Landwirtschaft in Meerbusch Solawi Meerbusch startet ins vierte Anbau-Jahr

Meerbusch · Der Verein Solidarische Landwirtschaft Meerbusch kooperiert seit seiner Gründung 2020 mit dem Hof am Deich.

Die Gründer der Solawi-Gemeinschaft wollen die regionale Landwirtschaft unterstützen (v.l.): Johannes Bodewig, Simone Mocka und Andrea Blaum.

Die Gründer der Solawi-Gemeinschaft wollen die regionale Landwirtschaft unterstützen (v.l.): Johannes Bodewig, Simone Mocka und Andrea Blaum.

Foto: Ja/Anne Orthen (ort)

Im Dezember 2020, vor fast genau drei Jahren, wurde der Verein Solidarische Landwirtschaft Meerbusch, kurz: Solawi, gegründet. Ziel der Initiative ist es, lokal ansässigen Landwirten mehr Sicherheit beim Anbau durch eine garantierte Abnahme der Ernte zu ermöglichen. Der Verein kooperiert mit einem landwirtschaftlichen Betrieb, finanziert diesem die Jahreskosten der Lebensmittelproduktion und sichert so zugleich die Eigenversorgung der Vereinsmitglieder, die regelmäßig einen Teil der saisonalen Ernte erhalten. Fällt diese, etwa witterungsbedingt, einmal schlechter aus, hat der Landwirt nichtsdestotrotz ein gesichertes Einkommen. Das wirtschaftliche Risiko trägt also nicht der Hof allein, sondern die gesamte Solawi-Gemeinschaft.

„Der Gedanke dahinter war, einen Landwirt in Meerbusch zu unterstützen und gleichzeitig Nahrung direkt vom Feld zu bekommen“, sagt Gründungsmitglied Andrea Blaum über ihre Motivation, die Solawi Meerbusch ins Leben zu rufen. „Das Regionale, Saisonale und Ökologische war dabei für mich ganz entscheidend.“ Johannes Bodewig, der ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern zählt, sieht in der Solawi auch eine Chance, der zunehmenden Schließung landwirtschaftlicher Betriebe in der Region entgegenzuwirken: „Es gibt keinen wichtigeren Beruf, als Landwirt. Ich finde, dass man diesen Berufsstand viel mehr unterstützen und wertschätzen muss,“ erklärt er. Viele Gemüsebauern gäben den Betrieb auf oder bauten stattdessen Mais für Biogasanlagen an. „Das, was wir essen, kommt dann aus dem Ausland.“

Um frisches Gemüse direkt aus Meerbuscher Anbau beziehen zu können, kooperiert der Verein seit seiner Gründung mit dem Hof am Deich, von dem er mittlerweile auch einen Eieranteil bezieht. „Das ist der einzige ökologisch geführte Hof in Meerbusch“, sagt Andrea Blaum. Jeweils zu Jahresbeginn einigen sich die Vereinsmitglieder auf einen Pflanzplan, nach dem der Hof im kommenden Wirtschaftsjahr die entsprechenden Gemüsesorten anbaut. Jedes Mitglied zahlt pro Monat einen fixen Betrag für einen Ernteanteil und erhält dafür regelmäßig den Ertrag von circa 100 Quadratmeter beackerter Fläche. Auch der Erwerb von halben Anteilen ist möglich; abholen können die Mitglieder ihr Gemüse in Depots in Büderich und Osterath. Wie viel Gemüse der Einzelne letztendlich bekommt, ist dabei immer abhängig vom Verlauf der Ernte und der Jahreszeit.

„Im Winter kann ein Ernteanteil zum Beispiel aus zwei Knollen Rote Beete, einer Sellerie und sieben Möhren bestehen“, sagt Johannes Bodewig. „Im Sommer kann es passieren, dass man so viel Gemüse bekommt, dass man gar nicht weiß, wie man das alles essen soll. Das ist einfach der Jahresverlauf.“ Um der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken, sei es daher ratsam, das überschüssige Gemüse einzumachen und in weniger ertragreichen Zeiten zu verbrauchen. „So wie unsere Vorfahren das schon gemacht haben“, sagt Andrea Blaum. Viele täten sich damit allerdings schwer: „Wir haben aktuell etwa 80 Mitglieder, aber leider auch einige verloren, die gesagt haben, dass sie beim Einkaufen nicht so eingeschränkt sein möchten“, erklärt Bodewig. „Viele Leute finden die Solawi-Idee toll, aber in der Praxis ist sie einfach anstrengender als nach Lust und Laune im Supermarkt zuzugreifen.“

Trotzdem sind Blaum und Bodewig überzeugt, dass der Verein und das Solawi-Kozept eine Zukunft haben: „Die Solawi ist eine Graswurzelbewegung und derzeit noch ein zartes Pflänzchen, aber es entwickelt sich“, sagt Blaum. Mittlerweile gebe es bereits um die 400 Vereine in Deutschland. „Aus unserer Sicht darf es gerne weitergehen“, erklärt auch Bodewig. „Wir haben leider nicht alles in der Hand. Das Ganze muss auch wirtschaftlich sein. Wir müssen etwa 40 Anteile haben, damit das finanziell lohnt. Das Grundinteresse ist aber auf jeden Fall da.“

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