Meerbusch Das ist der Notfallplan für einen Blackout

Meerbusch · Im Extremfall können Notrufe nur in den Gerätehäusern der Feuerwehr abgesetzt werden. Bürger sollen vorab informiert werden. Dazu sind Eigenverantwortung und aktive Selbsthilfe wichtig, sagt Bürgermeister Christian Bommers.

Das Luftbild zeigt das Umspannwerk in Osterath am Ingerweg. Es ist ein wichtiges Teil des Versorgungsnetzes.

Das Luftbild zeigt das Umspannwerk in Osterath am Ingerweg. Es ist ein wichtiges Teil des Versorgungsnetzes.

Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

Deutschland muss sich besser auf extreme Ereignisse vorbereiten. Das hat im vorigen Sommer die Flutkatastrophe gezeigt und so das Bewusstsein für eine bessere Vorbereitung auf Ausnahmesituationen geschärft. Angesichts der angespannten Energieversorgung rüsten sich nun Kreise und Kommunen wie die Stadt Meerbusch für den Fall eines flächendeckenden Stromausfalls.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist der „Fall der Fälle“ eher unwahrscheinlich. Das Szenario, auf das sich der Rhein-Kreis Neuss in Abstimmung mit den Kommunen vorbereitet, ist ein Stromausfall von bis zu 72 Stunden. Dafür laufen in der Meerbuscher Stadtverwaltung seit Wochen intensive Vorbereitungen für den „Blackout“, einen Stromausfall größeren Ausmaßes im Winter. „Als Kommune müssen wir jetzt verschiedene Notlagen durchspielen, um – soweit das überhaupt möglich ist – gerüstet zu sein“, sagt Bürgermeister Christian Bommers. So soll in Meerbusch die Handlungsfähigkeit im Notfall gesichert werden:

SAE Die drei Buchstaben sind die Abkürzung für den Stab für außergewöhnliche Ereignisse. Geleitet wird er von Bettina Scholten. Sie ist im Rathaus Fachbereichsleiterin für Sicherheit und Ordnung und koordiniert die Vorbereitungen. Dabei stimmen sich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes regelmäßig mit Vertretern der Technischen Fachbereiche, der IT-Abteilung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Feuerwehr für den Ernstfall ab. „Klar ist, dass etliche Dinge, die wir jetzt für selbstverständlich halten, ohne Strom schlichtweg nicht mehr möglich sein werden. Das fängt bei der Kommunikation an und hört bei der Treibstoffversorgung für die städtische Fahrzeugflotte auf“, so Scholten. Klar ist: Im Extremfall kann die übrige Verwaltung nicht mehr arbeiten.

Kommunikation Das massivste Grundproblem bei einem längeren Stromausfall ist der Zusammenbruch der klassischen Kommunikationskanäle. Innerhalb kurzer Zeit stehen dann die Telefonnetze, E-Mail, Social Media und Zeitungen ebenso wie Radio und Fernsehen nicht mehr zur Verfügung. „Deshalb ist es an uns, die Information der Bevölkerung zum größten Teil schon vorbeugend zu erledigen“, sagt Stadtsprecher Michael Gorgs. Pressemitteilungen, Info-Blätter oder Social-Media-Posts mit Verhaltens- und Selbstvorsorgetipps müssten schon im Vorfeld bei den Menschen angekommen sein. „In der Notlage selbst werden wir nicht mehr viel kommunizieren können“, sagt Gorgs. „Dann bleiben nur vorbereitete Flyer und gegebenenfalls Lautsprechdurchsagen von Einsatzfahrzeugen übrig.“ Parallel prüft die Stadt, wie über noch vorhandene Antennenmaste ein interner, stromunabhängiger Funkverkehr für städtische Kräfte aufgebaut werden kann.

Notrufe Im Extremfall kann nur noch über die Gerätehäuser der Feuerwehr ein Notruf abgesetzt werden. Die Bürger müssen deshalb bei einem Notfall die Gerätehäuser aufsuchen, die es in jedem Ortsteil gibt. Ausnahme ist Ilverich, dort ist das Gerätehaus in Langst-Kierst die Anlaufstelle. Von diesen Standorten ist über Funk der Kontakt zur Kreisleitstelle sichergestellt, erklärt Wachleiter Dominik Stein. Im Fall eines längeren Stromausfalls rechnet er mit einem hohen Anstieg der Einsätze, etwa weil es wegen des Ampelausfalls zu Unfällen kommt und Menschen in Aufzügen feststecken. Außerdem lösen in solchen Situationen viele Brandmeldeanlagen aus, ohne dass ersichtlich ist, dass es sich um Fehlalarme handelt.

Info-Punkte In bekannten Gebäuden plant die Stadt provisorische Info-Punkte für Bürgerinnen und Bürger. Sie werden mit freiwilligen Mitarbeitern der Stadtverwaltung besetzt. 50 Kollegen hätten sich bereits gemeldet, so die Stadt. „Hier können nur Menschen zum Einsatz kommen, die sich selbst einer solchen Aufgabe gewachsen fühlen und nicht anderweitig belastet sind“, erklärt Stadtsprecher Gorgs.

Notstrom Neben der Hauptfeuerwache in Osterath muss vor allem der Sitz des SAE im Technischen Dezernat an der Wittenberger Straße in Lank mit Notstrom versorgt werden.

Abwasser Auch im Fachbereich Straßen und Kanäle wurden die Folgen eines teilweisen oder umfassenden Stromausfalls durchexerziert. Geklärt wird dabei unter anderem die Frage, wie viel Einstauvolumen das städtische Kanalnetz bieten kann, wenn die Pumpwerke, die das Schmutz- und Regenwasser zur Kläranlage in Ilverich transportieren, mangels Energie ausfallen. Positiv ist: Alle Erkenntnisse, die jetzt im Rathaus für den Blackout zusammengetragen werden, können in Zukunft auch als Grundlage für andere sogenannte Großschadensereignisse – zum Beispiel Überschwemmungen oder Bombenentschärfungen größeren Ausmaßes – genutzt werden. „Unsere Möglichkeiten sind begrenzt, wir tun als Stadt aber alles, um vorbereitet zu sein“, so Bürgermeister Christian Bommers. Aus einer Tatsache aber macht auch er keinen Hehl: „Entscheidend wird sein, dass die Bürgerinnen und Bürger – wenn es ernst wird – besonnen bleiben, Eigenverantwortung übernehmen und aktiv Selbsthilfe leisten.“

Hinweise und Empfehlungen Auf der Internetseite der Stadt werden die Informationen unter der Rubrik „Katastrophenschutz“, Unterthema – „Stromausfall“ ständig aktualisiert und erweitert.

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