Brauchtum in Meerbusch Uwe Henze holt in Lank den Vogel runter

Lank-Latum · Zum anstehenden 550-jährigen Jubiläum der Sebastianus-Bruderschaft Lank-Latum feierten die Schützen ihren neuen König. Die Band „FarbTon“ sorgte im Zelt für beste Stimmung.

Uwe Henze (Mitte) ist Teil der Kompanie der Schill'sche Offiziere und trägt nun das Schützensilber.

Uwe Henze (Mitte) ist Teil der Kompanie der Schill'sche Offiziere und trägt nun das Schützensilber.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Uwe Henze ist der Jubiläumskönig der St. Sebastianus-Bruderschaft Lank-Latum. Auf dem Schützenplatz kocht die Stimmung, denn der Schillsche Offizier ist beliebt und teilt seine tiefe Freude über den gelungenen Schuss auf den stolzen Holzadler über das ganze Gesicht lachend der jubelnden Menge mit. Damit hat Lank Latum zum anstehenden 550-jährigen Jubiläum nun sogar zwei Könige, denn Markus Reiners gab zwar das Lanker Schützensilber weiter, der Kapitän der Marinekompanie bleibt natürlich weiterhin Stadtschützenkönig.

Der 50-jährige Monarch Uwe Henze ist bereits seit 1991 Schütze und seit einigen Jahren als zweiter Schatzmeister auch für die Finanzen der Bruderschaft mitverantwortlich. Praktischerweise ist der gebürtige Lanker beruflich Leiter der Entgeldabrechnung eines Unternehmens. An der Seite des frischgebackenen Königs nahm Ehefrau Christiane erstmals an der Residenz, die nur einen Steinwurf vom Festplatz entfernt liegt, strahlend die Front des Schützenregimentes ab. Für die Versicherungskauffrau ist das kein fremdes Terrain. Sie war 1986 in Strümp Hofdame bei ihren Eltern Georg und Christel Ziebarth.

Zum Kriegsminister hat Henze zur Freude der rebellischen Freischar Björn Froning von den Freischützen bestellt. Seit gestern bereitet sich der Kaufmännische Angestellte angeblich schon auf den erwarteten Aufstand vor, denn in den zehn Jahren seines Schützenlebens hat der 43-Jährige immerhin schon fünfmal die Barrikadenkämpfe beobachten können, an denen sein Schwiegervater Klaus Stüttgen als Freischärler nicht unwesentlich beteiligt gewesen ist. An der Seite des 43 Jahre alten Kriegsministers steht Ehefrau Nicole, die selbst 16 Jahre beim Bundesspielmannszug dafür gesorgt hat, dass die Schützen in den Gleichschritt finden.

Als Finanzminister hat Henze seinen Kompaniekameraden Thomas Nauen (58) ins Kabinett berufen. Der selbstständige Malermeister ist fast solange Schütze wie sein König und hält mit Ehefrau Katrin nicht nur die Kasse des Königshauses im Auge, sondern auch den Spaßfaktor. Der war mit der Band „FarbTon“ schon am ersten Abend der Regentschaft gegeben, jedenfalls war bei den Gästen im Zelt an der Theke und auf der Tanzfläche beste Stimmung.

Vervollständigt wird das neue Königshaus durch Ordonnanzoffizier Jörg Zimmermann. Der 44-jährige Wirtschaftsprüfer gehört den Roten Husaren, die wie die Königskompanie ursprünglich aus dem Sportverein Treudeutsch Lank hervorgegangen ist, seit fast 30 Jahren an.

Kurz bevor am Samstag der Königsvogel gefallen ist, konnte übrigens Frederik Stein den Prinzenvogel zur Erde schicken. Gegen große Konkurrenz setzte sich der 24-jährige Freischütze durch und ließ seine Kompanie früher als erwartet jubeln. Der Student und Kellner ist seit sechs Jahren Schützenbruder und nutzte die letzte Chance, diese Trophäe zu erringen. Mit dem 25. Geburtstag endet nämlich die Zeit als Jungschütze. Der „Schütze aus Leidenschaft“ marschierte am Samstag zusammen mit Hofdame Mara Jeschke auf, denn eine Prinzessin hat der junge Mann noch nicht an seiner Seite. Er ist aber zuversichlich: „Die kommt noch!“ Als zweite Hofdame musste Madita Wolters, den Schützenzug diesmal allerdings noch vom Straßenrand beobachten. Eine Beinverletzung hinderte sie daran, mit dem Königshaus aufzulaufen.

Im Festzelt nutzte Brudermeister Jürgen Santen die Gelegenheit, verdiente Schützen auszuzeichnen. Der Kompanieführer der Grünen Husaren, Michael Müller, und der Freischütze Ralf Schmidt erhielten für ihren langjährigen Einsatz im Regimentsstab den hohen Bruderschaftorden.

Außergewöhnlich war auch die Jubilarehrung. Dietmar Neukirchen von der Marinekompanie war zwar erst im vorigen Jahr für 50-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet worden, jetzt aber hatten Recherchen ergeben, dass dem Matrosen sogar für 60 Jahre Mitgliedschaft im Bezirksverband Krefeld-Willich-Meerbusch und der Sebastianus-Bruderschaft Neersen nur ein Jahr später der entsprechende Jubelorden und der Ehrenbrief verliehen werden konnte. Ebenfalls auf sechs Jahrzehnte im Schützenwesen kann der Spielmann Wolfgang Schmidt zurückblicken, während die Freischützen Lothar Kanschik und Karl-Heinz Küppers für ein halbes Jahrhundert geehrt wurden. Für sagenhafte 70 Jahre bejubelten die Schützen die Freischarlegende Franz-Josef Prossegger besonders herzlich.

Als erfolgreiche Pfänderschützen wurden noch am Schießplatz Cedric Gesse (Freischar, Linker Flügel), Fabian Wiemann (Edelweiß, Rechter Flügel), Till Schackau (Marine, Kopf) und Lukas Kasprowicz (Sappeute, Stoß) ausgezeichnet.