unklar. „Ich würde mir eine normale Ausstellung wünschen, weil ich Wert darauflege, dass jeder Mensch persönlich vor Ort die Objekte beobachten kann“, sagt Matteo Heekeren. „Ich hoffe, dass so viele wie möglich kommen können. Denn alle unsere Werte repräsentieren Meerbusch sehr schön“, findet Zara Dogan.