Meerbusch: Meerbusch - Stadt ohne Hauptschüler

Meerbusch : Meerbusch - Stadt ohne Hauptschüler

Erstmals in der Geschichte Meerbuschs wurde kein einziger Viertklässler fürs kommende Schuljahr an einer Hauptschule angemeldet. Rund zwei Drittel der Meerbuscher Grundschüler wechseln aufs Gymnasium

Meerbusch wird im kommenden Schuljahr wohl die einzige Kommune in Nordrhein-Westfalen sein, in der kein Viertklässler auf eine Haupt- oder Sekundarschule wechselt. Von den knapp 500 Viertklässlern, die im Sommer die Meerbuscher Grundschulen verlassen, meldeten die Eltern nicht einen einzigen an einer Hauptschule an.

Zur besseren Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik. Foto: RP/Röse

Rund fünf Prozent der Kinder hatten eine Empfehlung erhalten, künftig die Hauptschule zu besuchen. Freilich: Bindend ist nicht die Empfehlung, sondern der Elternwille. "Eltern können ihr Kind mit Hauptschulempfehlung also auch auf einem Gymnasium anmelden — und das kommt auch vor", erklärt Schuldezernentin Angelika Mielke-Westerlage.

In Meerbusch selbst war eine Anmeldung an der Hauptschule nicht möglich; wegen der sinkenden Nachfrage hatte die Politik beschlossen, dass die Hauptschule keine neuen Eingangsklassen mehr bildet und in den kommenden Jahren ausläuft. Aber auch außerhalb Meerbuschs, in Düsseldorf, Krefeld oder im Rhein-Kreis Neuss, wurde kein Meerbuscher Grundschüler an einer Hauptschule angemeldet.

Schuldezernentin Mielke-Westerlage hatte die Entwicklung kommen sehen: "Die Anmeldungen aus Meerbusch waren schon in der Vergangenheit konstant rückläufig", berichtet sie. "Bereits in den Schuljahren 2009/10, 2010/11 und 2011/12 konnte an der Hauptschule in Meerbusch nur eine Eingangsklasse gebildet werden, weil auch auswärtige Schüler sich an der Hauptschule in Osterath angemeldet hatten."

Sowohl die Schulformen Gesamtschule als auch Realschule ermöglichten einen Hauptschulabschluss — "ich hatte deshalb auch nicht erwartet, dass Eltern ihr Kind an einer Hauptschule in einer unserer Nachbarstädte anmelden würden", so Mielke-Westerlage. Die Bevölkerung in Meerbusch sei extrem bildungsorientiert, sagt die Schuldezernentin. "Nach den Grundschulempfehlung der derzeitigen Viertklässler haben 52 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine uneingeschränkte Gymnasialempfehlungen, weitere zwölf Prozent eine eingeschränkte Gymnasialempfehlung."

Um solche Werte zu erreichen, helfen die Eltern auch schon einmal nach. "Von den Schulleitern wird mir immer wieder berichtet, dass auch schon Grundschulkinder Nachhilfeunterricht bekommen, um ein hohes Leistungsniveau zu erreichen", sagt Mielke-Westerlage.

119 Fünftklässler werden im kommenden Schuljahr am Mataré-Gymnasium unterrichtet, das Meerbusch-Gymnasium in Strümp verzeichnet 150 Schüler. Die Maria-Montessori-Gesamtschule bekommt im neuen Schuljahr 115 Fünftklässler, die Realschule Osterath 70.

78 Meerbuscher Grundschüler wechseln auf eine weiterführende Schule außerhalb Meerbuschs — davon fast jeder Dritte auf eine so genannte Ersatz- oder Ergänzungsschule wie beispielsweise die International School in Düsseldorf Kaiserswerth. 53 Schüler von auswärts besuchen künftig eine weiterführende Schule in Meerbusch.

Eines aber haben auch die aktuellen Schulanmeldezahlen nicht gebracht: eine klare Entscheidung für eine zweite Gesamtschule oder die Einrichtung einer Sekundarschule. Weder für die eine noch die andere Schulform gibt es genügend Bedarf.

(RP/url/ila)
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