1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch und Krefeld: Ärger wegen Hafenerschließung

Verkehr : Meerbusch will keinen Hafenverkehr

Die CDU-Fraktion schlägt vor, dass die Stadt Krefeld eine zweite Erschließungsstraße auf eigenem Stadtgebiet baut. Im Planungsausschuss stellt sie einen entsprechenden Antrag. Krefeld hält das derzeit für „nicht zwingend nötig“.

Der Krefelder Hafen wächst: Das Gaslager ist im Bau, ebenso die Getreidemühle, die wohl schon im Herbst in Betrieb geht. Außerdem werden immer mehr Hallen an Logistikfirmen vermietet. Das Problem dieses massiven Ausbaus: Je größer der Hafen wird, desto mehr Verkehr gibt es. „Und das geht seit Jahren zu Lasten der Meerbuscher Bürger“, sagt CDU-Ratsherr Hans-Werner Schoenauer.

Seine Fraktion fordert deshalb im nächsten Ausschuss für Planung und Liegenschaften (Do., 12. März, 17 Uhr, Bürgerhaus, Wittenberger Straße 21 in Lank-Latum) den Rat der Stadt Krefeld auf, eine Süderschließung des Hafens auf Krefelder Stadtgebiet zu realisieren. „Wir gehen davon aus, dass unser Antrag im Planungsausschuss einstimmig durchgeht“, sagt Schoenauer. Wenn dann später auch noch der Rat der Stadt zustimmt, würde die Meerbuscher Verwaltung den enstprechenden Beschluss den Krefelder Kollegen mitteilen. „Wir versprechen uns davon, dass Krefeld endlich handelt, wenn wir mit einem Ratsbeschluss Druck machen“, sagt der Politiker. Denn bislang sei seiner Meinung nach von Krefelder Seite zu wenig gekommen. „Obwohl es offensichtlich ist, dass die Erschließung des Hafens über das vorhandene Straßennetz ausschließlich über die Nordanbindung längst nicht mehr ausreicht.“

Hans-Werner Schoenauer erklärt: „Die Planungshoheit liegt in der Kompetenz der jeweiligen Kommune. Jede Kommune ist für die von ihr durch Siedlungspolitik entstehenden Verkehre zuständig.“ Heißt: Die Stadt Krefeld müsse das Verkehrsproblem auf eigenem Stadtgebiet in Eigenregie und auf eigene Kosten lösen. „Wir haben aber das Gefühl, dass Krefeld uns Meerbuscher seit Jahren nicht ernst nimmt“, so sein Vorwurf. „Immer, wenn Lösungen auf dem Tisch lagen, die beinhalteten, dass sich auf Krefelder Gebiet etwas verändert, wurden diese abgelehnt.“ Es könne aber nicht sein, dass die Nachbarstadt in ihrem Hafen eine expansive Gewerbeansiedlungspolitik betreibe und dabei billigend in Kauf nehme, dass die zusätzlichen Lastwagen sich ihren Weg durch Meerbusch suchten. Er betont: „Wir brauchen eine zusätzliche Erschließungsstraße im Süden.“

Und die Meerbuscher CDU-Fraktion hat auch bereits eine Idee, wo eine mögliche Trasse verlaufen könnte: Denkbar wäre auf Krefelder Stadtgebiet ein Korridor nördlich des Naturschutzgebiets Latumer Bruch mit Anschluss an die A 57 im Bereich der Anschlussstelle Krefeld-Oppum. Fraglich ist, was die Mitglieder des Krefelder Golfclubs dazu sagen würden, die derzeit vom Platz auf unberührte Natur schauen können. Zudem müsste unmittelbar vor dem Anschluss an die Autobahn ein Streifen des Naturschutzgebiets Latumer Bruch durchschnitten werden. „Aber dabei handelt es sich um einen schmalen Streifen“, so Schoenauer. „Die Belastung wäre gering. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass in früheren Planungen der Stadt Krefeld, die Meerbuscher Stadtgebiet betrafen, die beiden Naturschutzgebiete Latumer Bruch und Bursbach deutlich mehr angegriffen wurden.“

Im derzeit gültigen Regionalplan wurde diese südliche Trasse über Meerbuscher Gebiet allerdings gestrichen. Schoenauer: „Aber jahrelang hat Krefeld versucht, unser Gebiet zu okkupieren. Glücklicherweise erfolglos.“ Auch wenn sich das ziemlich kämpferisch anhört, betont der Meerbuscher Ratsherr: „Wir wollen den Krefeldern keine Ratschläge erteilen, das steht uns nicht zu. Aber wir haben den Eindruck, dass die sich weigern, überhaupt über unseren Vorschlag nachzudenken. So geht es nicht.“

Dazu sagt Jürgen Hengst, Mitglied im Aufsichtsrat des Krefelder Hafens sowie stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD Krefeld und dort zuständig für den Bereich Planung: „Alle Versuche, die wir gestartet haben, um gemeinsam eine vernünftige Anschlusslösung für den Hafen zu entwickeln, waren nicht erfolgreich. Meiner Meinung nach ist aber die einzig sinnvolle Möglichkeit, dass die Städte Meerbusch und Krefeld sich einigen.“ Auch die Krefelder litten unter viel Verkehr, sagt der Krefelder Ratsherr. „Aber eine zweite Erschließung des Hafens ist zum jetzigen Zeitpunkt und für den aktuellen Bedarf nicht zwingend nötig.“ Er gibt aber zu: „Eine bessere Anbindung ist immer gut.“

Zuletzt habe die Stadt Krefeld viel getan, um den Verkehr besser fließen zu lassen. Etwa mit dem Bau des Kreisverkehrs Floßstraße, der seit November fertig ist, und mit dem Ausbau der Uerdinger Brücke. „Wir tun alles, was in unseren Möglichkeiten liegt. Aber letztlich geht es nur zusammen mit Meerbusch.“