1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Politiker streiten um neue Bauprojekte

Stadtplanung : Politiker diskutieren Bauprojekte

Bei der Genehmigung von Neubauten sind die Meinungen in der Politik kontrovers. So auch beim geplanten Ausbau eines Firmensitzes an der Ladestraße. Die einen stellen dabei ökologische Gesichtspunkte in den Vordergrund, die anderen wollen die Unternehmen nicht verschrecken.

Mehr Wohnungen, mehr Gewerbe – Meerbusch wächst. Das ist zum einen erfreulich: Schließlich kann das steigende Gewerbesteuereinnahmen bedeuten, und Grundstückseigentümer freuen sich über steigende Preise. Zum anderen bringt das natürlich Veränderungen mit sich, eben auch Veränderungen, die nicht jeder schätzt.

Diese Spannung unterschiedlicher Interessen macht sich immer deutlicher bemerkbar, wenn in den zuständigen politischen Gremien über Neu- und Umbauten beraten und entschieden wird. So auch zuletzt im Planungsausschuss.

Das fängt schon damit an, dass vermehrt Themen, die von der Verwaltung für den nicht öffentlichen Teil der Sitzung vorgesehen waren, auf Antrag von Grünen oder FDP in den öffentlichen Teil wandern. Die Fraktionen finden es wichtig, frühzeitig beteiligt zu werden. So auch bei einem möglichen Verkauf eines städtischen Gewerbegrundstücks an der Ladestraße im Stadtteil Osterath entlang der Bahnline.

Dort ist ein IT-Unternehmen mit 100 Mitarbeitern ansässig und möchte seinen Standort ausbauen, um für weiteres Wachstum dort bis zu 300 Mitarbeiter beschäftigen zu können. Das Gebiet sei aber nur geeignet, wenn es einige Befreiungen vom Bebauungsplan gebe, wie etwa eine Anhebung der maximalen Bauhöhe um bis zu 2,70 Meter, was drei Geschossen entspricht.

Zwar waren sich die Fraktionen grundsätzlich darüber einig, dass gegen diese Wünsche keine Bedenken bestünden. Dissens herrschte dagegen über die Frage, ob man dies nun per Beschluss zusagen sollte oder dies nicht besser als Verhandlungsmasse in der Hinterhand behalten sollte.

Dies favorisierten Grüne und FDP. Ihnen war daran gelegen, sicher zu stellen, dass die Fassadengestaltung Lärmschutz bietet und im Hinblick auf den Klimaschutz auf eine energetische Bauweise geachtet wird. Außerdem sei eine Tiefgarage wünschenswert, so Klaus Rettig von der FDP.

Aus Sicht der CDU Forderungen zum falschen Zeitpunkt. Dies könne man beim Kaufvertrag immer noch geltend machen. „Ich gehe davon aus, dass die Firma punkten will“, erklärte Hans-Werner Schoenauer von der CDU. Er gehe deshalb davon aus, dass energetische Maßnahmen in deren eigenem Interesse sei.

Wirtschaftsförderer Stephan Benninghoven erklärte, das Grundstück sei nicht leicht zu vermarkten, die Firma sei die interessanteste Anfrage der letzten anderthalb Jahre. Franz Jürgens (CDU) erklärte, es sei zu befürchten, dass der Investor abspringe. Eine Stunde lang ging es hin und her. Joachim Quass von den Grünen erklärte, Sorgfalt gehe vor Schnelligkeit, es brauche eben eine Klärung. Mit drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurden die Befreiungen gewährt.

Anders verlaufen die Fronten in der Politik, wenn es um Wohnsiedlungen geht. Der Rat hatte beschlossen, dass im Dichterviertel in Lank-Latum die typische Anmutung der Siedlung inklusive Dachlandschaft erhalten bleiben soll. Um dies sicher zu stellen, sollte eine Veränderungssperre beschlossen werden. Dies war nötig geworden, weil ein Bauantrag für ein Einfamilienhaus im Dichterviertel ein Flachdach vorgesehen hatte. Eine Gebäudeform, die mehr Wohnraum bietet als ein Satteldach. Doch dagegen gab es starken Widerstand. „Das ergibt ein ungeordnetes Bild. Stadtplanung ist dazu da, den Charakter zu erhalten“, erklärte Dieter Schmoll von der UWG, der selbst Architekt ist. Ähnlich argumentierten CDU und FDP. Die Grünen, aber auch die Linke betonten hingegen, dass sie es den Bürgern nicht schwerer machen wollten, als es nötig sei. „Flachdach neben Satteldach ist kein Wildwuchs“, sagte Joachim Quass von den Grünen.