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Interview mit Johanna Smaczny: "Meerbusch sitzt auf einer Goldgrube"

Interview mit Johanna Smaczny : "Meerbusch sitzt auf einer Goldgrube"

Meerbuschs erste Klima-Managerin spricht im Interview über die Chancen durch Erdwärme, geplante Sprit-Spar-Kurse — und die Klimaziele der Stadt.

Sie sollen mit dafür sorgen, dass der CO2-Ausstoß Meerbuschs im Jahr 2030 nur noch halb so hoch ist wie im Jahr 1990. Wie soll das gelingen?

Smaczny Das kann nur gelingen, wenn die Meerbuscher Bürger sich beteiligen. Denn die Privathaushalte tragen in unserer Stadt 42 Prozent zum Ausstoß des Treibhausgases CO2 bei, der Verkehr 36 Prozent.

Wie wollen Sie die Bürger einbinden?

Smaczny Da habe ich eine ganze Reihe von Ideen. Jeder weiß, wie viel Sprit sein Auto schluckt. Doch den Kilowattstundenverbrauch seines Kühlschranks kennt kaum jemand — und könnte auch mit der Zahl nicht viel anfangen. Da will ich sensibilisieren, zum Beispiel, indem man aktuell die Leistung der Bürgersolaranlage auf der Internetseite der Stadt sehen kann — und erfährt, wie viele Kühlschränke sich damit betreiben ließen. Oder indem man dort schnell und einfach nachrechnen kann, ob sich eine Kleinwindanlage zur Stromerzeugung rechnet. Gern hätte ich auf der Meerbuscher Internetseite auch ein Forum, in dem sich Privatleute auf kurzem Weg mit Mitarbeitern des Fachbereichs Umwelt austauschen können. Wir prüfen gerade, ob das eingerichtet werden kann.

Seit 1990 sind mittlerweile 23 Jahre vergangen. Wie hat sich Meerbusch klimaschutztechnisch bislang entwickelt?

Smaczny Im Jahr 2010 hat jeder Meerbuscher im Schnitt 8,9 Tonnen CO2 produziert. Zum Vergleich: So viel Kohlendioxid verursacht ein Drei-Liter-Auto, das dreimal um die Erde fährt. Leider gibt es keine entsprechende Zahl aus dem Jahr 1990. Bundesweit ist der CO2-Ausstoß von 1990 bis 2009 um 35 Prozent zurückgegangen. Wir gehen davon aus, dass wir in Meerbusch alle fünf Jahre unseren CO2-Ausstoß um zehn Prozent reduzieren müssen.

Planen Sie da konkrete Maßnahmen?

Smaczny Ja. Im Juli würde ich in Kooperation mit Meerbuscher Fahrschulen gerne Sprit-Spar-Kurse anbieten. Im Sommer soll es auch erstmals einen "Tag der erneuerbaren Energien" geben, mit Exkursionen zu Wind-, Solar- oder Passivhäusern. Und eine Radtour zum Geothermiecenter nach Willich. Meerbusch sitzt auf einer Goldgrube — die Voraussetzungen für Erdwärmepumpen sind hier phänomenal gut. Im Herbst wird es "Klimafilmtage" im Forum Wasserturm geben.

Sie managen den Klimaschutz, werden dabei von einem Klimabeirat unterstützt, in dem Vertreter der Verwaltung, der Politik und der Banken sitzen. Naturschutzverbände haben dort keinen festen Sitz...

Smaczny Sie möchte ich gerne auf der Arbeitsebene einbinden; im Vorfeld als Vorbereitung auf die Arbeit im Klimabeirat.

Das bedeutet konkret?

Smaczny Wenn wir beispielsweise eine Aktion wie "Mit dem Rad zur Arbeit" planen, wird natürlich der ADFC angesprochen. Bei den Sitzungen des Beirates sollen die Umweltverbände bei Bedarf ebenfalls dabei sein.

MARTIN RÖSE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP/ac/EW)