Meerbusch: Städtepartnerschaft mit Frankreich

Serie 50 Jahre Städtepartnerschaft : Mit Rillettes und Wein nach Meerbusch

Bis morgen bleiben 168 Franzosen aus Fouesnant in Meerbusch und feiern das 50-jährige Bestehen der Freundschaft zwischen beiden Städten. Heute findet der offizielle Festakt, morgen ein großes Bürgerfest in Lank-Latum statt.

Die mehr als 15-stündige Busfahrt von Fouesnant nach Lank-Latum war schnell vergessen. Denn die Gastgeber begrüßten ihre Freunde aus der Partnerstadt am Donnerstagabend in der Realschule Osterath so überschwänglich, dass nur noch die Freude über das Wiedersehen überwog. Schnell fanden sich Gastgeber und ihre Gäste auf Zeit zusammen, knapp 100 trafen sich dann noch, um im Garten von Familie Pricken auf das 50-jährige Bestehen der Städtefreundschaft anzustoßen. Gestern dann der offizielle Start in das Jubiläumsprogramm, das die Stadt Meerbusch unter Organisation von Björn Kerkmann gemeinsam mit dem Jumelage-Komitee auf die Beine stellte.

Einige Gruppen wurden in Düsseldorf durch den WDR geführt, andere durch den Landtag, wieder andere durch die Kunstsammlung. Mittags kamen dann alle, Franzosen und Deutsche, unterhalb des Rheinturms zusammen, um sich bei Kartoffelsuppe und Rhabarberschorle und dem einen oder anderen Glas Wein zu stärken.

Mit dabei ein ganz besonderes Pärchen: Petra Brangs und Gildas Cornec sind das erste und bislang einzige Liebespaar, das sich durch die Städtefreundschaft gefunden hat. Petra, Schwester von Gabi Pricken, der Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees, war eigentlich nicht mehr aktiv im deutsch-französischen Austausch. Zum 40. Jahrestag aber kam sie mit an den Fouesnantplatz nach Strümp und begrüße die ankommenden Franzosen. Unter ihnen auch Gildas. Die beiden lernten sich kennen, trafen sich über die nächsten Jahre immer wieder, bis es irgendwann funkte und aus ihnen ein Paar wurde. Mit dem Ergebnis, dass Petra vor drei Jahren all ihre Zelte im Rheinland abbrach, ihren Job bei der Sparkasse kündigte, einen neuen in Fouesnant antrat und zu ihrer neuen Liebe Gildas in die Bretagne zog. Ihre beiden Töchter und seine drei Kinder gehören mittlerweile zur großen deutsch-französischen Familie, die sich vor allem bei den gemeinsamen Treffen in der Pfalz begegnen. "Und Weihnachten sind wir aber immer in Meerbusch", erzählt Petra Brangs. Wenn sie eins in ihrer neuen Heimat vermisse, sei das die Vorweihnachtszeit. "Und Gildas liebt es, über die deutschen Weihnachtsmärkte zu gehen." Freunde haben auch Gisela und Werner Damblon wieder getroffen: Die beiden sind Gastgeber von Marcel und Dominique Hemon und kümmern sich um die Franzosen, die nicht viel Deutsch sprechen oder verstehen. "Aber mit dem Google-Übersetzer klappt das alles gut", greift Werner Damblon schnell zum Handy und spricht den nächsten Satz mit seinen Gästen.

Martha Krumbiegel, 17-jährige Schülerin der Maria-Montessori-Gesamtschule, freut sich schon, im Sommer die Schwestern Lucile (21) und Clarisse (24) wieder zutreffen. Denn Martha geht als Au-pair-Mädchen nach Fouesnant. Lucile dagegen kommt schon bald wieder nach Meerbusch: Sie gehört gemeinsam mit ihrem Freund Antonie zur Tänzer- und Musikergruppe, die wieder beim Französischen Fest in Düsseldorf vom 6. bis 8. Juli auftreten. Gestern Nachmittag gab es ein gemeinsames Konzert der beiden Chöre Stephanus und Echo de Vagues in der Nikolaus-Kirche, am Abend wurde im JuCa gefeiert. Heute geht es für unterschiedliche Gruppen mit Ausflügen auf die Insel Hombroich, nach Schloss Dyck, in die Classic Remise, zur Deutschen Oper am Rhein oder einer Fahrradtour durch Meerbusch weiter. Um 18.30 Uhr beginnt der Festakt im Meerbusch-Gymnasium. Sonntag um 10 Uhr stehen die Eröffnung einer Ausstellung mit deutsch-französischen Werken und ein Kammerkonzert im Wasserturm auf dem Programm, ab 12 Uhr wird zum großen Bürgerfest auf den Marktplatz nach Lank-Latum eingeladen. "Hier sind alle Bürger willkommen", sagt Gabi Pricken. Die Franzosen hätten sogar Essen und Trinken mitgebracht: zum Beispiel Rillettes, den typisch-französischen Brotaufstrich, und französischen Wein. Ein Teil des Programms gehört zur Europawoche 2018. Dafür hat die Stadt Meerbusch einen Zuschuss in Höhe von knapp 25.000 Euro aus dem Programm "Europa für Bürgerinnen und Bürger" der Europäischen Union erhalten. Die Stadt übernimmt noch einmal die gleiche Summe, so dass für die mehrtägige Begegnung zwischen den Partnerstädten 50.000 Euro zur Verfügung stehen.

Wenn Gabi Pricken als Komitee-Vorsitzende auf die deutsch-französische Freundschaft zwischen Meerbusch und Fouesnant blickt, genießt sie vor allem, dass man - bei aller Verantwortung für die Geschichte - einfach nur gemeinsam feiern kann. "Das tun wir mit den Menschen, zu denen wir eine tiefe Verbundenheit empfinden."

(ak)
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