1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch schließt Bücherei und das Meerbad

Coronavirus in Meerbusch : Meerbusch schließt Bücherei und das „Meerbad“

Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung ist infiziert. Drei seiner Kollegen wurden in Quarantäne geschickt. Die mesiten Ämter bleiben ab heute geschlossen. Die Meerbuscher Tafel sucht dringend haltbare Lebensmittelspenden.

Die Sorge darüber, dass sich das Coronavirus verbreitet, belastet in Meerbusch die verschiedensten Lebensbereiche. Mit sofortiger Wirkung – und zunächst befristet bis 19. April – sind ab Montag alle Dienststellen der Stadtverwaltung für den Publikumsverkehr geschlossen. Geschlossen sind auch das Theater Am Wasserturm, die Sporthallen und -anlagen, das Meerbad und die Stadtbibliothek. Veranstaltungen mit städtischer Beteiligung wurden abgesagt. VHS-Kurse und Musikschulunterricht werden bis auf weiteres verschoben. Der Baby-Besuchsdienst des Jugendamtes wird eingestellt, der Abenteuerspielplatz schließt.  Ein Besuch im Bürgerbüro ist nur noch nach Terminvergabe möglich. Termine können ab Montagmorgen, 8 Uhr, unter der Telefonnummer 02132/916-166 vereinbart werden.

Auch wer bei der Volkshochschule und bei der Bauaufsicht im Technischen Dezernat der Stadtverwaltung etwas zu erledigen hat, muss jetzt vorab einen Termin vereinbaren. Bürger sind gebeten, sich nur noch in sehr dringenden Fällen an Dienststellen zu wenden. Zusätzlichen Handlungsbedarf im Rathaus löste am Samstag die Meldung aus, dass unter den aktuell neun infizierten Personen in Meerbusch nun auch ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung ist. Der Mann hatte nach der Rückkehr aus seinem Urlaub von der Infektion eines Mitreisenden erfahren. Er wurde sofort vom Dienst frei gestellt und inzwischen positiv getestet, zeigt aber nur geringe Krankheitssymptome. Drei Kollegen, die enger mit dem Betroffenen zusammengearbeitet haben, bleiben bis auf weiteres ebenfalls zu Hause. Es geht ihnen gut, sie haben keine Symptome.

Auch die Gastronomen sind betroffen. So schildert Weijuan Dong vom Chinarestaurant Mikado in Osterath, dass seit mehr als zwei Wochen nur vereinzelt Gäste kommen. „Aktuell können wir die Zahl der Besucher an zwei Händen abzählen“, sagt die Gastronomin. Einige Angestellte aus dem Service, die auf Abruf arbeiten, hat sie abbestellt. „Das Virus und dessen Verbreitung sind in allen Gesprächen Thema“, sagt Dong, die viele Verwandte in China hat. Die 35-Jährige betont: „Unsere Gäste sind unglaublich freundlich und nett. Viele haben mich getröstet.“ Sie habe aber auch von Landsleuten gehört, die wegen ihrer Nationalität ausgegrenzt würden.

Damit sich das Coronavirus weniger schnell verbreitet, entscheiden sich fast alle Veranstalter, ihr Programm zu ändern. So sagt der Geschichtsverein Meerbusch bis auf weiteres alle Termine mit Publikumsverkehr ab. „Wir wollen unsere Freunde keiner unnötigen Gefahr aussetzen“, haben die Vorsitzenden Mike Kunze und Paul Hoffmann zusammen mit dem Ehrenvorsitzenden Robert Rameil beschlossen. Die Absage betrifft die Mitgliederversammlung am Donnerstag, 19. März, und den Vortrag von Landtagsvizepräsident Oliver Keymis zu „50 Jahre Meerbusch – umstrittene Projekte in einer jungen Stadt“ (Montag, 23. März). Die Veranstaltungen sollen auf jeden Fall nachgeholt werden. Auch werde die Arbeit im Verein nicht vollständig ruhen. „Zumal die Forschungsarbeiten ohnehin eher im stillen Kämmerlein vor sich gehen“, so Kunze. Der Austausch innerhalb der Forschergemeinde werde weiterhin telefonisch und digital aufrecht erhalten. Alle Aktiven seien „mit reichlich Material eingedeckt“. Zugleich geht der Verein in die Offensive: „Wir haben bisher mehr als 900 Abonnenten, die wir in den nächsten Wochen und Monaten über die sozialen Medien verstärkt mit Texten und Informationen aus der Meerbuscher Geschichte versorgen wollen“, kündigt Kunze an. Auch und gerade in der Krise brauchten die Menschen Kultur.

Die angespannte Situation beschäftigt auch den Verein Meerbusch hilft. So werden bei der Meerbuscher Tafel haltbare Lebensmittel knapp, teilt der Verein mit. Dringend benötigt werden Reis, Würstchen und Wurst-, Fisch- und Gemüsekonserven sowie Fertigsuppen, Gemüsebrühen und H-Milch. Die Spenden können während der Öffnungszeiten im Lager am Plöneshof in Osterath abgegeben werden. Die Hilfsangebote in der Fahrradwerkstatt, Kleiderkammer, Tafel und im Ankommenstreffpunkt werden vorerst unverändert fortgesetzt. Der Begegnungsabend in Pauls Savanne in Osterath fällt bis auf weiteres aus.

Auch die Politik macht wegen Corona eine Zwangspause. Die Sitzungen des Ausschusses für Schule und Sport (17. März), des Haupt- Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschusses (19. März), des Kultur- und des Sozialausschusses (24. und 26. März) werden verschoben. Auch die evangelische Kirchengemeinde Lank-Strümp schließt ihre Kirchen und sagt alle Veranstaltungen und Gottesdienste ab.