Corona-Krise Quarantäne im Rentnerparadies Florida

Die Osterather Ludger und Monika Heutmann überwintern im US-Sonnenstaat. Sie berichten über ihre Eindrücke in der Corona-Krise.

 In ihrem Haus in Lehigh Acres verbringen Ludger und Monika Heutmann aus Osterath die Wintermonate.

In ihrem Haus in Lehigh Acres verbringen Ludger und Monika Heutmann aus Osterath die Wintermonate.

Foto: Heutmann

Monika und Ludger Heutmann aus Osterath sind „Snowbirds“, wie die Amerikaner sagen. Sie überwintern in ihrem Haus im Sunshine State Florida. Auch dieses Jahr sind sie wieder an die Golfküste, nach Lehigh Acres geflogen, wo sie ein Haus besitzen. Doch diesmal ist vieles anders. Die Corona-Krise hat, wenn auch mit Verzögerung, die Menschen in Florida erreicht. Darüber berichtet Ludger Heutmann im Telefongespräch mit unserer Redaktion.

„Dass erst kürzlich ernsthafte Maßnahmen ergriffen wurden, haben wir Präsident Trump zu verdanken, der das Virus erst ignoriert und dann klein geredet hat“, urteilt Ludger Heutmann. Doch die Maßnahmen, die nun in Washington „viel zu spät“ beschlossen wurden, seien bei den Menschen noch gar nicht angekommen, erzählt er. „Der Handwerker beispielsweise, der Anfang der Woche bei uns den Weg gepflastert hat, wollte uns zur Begrüßung die Hand geben und konnte gar nicht verstehen, warum wir Distanz wahren wollten“, erzählt der Meerbuscher. Abstand untereinander hätten Arbeiter auch nicht eingehalten.

Einladungen zum Dinner bei Nachbarn bekommen die Heutmanns weiterhin, denn soziale Kontakte seien nicht verboten „Die lehnen wir aber ab“, unterstreicht Heutmann. Kopfschütteln löst bei ihm auch aus, dass die beliebten Auktionen, bei denen allerlei Krimskrams, aber auch hochwertige Dinge bis hin zu Waffen versteigert werden, weiter laufen, obwohl sich besonders viele ältere Menschen daran beteiligen. Florida, das Rentnerparadies der USA, heißt es ja. Auch Heutmanns gehen normalerweise gerne zu den Auktionen, um zu stöbern und Schnäppchen zu machen.

 Ludger Heutmann plante, im Mai wieder nach Osterath zurückzukehren.

Ludger Heutmann plante, im Mai wieder nach Osterath zurückzukehren.

Foto: Heutmann

„Als bekannt wurde, dass es ab Montag Einschränkungen geben könnte, sind wir am Sonntag noch einmal zum Supermarkt gefahren. Da herrschte das Chaos“, erzählt der Osterather. Nun seien sie für 14 Tage eingedeckt und hätten nicht vor, ihr Haus zu verlassen. „Wir leben unsere eigene Quarantäne: von der Hängematte in den Pool, an den Mittagstisch und zurück in die Hängematte. Es könnte also sehr viel schlimmer sein“, sagt er.

Ihm sei aber bewusst, dass es sich nicht alle Amerikaner so gut gehen lassen können. „Viele Amerikaner haben nicht einmal eine vernünftige Krankenversicherung und die private Versorgung ist sehr teuer“, erzählt der 69-Jährige. „Wer wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt werden muss, wird kaum mit den tausend Dollar auskommen, die Präsident Trump jedem Amerikaner zuteilen will.“

Inzwischen sind alle öffentlichen Stellen, aber auch Restaurants und Strände in Florida geschlossen. Bei den Banken könne man nur noch am Autoschalter vorfahren. Tankstellen und Supermärkte seien weiterhin geöffnet. „Am 1. April hing an unserer Haustür ein Flyer einer Gemeinde, die zum Gottesdienst einlud – kein Aprilscherz“, wundert sich Heutmann. „Die ‚Florida Sun‘ meldete am Mittwoch, dass der Gouverneur die Florida Keys (Anm. der Redaktion: eine Reihe tropischer Inseln) für Touristen geschlossen hat“, erzählt er weiter. Für etliche Städte und Ferienorte seien nächtliche Ausgangssperren verhängt worden.

Wie lange die Heutmanns in ihrem Feriendomizil ausharren wollen, wissen sie noch nicht. Ursprünglich hatten sie geplant, Mitte Mai nach Meerbusch zurückzukommen. Ihr Dauervisum, das ihnen erlaubt, sechs Monate in den USA zu bleiben, läuft allerdings bis August. Ob es Sonderregelungen gäbe, falls keine Flüge stattfinden würden, konnte das „Immigration Office“ ihnen nicht sagen. „Zurzeit gibt es bei der Lufthansa nur die Verbindung Chicago – Frankfurt“, berichten die Heutmanns. Doch das könnte sich täglich ändern. „Wir werden nun erst einmal weiterhin unseren Pool, die Sonne und die schönen warmen Temperaturen genießen“, sagen die beiden. Doch ihr Paradies hat Risse bekommen.

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