Neue Präsidentin in Meerbusch Svea Kordt will Soroptimistinnen nach Corona-Pause vereinen

Meerbusch · Svea Kordt ist Chefin der Meerbuscher Soroptimistinnen. Der Club unterstützt beispielsweise ein Frauenhaus und finanziert neuerdings auch Schwimmkurse für Kinder.

 Die neue Präsidentin der Soroptimistinnen Svea Kordt (l.) bekam von ihrer Vorgängerin Lisa Günther die symbolische Glocke überreicht. 

Die neue Präsidentin der Soroptimistinnen Svea Kordt (l.) bekam von ihrer Vorgängerin Lisa Günther die symbolische Glocke überreicht. 

Foto: Jana Schütt

Seit Jahresbeginn ist Svea Kordt die neu gewählte Präsidentin des Meerbuscher Clubs Soroptimist International. Ein Ehrenamt, das in dem globalen Netzwerk berufstätiger Frauen stets für zwei Jahre ausgeübt wird. Das klingt nach einer kurzen Spanne. Sinnvoll oder eher einengend? „Ich glaube schon, dass dieser Rhythmus gut ist“, antwortet Svea Kordt. „Er verhindert ein zu langes Kleben am Amt. In dieser Zeit hat man ausreichend Gelegenheit, eigene Schwerpunkte zu setzen und weiterzugeben. Es ist ja nicht so, dass alles beiseitegeschoben wird, was die Vorgängerin angefangen hat.“ So war es auch bei ihr, als sie die Präsidentschaft von Lisa Günther übernahm. Bestimmte Projekte laufen auf internationaler und regionaler Ebene weiter. Dazu gehören etwa das „Deutsch-Café“ im Awo-Mütterzentrum in Büderich oder der Einsatz für Frauenbildung, der nachhaltige „Orange Day“, die Initiative „Meerbusch goes Future.“

Aber natürlich sei jede Präsidentin bestrebt, ihre persönlich motivierten Akzente zu setzen, sagt Kordt: „Das hängt oft auch mit dem Alter und der eigenen Geschichte zusammen.“ Für sie stehe im Vordergrund, den Club nach der langen Corona-Zwangspause wieder zu vereinen. Deshalb wählte sie das Motto „Zusammenhalt und Aufbruch.“ 2023 gab es zum ersten Mal die monatlichen Sitzungen wieder in Präsenz. „Wenn man sich nicht regelmäßig trifft, geht viel verloren“, so Kordt. „Eine Zoom-Konferenz ist immer nur ein Notbehelf, für tiefer gehende Gespräche oder auch Entscheidungen muss man sich in die Augen sehen und sich auseinandersetzen.“ Die Präsidentin (54) ist ein Profi in Sachen Kommunikation. Nach ihrem Studium von Anglistik und Germanistik war die gebürtige Meerbuscherin 15 Jahre Pressereferentin bei Karstadt. Nach der Insolvenz des Warenhauses verantwortete sie die Öffentlichkeitsarbeit beim Augenoptiker-Verband NRW. Vor vier Jahren wechselte Kordt nach Düsseldorf zum Shoppingsender QVC, leitet dort die interne Kommunikation für Deutschland, Großbritannien, Italien und Polen.

Mit 35 Frauen sei der seit zwölf Jahren bestehende Meerbuscher Club zahlenmäßig und organisatorisch gut aufgestellt. Bei einer Altersquote zwischen 40 und 60 Jahren sei allerdings ein wenig „junges Blut“ willkommen, meint die Präsidentin. Obwohl sie versteht, wenn Frauen mit kleinen Kindern und dazu noch in einem fordernden Beruf sich wegen anderer Prioritäten diese Zeit nicht freihalten können. So ähnlich ging es der dreifachen Mutter früher auch. In Sprockhövel, wo sie lange lebte, gab es außerdem gar keinen Club. Ihr Interesse für die Aktivitäten von Soroptimist International war aber schon damals geweckt worden, Einblicke hatte ihr über Jahre im Sommerurlaub eine Freundin in Frankreich vermittelt.

2018 änderten sich die Bedingungen. Mit ihrer Familie zog Svea Kordt zurück nach Meerbusch. „Ein Neuanfang. Ich musste schauen, wie komme ich zurecht, wie kann ich nach all den Jahren neue Kontakte knüpfen?“, erzählt sie. Mit größeren Kindern wie bei ihr (24, 21, 16 Jahre alt) sei das nicht mehr so leicht. Da schien ihr Soroptimist International eine schöne Perspektive zu bieten. „Ich habe mich sofort wohl gefühlt und den Beitritt als Bereicherung empfunden“, sagt sie. „Man trifft interessante und meinungsfreudige Frauen, alle sind engagiert und gut vernetzt. Die Bandbreite der Berufe, die bei uns vertreten sind, ermöglichen einen vielfältigen Austausch und spannende Diskussionen.“

Nun macht es aber einen Unterschied, sich lebhaft zu beteiligen oder die nächste Stufe zu erklimmen und sich als Präsidentin zur Verfügung zu stellen. „Ich hatte mir das reiflich überlegt“, sagt sie. „Schaffe ich das in meiner Freizeit, welche Pflichten kommen auf mich zu? Ich war dann bereit, diese Verantwortung zu übernehmen.“ Allerdings gelinge ein erfüllendes Clubleben nur mit einem tollen Vorstand, fügt sie hinzu. Die Projekte verteilen sich auf mehrere Schultern, auch Programmdirektorin und Schatzmeisterin ziehen tatkräftig mit. Die Treffen an jedem ersten Mittwoch im Monat orientieren sich jeweils an einem Thema, gestaltet von Expertinnen aus den eigenen Reihen oder von außen. Auch hier herrscht Vielfalt: Das kann eine Autorenlesung sein, die Geschichte des Bauhauses, die Pflege des Gartens, die Aufklärung über Brustkrebs-Therapien oder Klimaziele. Das Motto von Soroptimist International schwingt dabei stets mit: „Bewusst machen, bekennen, bewegen.“

Das Aufbringen von dringend benötigten Spenden ist eine der wichtigen Aufgaben. „Ein Irrglaube, in Meerbusch seien alle reich“, sagt Kordt. Der Club unterstützt beispielsweise ein Frauenhaus und finanziert neuerdings auch Schwimmkurse für Kinder. „Die Schulen können das nicht leisten, die Eltern oft auch nicht. Wer soll das dann machen? Unser Ehrgeiz ist es, jährlich 20 bis 40 Kinder bis zum Seepferdchen zu bringen.“ Die lokale Arbeit sei für den Club so bedeutend wie die großen Projekte, die in dem weltumspannenden Netzwerk umgesetzt werden. „Aber gut, dass wir dieses Dach haben, wir profitieren davon. Dahinter steckt eine in 100 Jahren gewonnene Professionalität mit Durchschlagskraft und Qualität.“