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Meerbusch: Stadtsportverband befürchtet finanzielle Probleme bei Vereinen

Sport in Meerbusch : Sorge um Kinder, die nicht schwimmen lernen

Der Vorsitzende des Stadtsportverbands Meerbusch (SSVM) berichtet über die Lage der Sportvereine, 35 gehören dem Verband an.

Herr Dietz, Sie haben im Herbst das Amt des neuen Vorsitzenden des SSVM angetreten. Ihren Start hatten Sie sich sicher unter anderen Umständen gewünscht…

Peter Dietz Natürlich hätte ich mich nach meinem Amtsantritt liebend gerne anderen Themen gewidmet als Hygienekonzepten und Sportverboten. Ich hatte geplant, viele Vereine zu besuchen, um mich einerseits vorzustellen und andererseits mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Das hat auf digitalem Wege zwar auch funktioniert, war aber nicht so persönlich und zudem wesentlich aufwändiger. Mir lag es zudem sehr am Herzen, gerade die kleinen Vereine, die man nicht direkt auf dem Schirm hat, kennenzulernen. Das war unter diesen Umständen ebenfalls schwierig.

Mit welchen Problemen hatten die Vereine auf Grund der Pandemie zu kämpfen?

Dietz Ich habe kürzlich alle 35 Vereine, die Mitglied im SSVM sind, per E-Mail zu diesem Thema befragt. 22 davon haben umgehend geantwortet. Viele hatten die gleichen Sorgen. Nahezu alle haben darüber geklagt, dass sie ihren Sport nur sehr eingeschränkt oder teilweise gar nicht ausüben konnten. Tennisklubs hatten etwas mehr Glück, weil Tennis mehr oder minder ein Individualsport ist, der im Sommer im Freien stattfinden konnte. Vereine, die hingegen überwiegend Hallensport anbieten, waren deutlich stärker betroffen. Handballer, Volleyballer, Basketballer, Tischtennis- und Badmintonspieler mussten die alte Saison ebenso abrupt abbrechen wie die neue Saison im Herbst. Die Basketballer hatten sogar noch gar nicht wiederbegonnen, so dass sie bald ein Jahr ohne Spielbetrieb sind. Die DLRG hat mir mitgeteilt, dass womöglich eine ganze Kindergeneration nicht schwimmen lernen wird, weil schon seit fast einem Jahr kein Schwimmen mehr angeboten werden kann. Das stimmt mich sehr traurig.

Sind die Mitgliederzahlen aufgrund der fehlenden Sportangebote heruntergegangen?

Dietz Das ist eines der wenigen positiven Dinge in diesem Jahr. Corona-bedingt gab es nur wenige Austritte. Fast alle Klubs haben von einer recht normalen Fluktuation berichtet. Manche Klubs hatten ihren Mitgliedern angeboten, auf Teile des Jahresbeitrags zu verzichten, die meisten hätten davon aber keinen Gebrauch gemacht. Das zeigt, die starke Verbundenheit der Meerbuscher Bürger zu ihren Sportvereinen. Auf der anderen Seite gab es allerdings auch deutlich weniger Vereinseintritte. Einzige Ausnahme sind die Tennisklubs, die ein leichtes Plus bei den Mitgliederzahlen verbuchen konnten.

Haben Sie Sorge, dass die Leute jetzt vielleicht merken, dass sie auch ohne Sport klarkommen und deshalb nicht alle in die Vereine zurückkehren?

Dietz Ich glaube, dass diejenigen, die es über Jahre gewohnt sind, Sport im Klub zu treiben, nur darauf warten, wieder loslegen zu dürfen. Daher wären das eher Einzelfälle. Man darf ja beim Vereinssport auch die soziale Komponente nicht vergessen, die für viele ebenso wichtig ist.

Ist das auch der Grund, wieso das digitale Angebot der Vereine nur vereinzelt positiv angenommen wird?

Dietz Die Trainings oder Kurse über Video sprechen eine bestimmte Altersgruppe an, aber einen Großteil eben nicht. Die Pandemie zeigt aber auch auf, dass sowohl viele Sportvereine als auch Sportstätten digital noch hinterherhinken. Fehlende WLANs in Sporthallen lassen ein Online-Angebot gar nicht zu. Auf der anderen Seite konnten zahlreiche Mitgliedersammlungen nicht stattfinden, weil sich Vereine nicht dazu durchringen konnten, sie virtuell durchzuführen. In diesen Bereichen gibt es noch großen Nachholbedarf.

Gibt es Meerbuscher Vereine, die durch die Corona-Krise auch in eine finanzielle Schieflage geraten sind?

Dietz Zum Glück hat mir kein Verein berichtet, dass er kurz vor der Pleite steht. 2020 sind mehr oder minder alle noch gut durch die Krise gekommen. Wenn sich die Pandemie mit den damit verbundenen Einschränkungen aber noch über weite Teile des kommenden Jahres streckt, dann kommen auf viele Klubs wirklich große Schwierigkeiten zu. Vor allem solche, die überwiegend bezahlte Kurse anbieten, klagen über große Verluste. Der DLRG oder der Tauchsportgemeinschaft beispielsweise sind fast alle Kurse und damit auch große Teile der Einnahmen weggebrochen. Ebenso sind Klubs, die eine eigene Gastronomie betreiben oder eine eigene Sportanlage finanzieren müssen, finanziell betroffen.

…und die Sponsorengelder fließen sicher auch nicht mehr so üppig wie vorher…

Dietz Das stimmt. Zum einen sitzt bei vielen Unternehmen das Geld nicht mehr so locker, weil sie selbst durch Corona finanziell getroffen sind. Zum anderen sehen manche Betriebe auch nicht mehr ein, sich bei Sportvereinen zu engagieren, weil ja keine Veranstaltungen oder Heimspiele mehr stattfinden und somit die Werbewirksamkeit ihrer Firma dadurch verloren geht.

Gab es denn auch irgendetwas etwas Positives im Meerbuscher Sportjahr 2020?

Dietz Es war ein schwieriges Jahr für den Sport. Mit Ausnahme der großen Solidarität der Mitglieder mit ihren Vereinen fällt mir daher nur die Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten zum Thema Sport in Meerbusch ein. Das war Anfang August eine gelungene Veranstaltung, die es in dieser Form vorher noch nicht gab. Es gab dafür sehr viel positives Feedback, so dass ich vorhabe, ähnliche Aktionen zu wiederholen.

Blicken wir zum Schluss noch in die Zukunft. Wann glauben Sie, dass Sport wieder möglich sein wird?

Dietz Ich gehe davon aus, dass bis März oder April kaum eine Verbesserung eintreten wird. Ab dem Frühjahr wird Sport im Freien wahrscheinlich wieder im reduzierten Maße möglich sein. Die Rückkehr zum Kontaktsport wird dann wieder in kleinen Schritten erfolgen. Aber vieles hängt natürlich auch davon ab, wie schnell der Impfstoff für die breite Masse zugänglich ist. Man kann nur hoffen, dass bis kommenden Herbst viele Menschen geimpft werden können – das würde den Sport betreffend vieles erleichtern.