Meerbusch: Ostara-Bewohner klagen über lieblose Gestaltung des Areals

Anwohner wünschen sich mehr Aufenthaltsqualität : Ostara: Schnell mehr Grün pflanzen

Die charmefreie Gestaltung des Ostara-Viertels beschäftigt weiter die Gemüter. Nachdem sich die Politik das Quartier kritisch angesehen hat, melden sich nun die Anwohner. Der wichtigste Appell: Es muss mehr Grün gepflanzt werden.

Mehr als 400.000 Euro hat Marlies Haferkamp in ihr Eigenheim investiert. Gekauft hat sie im Jahr 2013. Besonders verlockend fand sie die Prospektwerbung mit dem Begriff „Parkquartier Osterath”, auf dem Titelblatt eine fröhlich-lachende Frau inmitten von viel Grün. Auch die weiteren Verkaufsunterlagen strotzten nur so von Bildern mit Bäumen, Büschen, Gräsern und Blumen. Und heute: Nichts von diesem versprochenen Grün ist zu sehen. Stattdessen Beton, Asphalt, kühle Häuser mit Vorgärten aus grauen Kieselsteinen statt aus Rasen. Alles versiegelt. Von Grün definitv keine Spur.

„Sie hätten mal im letzten Sommer hier sein sollen”, sagt Marlies Haferkamp. „Da konnten sie zum einen schon ab morgens um 10 Uhr auf dem heißen Asphalt gar nicht gehen, zum anderen gab es nirgendwo Schatten.” Vor allem für die Kinder, die ja eigentlich gerne draußen spielen, ein Unding, sagt sie.

Dieser Prospekt bewarb das „Parkquartier Osterath“. Aber von Park ist dort nichts zu sehen, sagen die Anwohner. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Vor zwei Wochen hatte sich der Planungsausschuss bei einem Ortstermin über die Situation im Ostara-Viertel informiert. „Das war alles so nicht geplant”, hieß es anschließend unisono von den Politikern. Der Projektentwickler habe sich an viele Vorgaben nicht gehalten. Nur ein Beispiel: Der Vierkanthof, der im hinteren Stück geplant war und an ländliche Strukturen erinnern sollte, fehlt ganz. Dort stehen nur eine Häuserzeile, gegenüber Abstellhäuschen. Oder: Mülleimer stehen wahllos vor den Eingängen, es gibt keine einheitlichen Behausungen. Vorgärten sind mit Steinen belegt. Die Bäume, die gepflanzt wurden, sehen aus „wie Spargelstangen”, sagt Marlies Haferkamp. Den Politikern war auch aufgefallen, dass zum Beispiel das Regenrückhaltebecken als Müllhalde missbraucht wird. Haferkamp: „Es muss nicht unbedingt sein, dass die Leute dort ihren Abfall rein werfen. Es kann auch sein, dass der Müll einfach so umherfliegt, weil hier alles offen rum steht.” Für die Politik war nach der Besichtigung klar, dass sie sich besser und stringenter hätten einmischen müssen und zum Beispiel eine Gestaltungssatzung verlangt hätten sollen.

Für Marlies Haferkamp steht fest: „Dies ist ein wirklich negatives Beispiel für Wohnbebauung.” Sie zieht sogar den Vergleich zu anderen Projekten in Deutschland. „Berlin hat seinen Flughafen, Stuttgart seinen Bahnhof – und Meerbusch sein Ostara-Viertel.” Sie ärgert sich ebenso wie ihre Nachbarn auch über die Politiker und Verwaltungsvertreter, die sich nach ihrer Einschätzung jetzt einfach hinstellen würden und feststellen, dass es zu viele Autos gibt, die dort parken, dass der Vierkanthof einfach fehlt… „Das kommt jetzt alles so schnoddrig rüber”, so die frühere Bilanzbuchhalterin, die seit einem Jahr in Rente ist. „20 Jahre Planung sind doch hier einfach in den Sand gesetzt.”

Marlies Haferkamp in ihrem Garten. Auch sie hat sich den Plastiksichtschutz installiert und hofft, dass bald die Pflanzen größer werden. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Sie erinnert sich an die Zeit, als sie ihr Haus gekauft hat: „Das war doch hier wie in einer Lotterie.” Man habe ja froh sein können, überhaupt etwas kaufen zu können. Sie habe dabei mit ihrem Reihenendhaus noch Glück gehabt, weil sie einen relativ freien Garten und Zuweg habe. Aber auch sie hat sich – auch wenn es nicht richtig schön ist –für den Plastiksichtschutz am Gartenzaun entschieden, den die Politik eigentlich kritisiert hatte. Es dauere halt, bis die Grünpflanzen größer werden und als Sichtschutz dienen.

Sie und ihre Nachbarn ärgern sich nicht nur über die enge Bebauung und das fehlende Grün, sondern auch über die Undurchsichtigkeit von Flächen-Zuordnung. „Niemand weiß, ob die Bürgersteige oder Straßen zum Investor oder zur Stadt gehören.” Wenn es denn städtische Flächen seien: „Warum kümmert sich keiner und pflanzt zum Beispiel?”

Auch die Parkplätze vor den einzelnen Häusern seien zu eng an den Gebäuden. Zwischen Auto und Hauseingang bliebe so nur wenig Platz. „Hier entstehen sowieso oft gefährliche Situationen, wenn Kinder spielen und Paketautos nicht durchkommen.” Genau in diesem Moment fährt ein Lkw durch die Straße und mogelt sich einfach durch eine Absperrung, indem er fast einen geparkten Pkw schrammt, einfach mal eine Mülltonne an die Seite stellt, über den Kies auf dem Bürgersteig fährt und dabei eine gesperrte Poller-Durchfahrt ignoriert, nur damit er leichter auf die Winklerstraße gelangt. Haferkamp: „Und so etwas passiert hier jeden Tag.”

Marlies Haferkamp ist aber schon mal froh, dass die Straßen überhaupt asphaltiert sind. „Am Anfang sind wir ja hier nur über Schotter gefahren.” Die Laternen hätten auch noch kein Licht gegeben. Erst nachdem sie sich massiv beschwert hatte, wurde plötzlich das Straßenlicht angeschaltet. Sie wohnt dort seit November 2016, gehört also zu denen, die ziemlich am Anfang eingezogen sind. Sie ist Mutter von vier erwachsenen Söhnen, zurzeit wohnt einer der Söhne noch mit im Haus, ist aber auf der Suche nach einer Eigentumswohnung in der Nähe. „Das ist wirklich schwierig, hier in der Gegend eine bezahlbare Eigentumswohnung zu finden.”

Dass die Planung jetzt abgeschlossen ist, sieht Marlies Haferkamp ein. Aber sie und ihre Nachbarn wünschen sich jetzt eigentlich nur noch eins: dass mehr Grün gepflanzt wird und dass Stadt und Verwaltung eine solch dichte, grün-freie und darum auch ökologisch negative Gestaltung eines Wohngebiets nicht noch einmal zulassen und genehmigen.

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