Meerbusch: Schulen bilden Kinderschutz-Teams

Meerbusch: Schulen bilden Kinderschutz-Teams

Meerbuschs weiterführende Schulen arbeiten ab sofort noch enger mit dem städtischen Jugendamt zusammen. So soll gute Hilfe gewährleistet sein, wenn es Schülern nicht gut geht oder es Probleme in den Familien gibt.

Nach den Grundschulen sind die weiterführenden Schulen dran: Die Direktoren haben am Dienstag den „Kooperationsvertrag Kinderschutz“ unterschrieben, und wollen künftig noch enger mit dem städtischen Jugendamt zusammenarbeiten, um sich gemeinsam für das Kindeswohl einzusetzen.

Lehrer verbringen viel Zeit mit den Schülern, sehen sie oft täglich. So bekommen sie häufig auch mit, wenn etwas nicht stimmt, zum Beispiel die Leistung der Schüler stark nachlässt, sie unregelmäßig zum Unterricht erscheinen, das äußere Erscheinungsbild auf Vernachlässigung oder eine Drogensucht hinweist.

Bis zu welchem Punkt reicht ein Gespräch zwischen Lehrer und Schüler, manchmal auch mit den Eltern? Wann sollte das Jugendamt eingeschaltet werden? Und welche unterschiedlichen Hilfsangebote gibt es dort? Diese Fragen haben die Schulen und die Mitarbeiter des Jugendamts im September bei einem gemeinsamen Treffen geklärt, Verfahrensstandards entwickelt und die Ergebnisse in einem Kinderschutz-Ordner festgehalten. So sollen in Zukunft etwa Gespräche von Lehren mit Kindern oder Eltern einheitlich dokumentiert werden. In den Schulen wurden außerdem Kinderschutz-Team gebildet, die regelmäßig geschult werden sollen, erklärt Beate Peters, Abteilungsleiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) im Fachbereich Soziales und Jugend.

„Hier geht es nicht darum zu sagen: böse Schulen oder böses Jugendamt. Wir wollen zusammen effizienter arbeiten, damit die Hilfe ankommt und es den Kindern schnell besser geht“, sagt Peters. Es gebe bei beiden Bereichen Schnittmengen, daher müsse es verlässliche Strukturen geben, „damit kein Kind durchs Raster fällt“, bekräftigte Peter Annacker, Bereichsleiter Soziale Hilfen und Jugend.

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Man habe in den Schulen oft mit Grauzonen zu tun, sagt Burkhard Wahner, Schulleiter der Realschule Osterath. „Es geht einem Kind nicht gut, und wir wissen nicht warum.“ Die Probleme der Schüler seien auch vielfältiger geworden, „es gibt zunehmende Probleme mit den Anforderungen der Schule aber auch den Eltern“, sagt er. Da sei es wichtig, im Gespräch zu bleiben. An der Gesamtschule habe es zuletzt schon einen Fall gegeben, bei dem das neue Konzept schnell geholfen habe, sagte Schulleiter Klaus Heesen. „Es ist gut zu wissen, wie wir in solchen Fällen agieren können und dass wir als Schule nicht alleine sind.“

Die Schulen können sich dabei zunächst an das Jugendamt wenden,  einen Fall anonym schildern und sich beraten lassen, wie sie weiter vorgehen können. Wenn die Schulen trotzdem feststellen, dass die Bemühungen nicht ausreichen, die Eltern zum Beispiel nicht kooperieren oder das Kind weiter die Schule schwänzt, kann der Fall dann offiziell dem Jugendamt gemeldet werden.

Auch dann gibt es verschiedene Formen der Hilfe, sagt Beate Peters. Etwa die ambulante Familienhilfe. Sozialpädagogen besuchen  Familien ein bis zwei Mal pro Woche, helfen bei der Erziehung oder auch dabei, den Haushalt zu organisieren. Ziel sei es, Hilfestellung zu geben, damit das Zusammenleben in den Familien wieder funktioniert. Nur in wenigen Fällen würden Kinder tatsächlich aus den Familien heraus geholt.

Natürlich können nicht nur die Schulen reagieren, wenn sie glauben, dass es Jugendlichen oder Kindern nicht gut geht. Heutzutage seien die Menschen für das Thema Kinderschutz sensibilisiert, sagt Peter Annacker. Bei der Stadt gehen pro Jahr 50 bis 60 derartige Meldungen von Kitas, Schulen, Kinderärzten oder auch Privatpersonen ein.

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