Hilfe für Ukraine in Meerbusch „Bleibt stark, wir denken an euch“

Büderich · Mitarbeiter des Feinkosthändlers Bos Food haben  Spenden für die Ukraine organisiert. Drei Sattelschlepper bringen Medikamente, Lebensmittel, Windeln, Hygieneartikel und mehr. Dazu eine Botschaft an die Ukrainer.

 Thomas Frohriep und Nicola Adler beladen einen kleinen Lieferwagen, der die Spenden zu einem großen Lkw bringt.

Thomas Frohriep und Nicola Adler beladen einen kleinen Lieferwagen, der die Spenden zu einem großen Lkw bringt.

Foto: Ja/Anne Orthen (ort)

Welche Kreise doch ein einziger Aufruf unter Kollegen ziehen kann. Als würde man einen Stein ins Wasser werfen und eine gewaltige Flutwelle auslösen. Vor vier Tagen erst schickte Thomas Frohriep, IT-Systemadministrator bei Bos Food, eine Mail an alle 200 Mitarbeiter des Büdericher Feinkosthändlers. Darin bat er um Hilfe für die Ukraine, voller trauriger Gedanken an einen ukrainischen Kollegen, der gerade unterwegs in seine vom Krieg zerstörte Heimat war.

Saskia Bos und einige seiner Freunde verbreiteten den Appell auf Facebook. „Und dann ging alles rasend schnell“, berichtet Thomas Frohriep. Die angestoßene Sammelaktion verbreitete sich wie ein Lauffeuer, unentwegt trafen nicht nur aus Meerbusch Pakete und ganze Paletten ein, mit Medikamenten, haltbaren Lebensmitteln, Windeln, Hygieneartikeln, Thermo- und Bettdecken. „Ich weiß gar nicht, wie ich den Leuten danken soll“, sagt der Initiator.

 Saskia Bos mit den Spenden, die von der Grünstraße in Büderich die Ukraine gebracht werden.

Saskia Bos mit den Spenden, die von der Grünstraße in Büderich die Ukraine gebracht werden.

Foto: Anke Kronemeyer

Die Spenden kamen von Firmen, aber auch von vielen Privatleuten. Mitarbeiter von Bos Food machten sich von morgens bis abends daran, alles zu sortieren und transportsicher zu verstauen. Nicola Adler hat eine medizinische Ausbildung, sie achtete vor allem auf die korrekte Zuordnung und Beschriftung von Medikamenten. „Unsere gute Fee“, lobt Thomas Frohriep, „was die alles leistet.“ Für Nicola Adler eine Selbstverständlichkeit: „Wenn man sieht, was diese armen Menschen verloren haben und wie sie leiden, bekommt man Gänsehaut. Niemand kann sich wirklich ausmalen, wie man sich da fühlt.“

Berührende Szenen spielten sich auf dem Hof des Bos Food-Geländes ab. Ein älterer Herr weinte angesichts der Grausamkeiten des Krieges, als er seine Spende ablieferte. Ursprünglich war geplant, alle Hilfsgüter am Donnerstag in Neuss auf einen Lkw zu verladen, der ins polnisch-ukrainische Grenzgebiet fahren sollte. Von dort sollten die Sachen verteilt werden. Schon morgens zeigte sich, dass dieser eine Lkw nicht ausreichen würde.

Eine Spedition stellte daraufhin zwei Sattelschlepper für Freitag bereit. Und am Freitagvormittag waren es schon drei. „Eine Dynamik, die niemand vorhersehen konnte“, sagt Thomas Frohriep. Bei unserem Besuch klingelt sein Handy. Kurz spricht er mit seiner Frau und gibt die Botschaft mit einem Lächeln weiter: „Jetzt kommen schon bei mir zu Hause Sachen an. Der Sohn von Bekannten arbeitet in einem Hotel, das einen 500-Euro-Gutschein spendete. Davon wurden Drogerieartikel gekauft, die auch noch mitgehen.“

An der Spitze der vielen beteiligten Unternehmen stehen das Autohaus Krüger & Schellenberg in Büderich, das zahlreiche Verbandstaschen spendete, und die Firma Hakle, die jede Menge Desinfektionsmittel zur Verfügung stellte. Auch Daimler und das Autohaus Nauen halfen mit. „Ich hatte einigen meiner Partner mitgeteilt, was am dringendsten benötigt wird“, sagt Ralf Bos.

Aus seinem Unternehmen wurden unter anderem 1500 Pakete Nudeln und 500 Kilo Reis verladen. „Die gesamte Aktion ist meinen Mitarbeitern zu verdanken, sie sind es, die mich angesprochen und das alles organisiert haben“, betont er. Ein Punkt ist ihm dabei wichtig: „Neuwertige Sachen zum Anziehen sind willkommen. Wir sind aber keine Entsorgungsstelle für Altkleider.“

Auch er war überrascht von dem überwältigenden Echo. Berührt hat ihn die Spende einer Frau aus Neuss: „Sie hatte ihre Boutique geschlossen, die Sachen aber aufbewahrt. Alles, was noch da war, brachte sie zu uns, völlig neue Kleidung, noch mit Etiketten versehen. Mit der Bemerkung, jetzt wisse sie, warum sie sich noch nicht davon getrennt habe.“

Thomas Frohriep will die Aktion fortsetzen. „Weitere umfangreiche Hilfe wird angesichts des Krieges bestimmt dringend benötigt“, sagt er. „Wir sind froh, dass wir etwas dazu beitragen konnten. Aber das mulmige Gefühl geht nicht weg. Hoffen wir, dass es nicht zum Schlimmsten kommt.“ Er verweist auf die Flyer, die extra in den ukrainischen Landesfarben Blau-Geld gedruckt und dem Transport beigefügt wurden. Darauf die Aufschrift in Deutsch, Englisch und Ukrainisch: „Bleibt stark, wir denken an Euch.“

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